Schnell gestochen, langsam entfernt

Strumpfbandranken, Underboob-Ornamente, „Arschgeweih“ – wie wird man Tattoos wieder los?

Foto: AndreyPopov - Gettyimages.com

Herausschneiden? Abschleifen? Mit Milchsäure entfernen? Alles Brachialmethoden aus der medizinischen Steinzeit! Dann doch lieber die Laserbehandlung, bei der laut Georg Huemer, Leiter der plastischen Chi­rurgie, Kepler Universitätsklinik Linz, „kaum Narben entstehen. Die Strahlen sorgen dafür, dass die einzelnen Farbpartikel in noch kleinere Teile zersprengt und über das Lymphsystem abtransportiert werden.“
Was ist dafür notwendig? Viel Geduld und Ausdauer. Grundsätzlich funktioniert die Entfernung von Tätowierungen bei hellhäutigen Menschen oft besser als bei dunkleren Hauttypen. Die Farbtöne verzögern den Prozess. Gelbe und rote Verzierungen können nur sehr schwer behandelt werden, da der Laserstrahl die Farbpartikel nicht erkennt. Wurde das Tattoo von einem Profi gestochen, sind in der Regel mehr Sitzungen für die Entfernung notwendig, als wenn ein Amateur am Werk war. Bei Laien-Tattoos befinden sich weniger Farbpigmente in der Haut.

Was Entfernung per Laser kostet

Je bunter also das Tattoo, desto schwieriger die Entfernung, desto mehr Sitzungen sind dafür notwendig. Das kos­tet wiederum mehr Geld. „Ein kleines schwarzes Tattoo kann mit zwei Sitzungen entfernt werden. Handelt es sich jedoch um ein Tattoo, das aus mehreren Farben besteht, so sind in der Regel acht bis zehn Sitzungen notwendig“, so Huemer. Zudem müssen die Patienten zwischen den einzelnen Sitzungen zirka vier Wochen warten. So schnell, wie das Tattoo also gestochen wurde, kann es nicht entfernt werden.

Die Tattoo-Entfernung durch den Laser fühlt sich an wie kleine Nadelstiche. „Bei besagtem kleinem schwarzem Tattoo ist mit 50 bis 90 Euro pro Sitzung zu rechnen. Ist jedoch der ganze Körper betroffen, kann die Sitzung schon 1.000 Euro ausmachen“, so Huemer über die Kosten, die von der Gebietskrankenkasse nicht ersetzt werden, da es sich um keine Kassenleistung handelt. Auch private Versicherungen bieten keinen Schutz an.
Verwendet werden Neodym-YAG-Laser, Rubinlaser oder Pikosekundenlaser. Welcher Laser schlussendlich benutzt wird, hängt von Farbe und Farbintensität ab. Die Behandlung sollte nur bei Hautärzten erfolgen, die spezialisiert und erfahren sind, wie Kaan Harmankaya, Dermatologe in Wien und Laserschutzbeauftragter für medizinische Anwendungsbereiche, hinweist. Er weiß, wie wichtig Aufklärung vor der Behandlung ist, denn nicht jedes Tattoo lässt sich mühelos entfernen: „Auf die Risken sollte im Beratungsgespräch hingewiesen werden. Bei der Laserbehandlung können Partikel zurückbleiben, die dem Körper schaden. Handelt es sich um größere Eingriffe, kann es sogar zu Zellschäden in der Haut kommen.“

Wenn es doch ein Tattoo sein soll

Nach dem Stechen sollte jeder Träger das Tattoo vor der Sonne schützen und lockere Kleidung tragen. Viele Tattoo-studios lehnen es ab, emotional labile und schwangere Personen zu tätowieren. Vor allem in der Schwangerschaft ist die Haut viel empfindlicher. Der Schmerz beim Tätowieren wird zum Kind weitergeleitet, zudem besteht die Gefahr, dass Keime eindringen können, da Tattoos die Haut verletzen. Die Infektion kann sich auch über die Muttermilch auf das Kind übertragen, das Einnehmen von Antibiotika in der Schwangerschaft sollte jedoch vermieden werden. Sobald abgestillt wurde, können Tattoo-Planungen wieder vorgenommen werden.

Auch viele Profifußballer sind sichtbare Tattoo-Fans. Um Infektionen vorzubeugen, gilt etwa beim Fußballclub LASK, dass sich Spieler nur in längeren (Länderspiel- und Sommer-)Pausen tätowieren lassen dürfen.

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