Start-up à la FH

Einige Fachhochschulen haben Gründer­zentren eingerichtet, um Absolventen mit Know-how, Kontakten, Förderungen und Räumlich­keiten zu unterstützen.

Nadja Schönherr (sitzend ganz vorn) und ihr Team vom INNOLAB an der FH Campus02 unterstützen gründende Studenten (Foto: Campus 02/Tamara Frisch Photography)

Relativ neu ist das „FH Startup Center“ der FH Salzburg, das nach einem Jahr fünf Start-ups zum Laufen verhalf, mehr als 30 Projekte evaluiert und geprüft sowie 500 Interessierte im Zuge von Veranstaltungen beraten hat. Startup-Campus-Managerin Natasa Deutinger: „Das FHStartup Center bietet ein Serviceangebot in zwei Phasen. Einerseits die Seed-Phase im Sinne von create, reflect and get trained. Hier geht es darum, Geschäftsmodelle zu erkennen und gemeinsam zu entwickeln.“ Dies wird meist im Zuge von Workshops und Trainings mit Referenten aus der Wirtschaft und Wissenschaft vermittelt. „Die zweite Phase ist die Pre-Start- und Start-Phase. Wir nennen das prepare, start & get mentored. In der Vor- sowie Gründungsphase helfen wir beim Umsetzen und Professionalisieren des Vorhabens durch individuelles Mentoring, Netzwerkaktivitäten, Zugang zu Mitarbeitenden, Einbindung in Projekte oder Bereitstellung von Infrastruktur und Büroräumlichkeiten“, so Deutinger.

Ziel der FH ist unter anderem die Vernetzung zwischen den Studiengängen weiter zu fördern. So gibt es eine neue Studienergänzung, die sich „fhstartify – Dein Pass zur Selbstständigkeit“ nennt und unterstützen soll, sich während des Studiums fächerübergreifend Wissen rund um das Thema Start-up anzueignen.
„Die Startup Salzburg Factory unterstützt pro Jahr bis zu fünf innovative, markt- und gründungsreife Salzburger Start-ups. Die Teilnehmer werden bis zu sechs Monate bei ihren individuellen Entwicklungsschritten begleitet, fit für Finanzierungen und den Markteintritt gemacht und bekommen Zugang zu Kooperationen mit der Wirtschaft. Darüber hinaus werden zur Umsetzung des Vorhabens individuell finanzielle Zuschüsse des Landes hinzugezogen“, zieht Deutinger stolz ihre erste
Bilanz nach einem Jahr.

Das INNOLAB in Graz

Am Campus02 in Graz, beim Studiengang Innovationsmanagement, ist das INNOLAB angesiedelt. Dieses wird von der WKO unterstützt und kann so seine Dienste – wie die Gründerzentren der anderen FHs auch – kostenlos anbieten. „Für Betriebe und angehende Unternehmer wird es zunehmend wichtiger, mit innovativen Ansätzen, egal ob neue Produkte, Geschäftsmodelle oder Prozesse, mit Markt und Modernisierung Schritt zu halten“, hält Nadja Schönherr fest.

Es geht der Leiterin des INNOLAB aber nicht nur um Neugründungen: „Im Lebenszyklus eines Unternehmens kommt immer wieder der Punkt, an dem ein Neustart nötig ist“, führt sie aus und zeigt, dass es immer stärker um Weiterentwicklungen von Unternehmungen geht. Und noch deutlicher: „Das INNOLAB, seit über zehn Jahren Anlaufstelle für Tausende Menschen mit innovativen Geschäftsideen, ist fokussiert auf Start-ups und bestehende Unternehmen, die mit innovativen Ansätzen fit für die Zukunft werden wollen. Oft ist es ein neutraler Blick von außen, der einer neuen Geschäftsidee zur Marktreife verhilft. Unser Leistungsspektrum umfasst einen Unternehmens-Check, Unterstützung bei der Ideen- und Umsetzungsplanung und Innovationsbegleitung bei der tatsächlichen Realisierung von Ideen.“ Die Grundlage für die Betreuung ist ein eigens entwickelter „Innovation Workflow, der auf jahrelanger Erfahrung und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht“.

Beispiele für Start-ups, die aus der FH Campus02 kommen und vom INNOLAB betreut wurden: Sunny­BAG, ’s Fachl Graz, the makery, well LINKED oder Studo.

Von Runtastic bis Tractive in Oberösterreich

Auch die FH Oberösterreich gründete vor zehn Jahren das Transferzentrum für Unternehmensgründung. Über 100 Start-ups haben in dieser Zeit den Service des FH-OÖ- Zentrums in Anspruch genommen, darunter Erfolgsgeschichten wie Runtastic, Tractive, Bistrobox, line­metrics oder Bissanzeiger.

