Duales Studium: Aus zwei wird eins

Beim dualen Studium wird dank maßgeschneiderter Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen akademische Theorie mit Jobpraxis kombiniert –

mit angestellten Studenten.

A1-CEO Margarete Schramböck: „Gemeinsam mit der FH Technikum Wien bieten wir erstmals Studenten in Wien die ­Chance, in nur drei Jahren das Informatikstu­dium zu absolvieren und gleichzeitig praktische ­Erfahrungen bei A1 zu sammeln (Foto: A1 Telekom Austria)

Studieren und nebenbei arbeiten ist heutzutage nicht ungewöhnlich, sondern die Regel. Je nach Umfrage oder Erhebung geben zwischen 60 und 80 Prozent der Studenten an zu jobben. Doch nicht immer bekommt man nach Beendigung des Studiums den ersehnten Job im angestrebten Berufsfeld oder Unternehmen.
Geht nicht beides? Pa­rallel studieren und Lebenslauf-adäquat arbeiten? Mit einem dafür maßgeschneiderten Konzept? Wobei nicht das etwa bei den Fachhochschulen (FH) übliche Praktikumssemester gemeint ist, sondern echtes „customized studying“. Bei dem Hochschule und Unternehmen zusammen quasi als Partnerunternehmen agieren.

Es geht – bei einem dualen Studium, bei dem Theorie- und Praxisphasen kombiniert werden. Das an der Hochschule gepaukte Wissen kann gleich im Job umgesetzt, gefestigt und erweitert werden, da sich Studium und Arbeit entweder in mehreren Blockphasen abwechseln, oder die Woche wird zwischen Lernen und Beruf gesplittet – je nach Studienanbieter. Studium und Beruf werden so noch enger miteinander verzahnt als in herkömmlichen berufsbegleitenden Studiengängen.

Und noch einen Unterschied gibt es: Die Studenten sind dabei im (Partner-) Unternehmen angestellt! Was Unternehmen meist schon mit der Zielsetzung „zukünftige Führungskraft“ ermöglichen. Davon profitieren beide: der Student und das Unternehmen.

Das duale Studium wird mit einem vollwertigen Bachelor oder Master abgeschlossen. Je nach Hochschule haben die Studenten unterschiedlich lange Zeit, um sich bei einem Partnerunternehmen zu bewerben. Die Fristen variieren ab drei Monaten vor Studienbeginn bis hin zum dritten Semester während des Studiums.
Der 35-jährige Student Franz Filzwieser weiß die dualen Phasen zu schätzen: „Für mich ist diese Studienform ideal, da ich meinen Beruf weiter ausüben und mich weiterentwickeln kann.“ Nach abgeschlossener Berufsreife wollte Filzwieser nebenberuflich studieren, zeitgleich wurde an der FH St. Pölten der duale Studiengang „Smart Engineering of Production Technologies and Processes“ ins Leben gerufen. Die Praxisphasen verbringt der mittlerweile im fünften Semester Studierende bei der Rubner Holzbau GmbH, einem Partnerunternehmen der FH St. Pölten.

Seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt bezeichnet der Student durch das praxisorientierte Studium als „sehr gut“. Auch Master-Studentin Verena Jeitler ist begeistert: Sie beschreibt ihre duale Studienzeit an der FH Joanneum als sehr tolle Erfahrung, die sie jederzeit wiederholen würde. Eines muss sie jedoch in Kauf nehmen: Die Ferien fallen weg, stattdessen gibt es für duale Studenten fünf Wochen Urlaub pro Jahr.

In Österreich selten

Während die sogenannten „Werkstudien“ in Deutschland eine lange Tradition verfolgen, ist dieses Modell in Österreich noch wenig bekannt. Georg Wagner, Professor an der FH Joanneum und so etwas wie ein heimischer „Dual-Pionier“, erklärt: „Österreich hat ein junges Fachhochschulwesen, gegründet mit dem Anspruch, praxisintegriert, berufsorientiert und unter Einbindung der Unternehmen des Berufsfeldes auszubilden. In der Pionierphase war es somit nicht leicht, ein noch konsequenter praxisorientiertes Modell bekannt zu machen und einer breiteren Öffentlichkeit die zahlreichen Vorteile dieses Studienkonzepts zu erläutern bzw. dieses umfassend zu bewerben.“

Laut Wagner besitze Österreich zudem mit der dualen Berufsausbildung, beruflichen Weiterbildungen, wie sie beispielsweise das WIFI anbietet, und auch berufsbildenden höheren Schulen eine Reihe von Modellen, die ähnliche Bedürfnisse der Unternehmen ansprechen. „Solange es obendrein eine ausreichende Zahl an qualifizierten Bewerbern für offene Stellen gibt, sehen Unternehmen keine Notwendigkeit, sich über die Beteiligung an Bildungsangeboten verstärkt selbst um die verlangten Qualifikationen zu kümmern“, resümiert Wagner.

