Bergwandern am unbekannten Balkan

Unberührte Natur statt Overtourism: Abseits der Küste zieht das ursprüngliche Landesinnere der Adria-Balkanländer immer mehr Wander- und Outdoorfans an. Ein Trend nimmt Fahrt auf.

Die kroatische Küstenstadt Dubrovnik ist als Game-of-Thrones-Filmkulisse hoffnungslos überrannt. Die Bucht von Kotor verkraftet die Kreuzfahrtgiganten kaum mehr. In den Küs­tenregionen des Balkans regiert der Massentourismus . . .
Ganz anders, wenn man dem Meer den Rücken kehrt und in das bergige Landesinnere vordringt: Unberührte, stille, ursprüngliche Bergwelten wie in den Alpen vor 100 Jahren. Jetzt im Herbst sind die Temperaturen ideal – und das Meer ist nie weit weg für ein schnelles Bad. Wo einst Kriege tobten und Flüchtlinge zogen, wird nun gewandert.

Einsame Berge

Die Berge von Bosnien-Herzegowina sind faszinierend, vielfältig – und besonders einsam. Selbst am höchsten Berg, dem Maglić (2.386 m), trifft man nur ganz vereinzelt andere Wanderer. Der Ausblick von oben ist für uns ­ungewohnt und beglückend: Wälder, Seen, schroffe Felszacken, Grate, Wiesen. Sonst nichts: keine Straßen, keine Stromleitungen, kein Dorf – nur Einsamkeit, Wildnis und Weite. Und die herrliche Berglandschaft des Sutjeska-Nationalparks mit dem Perućica-Urwald (dem größten Europas).
Im Nahbereich der sehenswerten Hauptstadt Sarajevo beginnt in den urigen Hochlanddörfern Umoljani, Tusila, Bobovica und Lukomir in kleinen Privatpensionen und Gästehäusern bescheidener Bergtourismus. Der Ausländer braucht zur Kommunikation allerdings Hand und Fuß – oder einen sprachkundigen Wanderguide. In Lukomir (1.470 m) scheint die Zeit stehen geblieben: Das archaische, muslimische Steindorf ist die höchstgelegene Siedlung Bosniens. Eine Besonderheit hier sind die „Stecci“, rätselhafte mittelalterliche Megalith-Grabsteine (Unesco-Weltkulturerbe).

Landschaftliche Highlights

In den „Albanischen Alpen“ im Norden des einst isolierten, nun aber extrem aufstrebenden Landes (EU-Beitrittskandidat!), verbindet die transnationale Trekking-Route „Peaks of the Balkans“ Nationen und Völker (www.peakso­fthebalkans.info). 192 Kilometer führen durch das Prokletije-Gebirge („verwunschene Berge“ mit prähistorischen Felszeichnungen) und die Nationalparks Theth, Valbonatal sowie Prokletije nach Montenegro und Kosovo.
Ein noch größeres friedenstiftendes Projekt ist die „Via Dinarica“: Sie verläuft in drei Varianten von Nord nach Süd über die ganze Balkanhalbinsel: Die blaue Route aussichtsreich entlang der Küste; „grün“ durch die Wälder im Landesinneren (auch für Mountainbiker); „weiß“ folgt auf 1.260 Kilometern den höchsten Gipfeln der Dinarischen Alpen. Die Beschilderung ist recht gut, die Infrastruktur in Aufbau (www.via-dinarica.orgwww.­­viadinarica.­com).
Montenegro offeriert je 3.000 Kilometer markierte Wander- sowie Radwege, nicht nur die fünf Nationalparks sind landschaftlich großartig. Im Durmitor Nationalpark (Unesco Weltnaturerbe) liegen der höchste Berg Bobotov Kuk (2.522 m), der bildschöne Gletschersee Crno Jezero (Schwarzer See) und die berühmte Tara-Schlucht.
Auch in Kroatien, eines der beliebtesten Reiseländer der Österreicher, ist der Trubel schnell vorüber, kehrt man der Küste den Rücken. Die Berge übersteigen nirgendwo 2.000 Meter, sind daher leicht zu erklimmen (6.000 km markierte Wege). Einzigartig ist das küs­tennahe Velebit-Gebirge. 2017 wurde der „Croatian Long Distance Trail“ (CLDT) gegründet (2.100 km, www.cldt.hr/en). Auch Mountainbiken wird am Balkan immer populärer: So wurde etwa auf der Trasse der historischen Schmalspurbahn Mostar – Čapljina – Trebinje (Herzegowina) nach Konavle (Kroatien, nahe Dubrovnik) zuletzt der Radweg Ćiro (150 km) realisiert (www.ciro.herzegovinabike.ba/gb).

Ungetrübte Gewässer

Die adriatischen Balkanländer begeis­tern mit zahlreichen (Stau-)Seen und Flüssen auch Wasserratten. Größter Balkansee ist der Skarda- bzw. Shkod­ra-See in Montenegro und Albanien. Er ist exakt so groß wie der italienische Garda-See, doch im Gegensatz zu diesem gibt es hier nur eine einzige größere Ansiedlung, die einladende Stadt Shkod­ra in Albanien. Einzigartig schön ist der offen mäandrierende Zufluss Rijeka Crnojevica: Seerosen-Teppiche flankieren die spiegelglatten, lauen Fluten. Schwimmen ist hier das reinste Vergnügen, Strandbäder mit gepflegten Seezugängen sucht man allerdings vergeblich. Weitere Geheimtipps sind der Große und Kleine Prespa-See (Naturschutz) sowie der Ohrid-See im Grenzgebiet Nordmazedonien–Albanien.
Glasklare Flüsse und tief eingeschnittene Schluchten ermöglichen Wildwasserabenteuer (auch sanfte). Der Tara-Canyon in Montenegro ist mit 1.300 Metern der zweittiefste der Welt (nach dem Grand Canyon/USA). Spannende Rafting-Flüsse sind die Cetina bei Omiš (Kroatien); in Bosnien-Herzegowina die Neretva bei Konjic, die Una bei Bihać, der Vrbas bei Banja Luka sowie die Drina und Tara südlich von Foča. Dreistündige Touren gibt es bereits ab 30 Euro.

Anbieter, Preise

Die Preise sind generell winzig. Luxushotels sucht man vergeblich, der Naturfreund muss sich mit einfachen, aber gemütlichen Unterkünften begnügen. Die Gastfreundschaft ist groß, die Küche stets gut.
Balkan-Outdoor-Spezialist in Österreich ist Weltweitwandern sowie die Alpinschule Innsbruck ASI. Vor Ort führen lokale Agenturen durch die Berge: Wir machten mit Green Vi­sions Eco Tours sehr gute Erfahrungen (www.greenvisions.ba/en); weiters:
www.outdooralbania.com,
www.balkanvibe.com,
www.3etravel.at,
www.vmd.hr,
www.visitkonjic.com
Länderinfos:
www.kroatien.at,
www.bhtourism.ba,
www.montenegro.travel/de,
www.albania.at

>> Zum Download: Wander- und Outdoor-Pauschalreisen heimischer Veranstalter am Balkan

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