Gerold Weiß ist Gründer und Leiter des Zentrums: „Die oberste Triebfeder erfolgreicher Gründer heißt Leidenschaft, gepaart mit Talent, Überzeugung oder auch durch Hobbys gewonnene Interessen. Die Mission ist also wichtig, denn 99,9 Prozent der Gründungen haben noch kein großes Netzwerk hinter sich. Das bekommen sie dann unter anderem durch uns.“ Die große Zukunft sieht Weiß in neuen Technologien: „Virtual Reality und künstliche Intelligenz sind für die nächs­ten zehn Jahre das große Thema. Da entstehen laufend Geschäftsmöglichkeiten.“

Neben allen technologiegetriebenen Innovationen werden sich laut Weiß auch Nischen für erfolgreiche Gründungen anbieten: „Die große Unbekannte der nächs­ten Jahre ist die E-Mobilität. Das hat Einfluss darauf, wie sich unsere Autozulieferindustrie entwickeln wird.“

Grundsätzlich ist das Transferzentrum für die eigenen Studierenden gedacht,  allerdings „haben wir unser Netzwerk nach außen um die Gründerplattform AKOSTART OÖ in Linz und den coworkingspace „bytewerk“ in Hagenberg erweitert“, erklärt Weiß. Ersteres ist in Zusammenarbeit mit der Johannes Kepler Uni und der Kunst Uni in Linz zustande gekommen und so breiter aufgestellt. „Wir bieten kein Geld, sondern Know-how, Kontakte oder Räume und vermitteln bei Bedarf auch FH- Studierende, die in Projektgruppen mitarbeiten und häufig dann auch zu den Unternehmen wechseln.“

CAST ist der Service für die Tiroler

Auch das MCI in Innsbruck bietet in Kooperation mit der Universität Innsbruck und der Medizinuni Innsbruck einen eigenen Gründerservice, genannt CAST – center for academic spin-offs tyrol. Hier tritt unter anderem auch die FH Kufstein als Partner auf. „Hat meine Idee Potenzial? Wie könnte mein Geschäftsmodell aussehen? Wie finanziere ich mein Unternehmen? Das sind wohl die häufigsten Fragen, welche wir als Gründerzentrum der Tiroler Hochschulen tagtäglich gestellt bekommen“, so Geschäftsführer Marcus Hofer. Eine Unternehmensgründung sei immer eine Herausforderung „und wir helfen mit, die Chancen für eine solche Unternehmung signifikant zu erhöhen. Durch unsere 15-jährige Erfahrung und mithilfe unseres starken Netzwerks begleiten wir die Teams bei der Umsetzung ihrer innovativen Geschäftsidee in ein erfolgreiches Unternehmen.“

Wichtig ist ihm zu betonen, das sie nicht nur während einer Gründung, sondern auch darüber hinaus Tiroler Jungunternehmer und KMUs jederzeit unterstützend zur Verfügung stehen – und das, dank vieler Partner, kostenlos. Zusätzlich bietet das MCI Ideenwettbewerbe und Prämierungen von innovativen Projekten, wie auch im Rahmen des Studiums Kontakte und Fortbildungen in den Bereichen an. Auch die FH Kufstein bemüht sich, unabhängig von ihrer Partnerschaft bei CAST, intern ihre Absolventen bei Gründungen zu unterstützen.

Incubator in St. Pölten

Die FH St. Pölten wiederum bietet durch ihren „creative pre-incubator“ eine ganz eigene Art der Start-up-Förderung. Gemeinsam mit dem accent Gründerservice bietet dieses Förderprogramm für Studierende, Absolventen und Studierende in Weiterbildungslehrgängen der FH St. Pölten in zwei Semestern „eine individuelle Betreuung bei der Umsetzung des eigenen Start-ups. Es gibt kostenlose Workshops, eine Ausarbeitung des Business-Plans oder die Weiterentwicklung des Business-Case, eine Einführung in die Start-up-Szene und die Vernetzung mit Investoren und Wirtschaftstreibenden wie auch Fördermöglichkeiten“, erläutert Hannes Raffaseder, Leiter FH-Service Forschung und Wissenstransfer.

Man kann sich für diese spezielle Förderung nur per E-Mail anmelden und wird dann von einer Fachjury ausgewählt (www.fhstp.ac.at/ cpi). Als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um Startups und Unternehmensgründung arbeitet im FH-Service für Forschung und Wissenstransfer eine Expertin für Innovation und Entrepreneurship und steht auch Studierenden für beratende Gespräche und konkrete Unterstützung zur Verfügung. Zusätzlich bietet die FH in nahezu allen Studiengängen verstärkte Förderung und Zusatzbildung zum Thema Unternehmensgründungen an. In Kooperation mit dem Impact Hub Vienna und dem Social Impact Award wird im Sommersemester 2017 erstmals das Freifach „Social Innovation“ für Studierende aller Studienrichtungen angeboten.

