Die Fahrräder mit E-Motor erobern Österreich

E-Bikes drängen voll in die Mitte der Gesellschaft. Während nach der Krise viele Märkte in etlichen Branchen wegbrechen, erwartet man bei den „Pedelecs“ ein Rekordjahr.

Foto: KTM/heikomandl.at

„Das, was du im Schauraum siehst, das ist auch schon ziemlich alles, was wir noch haben“, sagt Hanno Voglsam. Er übersiedelte mit seinem Fachgeschäft für E-Fahrräder und E-Motorräder in den letzten Jahren schon zweimal, weil das bestehende Geschäft einfach zu klein wurde – und die nächste Übersiedlung, heuer noch, ist auch schon geplant. Auch wenn das Geschäftslokal gut gefüllt wirkt, merkt man beim genauen Hinschauen, dass nichts mehr so ist wie noch vor einem Jahr. Das Lager ist so gut wie leer, und die Räder, die im Geschäft stehen, gehören fast alle zu den besonders hochwertigen. Wir reden von Preisen von 5.000 bis 7.800 Euro. „Die günstigen Räder und die Mittelklassefahrräder sind alle so gut wie ausverkauft und wie es aussieht, kommt so schnell auch nichts nach“, berichtet Voglsam. Sein Lichtblick: Die neuen Räder für 2021 dürften heuer schon Ende des Sommers kommen. Trotzdem: Wer will schon so lange auf sein neues Fahrrad warten?

Die Corona-Krise hat den Markt der Pedelecs komplett auf den Kopf gestellt. Boomte der Markt schon in den letzten Jahren, ging jetzt alles durch die Decke. Während der Corona-Krise und der Ausgangsbeschränkungen entdeckten die Menschen wieder die individuelle Mobilität für sich und begannen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden. Was auf den ersten Blick wie die sehnlichst erwartete Verheißung für das Automobil aussah, entpuppte sich vor allem in der Stadt als Triebfeder für Fahrräder. Das Auto hat in der Stadt ein schlechtes Image. Das Fahrrad nicht. Ganz im Gegenteil. Und weil es nicht nur salonfähig, sondern auch noch hip geworden ist, mit dem E-Fahrrad unterwegs zu sein, und es zudem auch noch eine komfortable und rasche Art, von A nach B zu kommen ist, stieg die Nachfrage enorm. Auch Pendler steigen immer öfter um. Zudem tut man ja auch etwas für die Gesundheit. Denn auch wenn der E-Motor eine gute Unterstützung ist, muss man selbst was tun. Und viele, die sonst keinen Sport machen, geben an, sich nun ein Pedelec zuzulegen, um wieder etwas fitter zu werden, ohne sich gleich zu überlasten.

Am Anfang knirschten Händler, wie vermutlich auch Voglsam, mit den Zähnen. Ihre Geschäfte mussten geschlossen bleiben, den Umsatz machten Super- und Hypermärkte. Doch die Situation entspannte sich nicht nur mit der Möglichkeit der Geschäftsöffnung, sondern spannte sich gar in eine nicht erwartete Richtung.
Und der Trend dürfte anhalten. Davon zumindest geht Voglsam aus. Auch wenn er relativierend hinzufügt: „2021 wird schon ein spannendes Jahr. Es könnte sein, dass nun einige den Kauf eines neuen Rades vorgezogen haben. Hinzu kommt, wenn die Wirtschaft nicht wieder anläuft, die Leute weniger oder nichts mehr verdienen, dann könnten wir sogar mit sinkenden Absatzzahlen konfrontiert werden.“

Große Modellpalette

Damit scheinen die Hersteller im Moment aber nicht zu rechnen. Die Palette der unterschiedlichen Pedelec-Modelle ist schier enorm. Vom normalen Stadtrad mit tiefem Einstieg bis zum Mountainbike-Fully gibt es alles. Gravelbikes, Touringräder, Trekkingbikes, Fixies mit fast unsichtbarer Unterstützung, Enduro-Bikes vollgefedert oder als Hard-Tail, also nur mit gefederter Gabel. Es gibt unterschiedliche Rahmen, Motoren, Antriebe, Federungen, Schaltungen. Jeder findet, was er sucht.

Doch da liegt auch zum Teil die Krux. Es ist gar nicht so einfach, das für einen ideale Pedelec zu finden. „Das Um und Auf ist vorab eine Grundanalyse“, sagt Voglsam. „Welchen Einsatzzweck denke ich denn tatsächlich für das Fahrzeug an? Wie viele Kilometer habe ich vor zu fahren?“ Dann könne man schauen, welchen Rahmen man  in welcher Größe braucht, welche Komponenten wichtig sind. Und dann gehört das Pedelec noch auf den Nutzer perfekt eingestellt. Wer also das richtige Fahrrad für sich finden will, wird gut beraten sein, einen Experten aufzusuchen und zur Markenware zu greifen. „Je nach Fahrzeugkategorie muss man dann für einen Tiefeinsteiger mit 2.500 Euro aufwärts rechnen, 2.500 bis 3.000 Euro sollte man für ein Trekkingrad mindestens veranschlagen – da sind die Schaltkomponenten schon teurer –, und beim Fully, also dem voll gefederten E-Mountainbike, ist man ab 3.500 mit guten Fahrrädern dabei.“ Hanno Voglsam selbst hat sich einen Mountaincrosser der „zweitobersten Liga um rund 6.000 Euro“ geleistet.