Bachelor und Master möglich – das Studienangebot

Die FH Joanneum rief mit dem Studiengang „Produktionstechnik und Organisation“ im Jahr 2002 das erste duale Studium Österreichs ins Leben. Mittlerweile bietet die FH neben diesem Studiengang auch das Mas­ter-Studium „Engineering and Production Management“ an. Beide Studiengänge sind technisch ausgerichtet: Es werden jene Fächer unterrichtet, die in allen Ausbildungsbetrieben benötigt werden. Stark branchenorientierte Technologien und Fertigkeiten werden in den Praxisphasen erarbeitet. „Die Ausbildungsunternehmen zahlen den Studierenden eine Entschädigung, die sich im Bachelor-Studium „Produk­tionstechnik und Organisation“ auf zirka 700 bis 800 Euro, 14-mal jährlich, beläuft. Unternehmen beteiligen sich am Studium primär mit dem Ziel des strategischen Recruitings für Aufgaben in der mittleren Führungsebene. Es werden somit Studienplätze vorrangig dann angeboten, wenn es innerhalb des Ausbildungspartnerunternehmens Personalbedarf in diesen Bereichen gibt“, so Wagner, der zur Klarstellung hinzufügt: „Der Ausbildungsvertrag ist weder eine Jobgarantie für die Studierenden nach Studienabschluss, noch ist eine Bleibegarantie der Absolventen für die Ausbildungsbetriebe beinhaltet.“

Der duale und internationale Master-Studiengang „Automotive Mechatronics und Management“ der FH Oberösterreich wurde in enger Zusammenarbeit mit der Fahrzeugindustrie konzipiert. Absolventen soll dadurch der Berufseinstieg in die zumeist international agierende Fahrzeugindust­rie erleichtert und internationale Studienbewerber angesprochen werden. Die Akzeptanz dieses Studiengangs zeigen die etwa 200 Bewerber pro Jahr. Aufgenommen werden schlussendlich 20 Studierende.

An der FH Vorarlberg können Hochschüler „Elekt­rotechnik“ und „Wirtschaftsingenieurwesen“ dual studieren. Mittlerweile kooperiert die FH im Zuge des Studiengangs „Elektrotechnik“ mit etwa 40 Partnerunternehmen, neun Partnerunternehmen stehen den Hochschülern des Studiengangs „Wirtschaftsingenieurwesen“ zur Auswahl (siehe Tabelle). In beiden Studienrichtungen schließt man mit dem Bachelor ab.
Die FH St. Pölten bietet den dual organisierten Bachelor-Studiengang „Smart Engineering of Production Technologies and Process“ auf bilingualer Basis an und bildet in enger Kooperation mit Unternehmen Experten für die stark interdisziplinären Aufgabengebiete der „Industrie 4.0“ aus. Die Studenten lernen, sich in komplexen und rasch variierenden Situationen zu orientieren und selbst zu organisieren.

Neue Studienangebote und neue Plattform

Die FH Joanneum, St. Pölten, Technikum Wien, Vorarlberg und Oberösterreich haben sich zu der Plattform „Duales Studium Österreich“ zusammengefunden, um das Ausbildungsmodell im Binnenland bekannter zu machen. Die Plattform wird diesen Herbst unter www.dualstudieren.at online gehen und bietet umfassende Informationen zu dieser Studienvariante sowie den entsprechenden Hochschulen. Die Zielgruppe richtet sich an Studieninteressierte, Firmen, Presse sowie FHs, die mit dualen Studiengängen ihr Angebot erweitern möchten. Betrieben wird die Seite von den beteiligten Fachhochschulen. „Aktuell rotiert der Vorsitz im Jahresrhythmus, den Anfang macht die FH Joanneum. Die Leitung ist das sogenannte „face to customer“ und informiert bei Anfragen über alle Belange  des dualen Studiums“, führt Professor Franz Geiger von der FH Vorarlberg aus.
Zudem ist der Start des dualen Master-Studiengangs „Lebensmittel: Produkt- und Prozessentwicklung“ für das Wintersemester 2018/2019 an der FH Joanneum geplant. An einem dualen Informatikstudiengang wird an dieser FH derzeit ebenso gearbeitet.

Parallel dazu bietet seit diesem Studienjahr die FH Technikum Wien den dualen Bachelor-Studiengang „Informatik“ neben der Vollzeit-Studienvariante an. Hier wechseln Präsenz- und Betriebspraxisphasen etwa im Zwei-Wochen-Rhythmus. Als Partnerunternehmen fungiert unter anderem der Kommunikationsanbieter A1, der auch die Studiengebühren der Lernenden übernimmt. A1-CEO Margarete Schramböck freut sich über die Kooperation: „Gemeinsam mit der FH Technikum Wien bieten wir erstmals Studenten in Wien die Chance, in nur drei Jahren das Informatikstudium zu absolvieren und gleichzeitig praktische Erfahrungen bei A1 zu sammeln. Gemeinsam mit ihnen werden wir die Digitalisierung Österreichs vorantreiben.“

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