Im Rahmen der jährlich stattfindenden Projektvernissage präsentieren Studierende aus allen Studiengängen ihre Projektarbeiten und nützen diese Möglichkeit auch zum Austausch mit Kollegen aus anderen Fachgebieten. Eine Jury zeichnet herausragende Projekte aus. Im Jänner 2017 wurden 111 Projekte vorgestellt. Im Rahmen der Veranstaltung findet der tecnet-Founderstalk statt und es wird gezielt nach Projekten mit Gründungspotenzial gesucht, um diese Teams zur Weiterentwicklung zu motivieren und auf diverse Fördermöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Ähnliche Ziele verfolgen die tecnet Pitching Days, die in Kooperation mit tecnet einmal pro Jahr an der FH St. Pölten stattfinden. Firmengründungen und Startup-Initiativen aus Niederösterreichs Hauptstadt sind unter anderem die Terminfindungsplattform „Gatherer“, Filmspektakel, das Backatelier Bröselei oder die Reise-App Citybirds.

Mentorenprogramme in Wien und Vorarlberg

An der FH Technikum Wien nennt sich die Gründungsinitiative „Start me up“. Doch ein Fixum am Technikum Wien ist Thomas Faast als Ansprechpartner Entrepreneurship für all jene, die Hilfe und Unterstützung bei Ideen, Weiterentwicklungen oder Unternehmensgründungen brauchen. Zusätzlich gibt es aus allen Studienbereichen eigene Mentoren, die Studierende mit Ideen in ihrem Spezialgebiet unterstützen. Die Gebiete sind Elektronik und Kommunikationssysteme, Energie und Umwelt, Gesundheit, Sport und Medizin, Informatik und Wirtschaftsinformatik, Management und Business, Marketing und Communications sowie Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Kooperationspartner ist hier INiTs – Innovation Into Business.
In diesem Sommerse­mes­ter werden vier Start-me-up-Camps geboten, in denen Experten ihr Wissen mit Studierenden, Absolventen und Mitarbeitern der FH teilen. Es gibt eine Start-up-Lounge mit Whatchado-Gründer Ali Mahlodji und ein zweitägiges Start-up Live Special FH Edition gemeinsam mit der FH des BFI Wien, in der man mit Unterstützung von Mentoren eigene Geschäftsideen in Teams entwickeln kann. Das erste Start-up aus dem Mentoring-Programm des Technikum Wiens ist Toolsense, ein Lösungsanbieter gegen Diebstahl auf Baustellen.

An der FH Vorarlberg läuft es ähnlich ab, nennt sich aber „Startup-Stube (Stups)“. Hier wird eine Anlaufstelle geboten, die organisatorische Hürden zu überwinden hilft, um alle Räume und Labs der FH für die Vorbereitungen zum Start-up nutzen zu können. Zudem sollen Mentoren Wissen und Kontakte vermitteln.

Garagenfirmen starten in Kärnten . . .

Wieder anders läuft es an der FH Kärnten ab. Seit vier Jahren gibt es dort die Initiative „Start UP“. Neben Gründerworkshops und individuellen Coachings sind die Innovationswerkstatt als Kreativraum und das Smart Lab als Prototypenwerkstatt wesentliche Elemente gewesen. Jetzt sind – neu – die Gründergaragen an den beiden schon vorhandenen Einrichtungen hinzugekommen. „Ein vitaler Gründercampus in Kärnten braucht eine
gute Vernetzung in der ­Community, professionelles Coaching und eine moderne Laborinfrastruktur“, so Erich Hartlieb, Studiengangsleiter Wirtschaftsingenieurwesen, und weiter: „Gerade für technologieorientierte Start-ups und deren Produktinnovationen ist der Prototypenbau von großer Bedeutung. Daraus ergibt sich häufig der Bedarf nach Raum und Büro­infrastruktur und kleinem Werkstattzubehör.“

Und was für Hartlieb besonders wichtig ist: „Die Gründergaragen ermöglichen Studierenden, Absolventen und Kärntner Start-ups den Zusammenbau von Prototypen sowie die Durchführung von Testreihen
unter Wahrung der Geheimhaltung. Der Schutz vor Veröffentlichung ist für eine etwaige Anmeldung von Schutzrechten von existenzieller Bedeutung. Die FH Kärnten hat in der Unterstützung von Jungunternehmern damit einen wesentlichen Meilenstein erreicht.“

. . . und in Wien

Ähnliches bietet die FH Campus Wien im ganz neuen Start-up Corner im 10. Wiener Bezirk. Ziel ist es in nächster Zukunft ein komp­lettes Gründerzentrum zu bieten, doch was jetzt schon vorhanden ist, ist dem Ziel nicht mehr fern. Im Start-up Corner kann man selbst Prototypen herstellen. Neben Robotern, Drehbänken, Fräsmaschinen, Schweißgeräten und mehreren 3D-Druckern befindet sich auch eine Lasersinteranlage für Kunststoffe am Standort. Von der FH ausgewählte Start-ups, die erst in Gründung sind, können die Räumlichkeiten für ein Jahr kostenlos nutzen.

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