Erfolg mit „windigen“ Geschäften

Österreichs Zulieferer für Windräder befinden sich aktuell im Höhenflug mit hohen Exportquoten. Doch wer so weit oben ist, verspürt auch Gegenwind.

In Österreich drehen sich 1.300 Windräder und decken damit elf Prozent des Strombedarfs (Foto: Zoonar/J.Wachala - Thinkstock.com)

Mehr als 190 heimische Unternehmen sind als Zulieferer und Dienstleister im Windenergiesektor tätig. „Österreichs Windzulieferer sind wie der Wind selbst: praktisch überall und immer aktiv“, scherzt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft. Der gemeinnützige Verein ist die österreichische Interessenvertretung für Produzenten und Windparkbetreiber. Der Scherz in anderen Worten: 190 heimische Unternehmen sind in der Windkraftbranche für den Weltmarkt tätig und erwirtschaften jährlich einen Umsatz von etwa 750 Millionen Euro.

Das Spektrum ist dabei riesig. Heimische Player sind führend bei Steuerungsmodulen, Generatoren, Anlagendesign und Hightech-Werkstoffen. Daneben gibt es Dienstleister wie Kranfirmen, Planungsbüros und Software-Designer. Es gibt praktisch keinen Teil eines Windrades, der nicht auch in Österreich hergestellt wird.
Für den Wirtschaftsstandort Österreich ist die Windenergie ein markanter Impulsgeber. Die Errichtung eines Windrades mit drei Megawatt Leistung kostet rund vier Millionen Euro. Heimische Unternehmen naschen an diesem Kuchen mit einem Auftragsvolumen von knapp 1,5 Millionen Euro mit. Während der 20-jährigen Lebensdauer kommen für sie noch rund 3,3 Millionen Euro für Wartung und Betrieb dazu. Insgesamt profitiert die österreichische Windkraftwirtschaft an jedem Windrad mit etwa 4,8 Millionen Euro. Bei 1.260 Windrädern hierzulande generiert das gut sechs Milliarden Euro an Wertschöpfung.

Doch das ist für die Branche nur ein Klacks. Denn der Großteil geht in den Export. In Europa sind die Zielmärkte Deutschland, Dänemark und Spanien gefolgt von Asien (vor allem China), USA und Kanada. Einige Unternehmen sind sogar Weltmarktführer, wie etwa „Bachmann Electronic“ aus Vorarlberg.

Ländle-Technik in jedem dritten Windrad

Bachmann sorgt rund um den Globus für die Automatisierung von Windenergieanlagen. Das Unternehmen mit Sitz in Feldkirch liefert als Komplettanbieter unter anderem Steuerungstechnik, Zustandsüberwachung, Datenportale und Netzregelungen. In weltweit 100.000 Windrädern steckt Technik aus dem Ländle. Das ist immerhin ein Drittel aller existierenden Anlagen.

Abnehmer für Bachmann-Produkte sind die großen europäischen Hersteller von Windenergieanlagen an Land und auf See, wie Vestas, Nordex, Adwen oder Senvion sowie einige Hersteller aus Asien, etwa Suzlon oder Sany Wind Power. „Immer wichtiger werden als Kunden die Betreiber großer Windparks und Energieversorger, zum Beispiel Trans Alta, ein bedeutender kanadischer Energieversorger“, berichtet Bernhard Zangerl, Geschäftsführer von Bachmann Electronics. Mit seinen rund 240 Mitarbeitern erwirtschaftet er einen Umsatz von 70 Millionen Euro. Pro Woche verlassen etwa 4.000 Module das Werk. Der Exportanteil beträgt satte 97 Prozent.

Ein weiterer heimischer Exportmeister ist der Kupplungshersteller Geislinger aus Hallwang bei Salzburg. Hier gehen knapp 100 Prozent der Produkte ins Ausland. Die Kupplung absorbiert die Belastungen zwischen Rotor und Generator und erhöht damit die Lebensdauer eines Windrades.

Das Familienunternehmen erwirtschaftete zuletzt 107 Millionen Euro Umsatz und setzt voll auf Expansion, wie Geschäftsführer Cornelius Geislinger bekannt gibt: „Um der steigenden Nachfrage nachzukommen, wurde am Fertigungsstandort in Bad Sankt Leonhard in Kärnten 2015 der Bau einer neuen Halle für Faserverbundkupplungen abgeschlossen. Eine zweite Halle ist bereits in Planung und soll 2019 fertiggestellt werden“, so der CEO.

