Eine Erfolgsgeschichte auf Ötztalerisch

Die Tiroler Area 47 ist eine der größten Investitionen in Österreichs Sommertourismus und geht in ihre zehnte Saison. Das abenteuerliche Unternehmen gilt international als Vorzeigebeispiel für gelungenen Alpintourismus made in Austria. Was ist das Erfolgsgeheimnis? GEWINN bat Geschäftsführer Christian Schnöller zum Interview.

Die Area 47 im Tiroler Ötztal ist der größte Outdoor-Abenteuerpark in Europa (Foto: Area 47/ Jens Klatt)

Die Area 47 am Eingang zum Tiroler Ötztal ist das größte Outdoor-Abenteuer Europas: Der adrenalinträchtige Riesen-„Playground“ bietet verschiedenste tollkühne Sportarten an – alle, um die eigenen Grenzen auszuloten bzw. zu überwinden (www.area47.at). Auf insgesamt 9,6 Hektar warten die 20.000 Quadratmeter große Water Area (mit Freestyle-Schanze, Hydrospeed- und Slip’n’Slide-Rutsche, Blobbing, 27-Meter-Sprungturm, Boulderwand usw.), ein Hochseilgarten in schwindelerregenden 27 Meter Höhe über der Ötztaler Ache, ein Flying Fox mit Riesenschaukel Mega-Swing, ein Kletterturm, ein 20.000 Quadratmeter großer Wakeboard-See, E-Motocross und vieles mehr. Auch die Umgebung wird ins Angebot mit eingebunden – beim Rafting, Canyoning, Caving (Höhlenabenteuer), Mountainbiken oder Klettern. Welche Investitionen stecken dahinter, was macht diese Erfolgsgeschichte aus?

GEWINN: Die Area 47 ist einer der größten Outdoor-Abenteuerparks weltweit. Wer kann mit euch mithalten?
Schnöller: Wir sind definitiv der größte Outdoor-Park Europas, ob wir das auch weltweit sind, weiß ich nicht, weil eine direkte Vergleichbarkeit fehlt. Was ich sicher sagen kann: Ein so vielseitiges Konglomerat an Sportmöglichkeiten an einem Ort, das ist einzigartig!

GEWINN: Was bieten Sie alles?
Schnöller: Insgesamt 35 verschiedene Abenteuer. Mir ist kein vergleichbares Einzelunternehmen bekannt. Die Destination Interlaken in der Schweiz nennt sich „Adventure Capital of Europe“, aber da steht eine ganze Tourismusregion dahinter. In den USA gibt es die Six Flags Entertainment Parks, Ähnliches in Panama. Aber da geht es mehr um „Bespaßung“ mit Fahrgeschäften und Hochschaubahnen. Natürlich gibt es in Tirol auch andere Anbieter für Naturabenteuer wie Rafting und Can­yoning, das sind für mich aber keine Konkurrenten, sondern kollegiale Mitbewerber in kleineren Dimensionen. Wir verzeichnen über 200.000 Besucher im Park – wohlgemerkt nur von Mai bis Oktober, denn im Winter haben wir geschlossen.

GEWINN: Die Area 47 wird weltweit wahrgenommen und erregt international Aufsehen . . .
Schnöller: Ja, vor ein paar Jahren wurden wir vom amerikanischen Fernsehsender CNN zu den Top fünf Wasser- und Abenteuerparks weltweit gekürt; neulich war über unsere Water Area in der New York Times zu lesen. Wir haben von Anfang an sehr viel in unseren Online-Auftritt und Social Media investiert, das macht sich nun bezahlt. Neulich meldete sich sogar ein Instagram-Follower aus Kolumbien. In China sowie in Saudi-Arabien gibt es Pläne, die Area 47 zu kopieren. Hier ist unser Know-how gefragt. Dieses weltweite Aufsehen finde ich überaus spannend! Dazu kommt, dass die Outdoor-Community international extrem gut vernetzt ist. So sind auch wir Mitglied der weltweiten Adventure Travel Trade Association.

GEWINN: Ist der Outdoor-Urlauber ein besonderer Gast?
Schnöller: Zweifelsohne, der „Outdoorer“ ist vor allem kein Stammgast. Er kommt ein-, zweimal und sucht dann das nächste Abenteuer. Dank Vernetzung gibt es einen regen Austausch, etwa über Sicherheitsrelevanz. Das ist gut für das Produkt! Ein Kirchturmdenken gibt es im Outdoor-Bereich nicht!

GEWINN: Woher kommen die Gäste?
Schnöller: Wir haben Übernachtungs- sowie Tagesgäste. Bei Ersteren kommen 68 Prozent aus Deutschland, 24 Prozent aus Österreich, 3,5 Prozent aus der Schweiz, der Rest ist international – aus 40 Nationen weltweit! Die Anzahl der Tagesgäste wissen wir selber nicht genau, da viele Abenteuerlustige in der Region Saisonkarten besitzen. An guten Tagen haben wir bis zu 3.000 Leute in der Anlage, inklusive „Passivsportler“, die nur einen Kaffee trinken und dem spektakulären Treiben zuschauen.