Preise ab 2.500 Euro aufwärts

Grob kann man also sagen, dass die Preisspanne für ein gutes Elektro-Fahrrad zwischen 2.500 und 7.000 Euro liegt.

Das mag im ersten Moment viel klingen, „aber im Moment sind die Menschen bereit, mehr Geld für das Fahrrad auszugeben“, sagt Hanno Voglsam, vor allem weil man dann damit rechnen kann, länger Freude daran zu haben.

Neben den üblichen Wartungen,, die eh bei jedem anderen Fahrrad auch zu machen sind – von den Reifen über die Kette bis zu den Bremsen – gibt es bei den E-Fahrrädern noch den E-Motor und den Akku. „Inzwischen kann man sagen, dass sich der Mittelmotor durchgesetzt hat“, meint Händler Voglsam.
Die Motoren bedürfen keiner großer Wartung und „die Markenhersteller erzeugen durch die Bank Motoren auf sehr hohem Niveau.“ Dennoch gibt es Unterschiede, auf die man beim Kauf achten sollte. „Die einen fahren sanfter an, sind also eher etwas für Tiefeinsteiger, andere sind ruppiger und haben mehr Drehmoment, das brauche ich dann im Mountainbike-Bereich.“ Und auch die Anzahl der Fahrmodi ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Die einen kommen mit drei Modi aus, andere bieten fünf an, wieder andere lassen den Kunden sogar einzelne Programme frei konfigurieren.

Auch wenn die Akkus im Grunde wartungsfrei sind, kann man mit der richtigen Nutzung, die Lebensdauer doch entscheidend verlängern. „Die Batterie im leeren Zustand einzuwintern, ist ein No-go“, sagt Hanno Voglsam. „Am besten ist, man lagert sie mit einem Ladezustand von 60 bis 80 Prozent und lädt sie einmal im Monat nach.“ Im Alltag nutzt man am besten den Bereich zwischen 20 und 90 Prozent der Maximalladung. Nur rund einmal im Monat sollte man den Akku vollladen, „zum Balancen der Zellen“, wie Voglsam erklärt.

Tipp: Für einen ersten Eindruck zum Thema Akku, Fahrstil, Fahrstrecke sowie Reichweite finden Sie online unter www.ktm-bikes.at, im Menüpunkt
Service einen Reichweiten-Assistent.

E-Lastenräder

Der neueste Trend bei den E-Bikes geht hin zu Elektro-Lastenrädern. Sie können in der Extremvariante Zusatzladungen von bis zu 400 Kilogramm transportieren. Sie sind nicht nur in der Stadt eine Alternative zum Auto, und eignen sich auch, um damit etwa die Kinder in den Kindergarten zu führen. Anders als bei einem Anhänger, sitzen die Kinder dabei in der Regel vor dem Fahrer und können somit gut beaufsichtigt werden. Vor allem zum Kindertransport – aber auch so – sind Cargobikes, die vorne nicht nur ein Rad, sondern derer zwei haben, eine gute Entscheidung, weil das Rad dann nicht mehr umkippen kann. Und dank des E-Motors sind auch Steigungen kein Problem, selbst wenn man Zwillinge hat oder den Wocheneinkauf samt Bier und Wasser nach Hause führt.

„Die Preisspanne bei den E-Cargobikes ist enorm“, sagt Steffen Arora, renommierter heimischer Fahrrad-Journalist. „Sie reicht von 1.500 Euro für ein Trike in der Basisausstattung bis über 5.000 Euro für ein Lastenrad mit einigen Ext­ras. Aber auch in diesem Segment gibt es – wie überall – Ausreißer nach oben.“

Förderungen

Derzeit gibt es Förderungen beim Ankauf von Lastenrädern, für Private und Unternehmer. „In Österreich gibt es zurzeit vor allem auf Landes- oder Gemeindeebene finanzielle Unterstützung beim Ankauf von Lastenrädern. Die Anschaffung eines Transportrades wird dadurch noch attraktiver gemacht – teilweise können sogar mehrere Förderungen kombiniert werden“, erklärt die Radlobby. Das Förderprogramm #mission2030 „E-Mobilitätsoffensive“ hat einen Gesamtumfang von 93 Millionen Euro und ist erst einmal bis Ende 2020 angelegt.

  • Gefördert wird die Anschaffung von Transportfahrrädern mit mehr als 80 kg Ladegewicht. Für Betriebe gibt es zudem eine Förderung beim Ankauf von mehr als zehn Elektrofahrrädern.
  • Gefördert werden maximal 30 Prozent der förderfähigen Kosten, bis zu 400 Euro bei E-Transporträdern und 200 Euro bei E-Fahrrädern.
  • Es lohnt sich aber, in der Gemeinde vorzusprechen, um zu schauen, ob es noch weitere individuelle Förderungen gibt. Zudem haben die Händler einen recht guten Blick auf die jeweils aktuellen Fördermöglichkeiten. Und die Radlobby hilft auch immer gern.
GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.