Generatoren von Elin

Nicht weniger global ausgerichtet ist die Elin Motoren GmbH aus Weiz, nördlich von Graz. Das steirische Unternehmen stellt Generatoren für Windkraftanlagen her und gehört in diesem Bereich zu den führenden Generatorherstellern für den Windmarkt mit Produktionsstandorten in Europa und Indien sowie Lizenznehmern in China. „Der Windkraftbereich ist bereits seit vielen Jahren einer der technologischen Schrittmacher unseres Unternehmens“, erklärt Stefan Schafferhofer, Direktor der Business Unit Wind Energy bei Elin. Rund 600 Windkraftgeneratoren pro Jahr verlassen das Werk in Weiz, 98 Prozent davon gehen in den Export.

Mit seinen Transformatoren sorgt Siemens dafür, dass der vom Windgenerator erzeugte Strom auf eine richtige und stabile Spannungsebene gebracht wird, um ihn möglichst verlustarm weiter ins Stromnetz leiten zu können. Mehr als 1.000 derartige Trafos für küs­tennahe (onshore) und küstenferne (offshore) Standorte produziert Siemens in seinem Werk – ebenfalls in Weiz – jährlich. „Es handelt sich um den weltweit größten Siemens-Produktionsstandort von Verteiltransformatoren für Windparks“, sagt Gerd Pollhammer, Leiter der Siemens-Division Energy Management. Das steirische Siemens-Werk ist im Offshore-Bereich Weltmarktführer mit einem Marktanteil von 80 Prozent und liefert in 70 Länder.

Ein eindeutiges Bekenntnis legt Pollhammer zum Standort Österreich ab, von wo aus die globale Forschung und Entwicklung der Siemens-Transformatorengruppe geleitet wird: „Derzeit sind rund 1.200 Mitarbeiter im Werk beschäftigt und erzeugen eine erhebliche lokale Wertschöpfung. Wenn Siemens in Weiz Transformatoren entwickelt und baut, dann sind darin bis zu 900 weitere Unternehmen in ganz Österreich involviert.“

Start-up baut Eissensoren

Klein, aber wichtig ist jenes Produkt, das die Eologix Sensor Technology aus Graz beisteuert. Es handelt sich um einen Sensor zur Eisdetektion und Temperaturmessung bei Windrädern. Das System besteht aus mehreren Sensoren und einer Empfangseinheit pro Windrad. Die Sensoren werden auf die Oberfläche der Rotorblätter geklebt. „Der große Vorteil des Sensors ist, dass der Vereisungszustand der einzelnen Turbinenblätter genau dort gemessen wird, wo er entsteht“, erklärt Thomas Schlegl, Co-Geschäftsführer des 2014 gegründeten Start-ups. Eis ist nämlich der große Feind des Windrades, denn es führt zu Unwucht und damit zu Getriebeschäden. Dies lässt sich vermeiden, indem man Vereisung frühzeitig erkennt und die Anlage herunterfährt.

Als wichtigste Abnehmer nennt Schlegl die großen heimischen Windanlagenbetreiber, darunter Energie Steiermark, die Österreichischen Bundesforste, Energie Burgenland sowie Wien Energie. Bisher hat Eologix 1.500 solcher Eissensoren verkauft, davon 45 Prozent im Export.

Zukunftsbranche mit Gegenwind

In Europa gab der Ausbau der Windenergie bis vor Kurzem noch Anlass zu Euphorie. „Die Windkraftleistung hat nicht nur die Atomkraft, sondern auch die Kohlekraftwerke überholt“, freut sich IG-Windkraft-Chef Moidl. Die Zukunftsperspektive stimmt allerdings weniger euphorisch. Eine in Planung befindliche EU-Richtlinie könnte künftig vorschreiben, dass Kraftwerks­projekte für Strom aus erneuerbaren Energieträgern „technologieoffen“ ausgeschrieben werden müssen. Windparks müssten sich dann gegen Solar- und Biogasanlagen durchsetzen, um die Förderungen einzustreifen. Profiteure davon werden primär die großen Player sein, kleine würden auf der Strecke bleiben, heißt es von der IG Windkraft. „Diese Änderungen behindern neue Investitionen in diesem Bereich“, kritisiert Moidl. Doch einen Hoffnungsschimmer gibt es noch. Österreich steht durch seine Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 am Steuerrad der EU-Energiepolitik.

Im neuen Regierungsprogramm sind 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen bis 2030 verankert. In der Branche ist man sich aber einig, dass die passenden Rahmenbedingungen erst erarbeitet werden müssen, damit der Ausbau für alle Beteiligten gerecht ist. Der Status quo ist nämlich unerfreulich. „Aktuell geht der Windkraftausbau in Österreich immer weiter zurück. 2014 wurden 143 neue Windräder errichtet. 2017 waren es nur noch 63 Anlagen“, stellt Moidl fest. Grund dafür sind unter anderem sinkende Einspeistarife für Ökostrom.

Im Raum steht die Befürchtung, der Windkraft könnte früher oder später die Luft ausgehen.

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