Cannabis gegen Schmerzen?

Früher war Cannabis in der Therapie anerkannt, 1961 folgte ein Verbot des Cannabisanbaus. Heute hat die Medizin die vielfältigen Eigenschaften der Hanfpflanze als Heilmittel wiederentdeckt.

(Foto: MysteryShot – GettyImages.com)

Besonders in der Therapie von Schmerzen, Spasmen, Asthma, Schlafstörungen, Depressionen und Appetitlosigkeit wurde Cannabis eingesetzt. Nun wird es weltweit wieder als Medikament diskutiert. In Österreich wurde die Hanfpflanze 2018 von der Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) gar zur Heilpflanze des Jahres erhoben.
Die Vielfalt an medizinisch interessanten Inhaltsstoffen wie vor allem Tetrahydrocannabiol (THC) und Cannabidiol (CBD), die ein unterschiedliches Wirkspektrum besitzen, können als Reinsubstanzen bei bestimmten Beschwerdebildern positive therapeutische Effekte erzielen. Die in Deutschland im Rahmen einer „Ausnahmeerlaubnis“ anerkannte Indikationsliste reicht von chronischen Schmerzen, psychiatrischen Krankheitsbildern, neurologischen bis hin zu rheumatologischen Erkrankungen.
THC-reiche Hanfsorten genießen gemeinhin einen einschlägigen Ruf als illegales Rauschmittel (z. B. Haschisch, Marihuana). Cannabis besitzt einen hohen Gehalt an den beiden Cannabinoiden Tetrahydrocannabiol (THC) und Cannabidiol (CBD).
Die klinischen Wirkungen von Cannabismedikamenten wird in der Mehrzahl der Studien auf eine Aktivierung von endogenen Cannabinoid-CB1- und CB2-Rezeptoren zurückgeführt.
CB1-Rezeptoren finden sich im zent­ralen Nervensystem, in peripheren Organen und Geweben (etwa in Immunzellen, Milz, Nebennieren, sympathischen Ganglien, Pankreas, Haut, Herz, Blutgefäßen, Lunge, in Teilen des Urogenital- und des Magen-Darm-Trakts). Nur die Aktivierung des CB1-Rezeptors führt zu den die Psyche beeinflussenden Wirkungen. THC besitzt berauschende, antispastische, brechreizmindernde (antiemetische), schmerzlindernde und appetitanregende Eigenschaften. Das aus der Hanfpflanze gewonnene THC ist in Österreich seit 2004 unter der Wirkstoffbezeichnung Dronabinol rezeptpflichtig erhältlich. Daneben stehen auch synthetisch oder teilsynthetisch hergestellte THC-Produkte als Arzneimittel zur Verfügung. Als Einsatzgebiete gelten v. a. Tumorschmerzbehandlung und Symptomkontrolle in der Palliativmedizin, Chemotherapie-assoziierte Übelkeit sowie Magersucht bei Tumor- und AIDS-Patienten, schmerzhafte Spastik bei Multipler Sklerose sowie chronische neuropathische Schmerzen.
CBD besitzt keine berauschenden oder suchterzeugenden Effekte, ist vor allem antientzündlich, antiepileptisch und antipsychotisch sowie schmerzlindernd wirksam. Die am besten untersuchten Einsatzbereiche sind frühkindliche, nicht auf andere Therapien ansprechende Epilepsie, kindliche Schizophrenie sowie die Vorbeugung von Abstoßungsreaktionen nach Knochenmarktransplantationen. Auch die Schizophrenie bei Erwachsenen könnte eine sinnvolle Indikation darstellen. CBD ist derzeit lediglich als Nahrungsergänzungsmittel, nicht als Arzneimittel, auf dem Markt und in Apotheken erhältlich. In Europa wird eine Prüfung als Medikament geprüft. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Erforschung der Cannabinoide zum Erschließen weiterer medizinischer Einsatzgebiete laufen.
Die häufigsten Nebenwirkungen von Cannabinoiden sind Müdigkeit und Schwindel, psychische Effekte und Mundtrockenheit. Gegenüber den Nebenwirkungen entwickelt sich fast immer innerhalb kurzer Zeit eine Toleranz. Entzugssymptome stellen im therapeutischen Kontext kaum ein Problem dar.
In Österreich können derzeit THC-haltige Medikamente in verschiedenen Zubereitungen (Kapseln, Tropfen, Ethanol-Lösungen) mit einem Suchtmittelrezept verordnet werden. Alle Formen der eigenständigen Erzeugung, der Besitz, die Weitergabe und der Handel von THC-Produkten ist weiterhin verboten.
CBD fällt per Erlass unter die EU-Verordnung für „neuartige Nahrungsmittel“ (Novel Food). Es ist daher im Einzelfall zuzulassen.

Fazit: Wirksam, aber kein Wunderheilmittel

Der Nutzen einer Therapie mit Cannabinoiden ist für einige medizinische Indikationen durch kontrollierte Studien belegt. Der Einsatz dieser Präparate kann bei Patienten, die unter einer konventionellen Behandlung keine ausreichende Linderung von Symptomen wie Spastik, Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Appetitmangel haben, sinnvoll sein. Ein Wundermittel sind Cannabinoide jedoch auch nicht. Die gezielte medizinische Anwendung sowie die Handhabung der notwendigen Suchtmittelrezepte bedarf daher einiger Erfahrung. Informationen dazu können sie auf www.cannabismedizin.at finden.

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