GEWINN: Wer ist Eigentümer der Area 47 und wie viel wurde investiert?
Schnöller: Die Grundinvestition bei der Errichtung 2010 betrug 14 Millionen Euro, mittlerweile sind es über 22 Millionen. Das ist eine der größten Investitionen im gesamten Sommertourismus Österreichs der letzten zehn Jahren. Eigentümer der Area 47 sind die Bergbahnen Sölden. 2016 steckten wir 2,1 Millionen Euro in den neuen Wakeboard-See, 2017 folgte ein neues Filtersystem in den biologischen Badesee und die Slip’n’Slide-Rutsche um rund 650.000 Euro.

GEWINN: Was kommt heuer neu und wie sieht euer Umsatz aus?
Schnöller: Bei uns geht es eindeutig zu höheren Qualitätsstandards im Hospitality-Bereich. So gestalten wir das „Riverhaus“ komplett um und eröffnen im Mai u. a. ein hochqualitatives Bar&Grill-Restaurant. Kostenpunkt: rund 800.000 Euro. Weiters modifizieren wir unser Online-Buchungssystem komplett – um weitere 250.000 Euro. Das alles finanzieren wir aus dem Cashflow. Wir schreiben seit der dritten Saison durchgehend schwarze Zahlen, 2017 hatten wir einen Umsatz von 9,4 Millionen Euro und ein Ebitda von 1,7 Millionen; für 2018 wird ein Umsatz von 9,8 Millionen und ein Ebitda von rund drei Millionen Euro erwartet. 

GEWINN: Was macht euch so erfolgreich?
Schnöller: Eindeutig die Vernetzung mit der Region. Unser Hauptprodukt sind Wildwasserabenteuer mit Canyoning und Rafting, 65 Prozent unserer Gäste kommen deswegen. Wenn sie dann da sind, gehen sie auch in die Water Area oder buchen unseren – zugegebenermaßen sehr speziellen – Hochseilgarten dazu. Einzelattraktionen würden nicht funktionieren und sich nicht rechnen! Unser USP ist das vielfältige Angebot – und die  laufenden Erweiterungen! Neu beispielsweise ist unsere eigene Bike-Academy mit E-Bike-Schule und Kooperation mit den Top-US-Mountainbikes Trek.

GEWINN: Das Thema Mitarbeiter ist gerade im Tourismus ein besonders schwieriges . . .
Schnöller: Wir haben 22 Ganzjahresmitarbeiter, zu 90 Prozent aus der Region, im Sommer 200 Angestellte bzw. 180 Vollzeitäquivalente. Letztere kommen aus rund 20 Nationen, Großteils aus dem EU-Raum. Ich hätte gerne mehr Non-EU-Mitarbeiter wegen globaler Vernetzung und Wissensaustausch – etwa aus Südamerika, Australien oder Neuseeland. Aber für sie gibt es kaum Work Permits (Anm. d. Red.: Arbeitsgenehmigungen). Das ist schade! Wir sind sicherlich ein attraktiver Arbeitgeber. Als Saisonbetrieb müssen wir jedes Jahr neu die Mitarbeiter akquirieren, doch es ist zu 70 Prozent immer die gleiche Mannschaft. Es wird aber immer schwieriger und wir müssen immer früher beginnen. 2019 war das Team bereits im Jänner nahezu komplett, früher haben wir erst im März mit der Suche begonnen.

GEWINN: Was sind die Probleme?
Schnöller: Ein ganz aktuelles Problem ist der drohende Hard-Brexit, denn sehr viele meiner Wildwasser-Guides kommen aus Großbritannien. Einige haben das Problem selber gelöst, indem sie hierher geheiratet haben. Die Brexit-Frage wird noch sehr spannend, aber ich kann ja nicht alle zwangsverehelichen! (lacht). Es ist wirklich aufreibend, Rafting- und Can­yoning-Guides aus der EU zu finden. Eine weitere Schwierigkeit ist ebenfalls von der Politik gemacht: Die Ausländerkontingente werden alljährlich erst Mitte Mai freigegeben, da sind wir schon mitten im Betrieb! Das müsste viel früher und auch individueller geschehen. Und leider, ganz generell sind die Rahmenbedingungen im Tourismus suboptimal, viele meiner Mitarbeiter sind mit dem Arbeitszeitgesetz unzufrieden!

GEWINN: Was bringt die Area 47 der Region?
Schnöller: Wir sind zweifelsohne einer der Tourismusmotoren des Tiroler Oberlandes! Ein Nächtigungsgast gibt im Durchschnitt 137 Euro pro Tag bei uns aus (ansonsten sind es im Tiroler Sommer 119 Euro – Anm.). Auch die Beherbergungsbetriebe rund um die Area 47 profitieren von uns, es gibt aber keine genauen Zahlen. Wir bieten bewusst keine Halbpension an, wir wollen, dass die Leute in der Region ausschwärmen.

GEWINN: Ist eine Vergrößerung angedacht? Was sind eure Zukunftspläne?
Schnöller: Nein, wir wollen und können nicht vergrößern, denn wir sind von einem Naturschutzgebiet umgeben. Abgesehen davon wäre es betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll. In der Hauptsaison könnten wir zwar doppelt so groß sein, aber wir müssen auch die Nebensaison stemmen. Unsere Zukunftspläne? Es gilt, weiterhin die richtige Balance zwischen Geld verdienen und investieren zu finden, keine Inves­titionen bedeutet Stillstand. So sieht es auch der Eigentümer. Aber für uns Ötztaler ist typisch, dass wir vorab nichts herausposaunen. Wir machen zuerst – und danach reden wir drüber!

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