Europas Kulturhauptstädte 2019

Matera in Süditalien und Plovdiv in Bulgarien: Die beiden europäischen Kulturhauptstädte 2019 zählen zu den ältesten Ansiedlungen der Welt.

Kulturhauptstadt Europas – wer diesen Titel erlangt, darf sich auf eine stark steigende Nachfrage von Touris­ten aus der ganzen Welt freuen. Allein die offizielle Nominierung Materas 2014 als European Capital of Culture 2019 ließ den Tourismus um 44 Prozent in die Höhe schnellen. Waren es 2010 noch 200.000 Gäste, werden für 2019 700.000 erwartet. GEWINN besuchte Matera und Plovdiv vorab.

Matera – spannende Zeitreise

Wer in der Unterstadt Sasso Caveoso ankommt, steht staunend vor einer bib­lisch wirkenden Szenerie: im gleißenden Sonnenschein leuchten weißlich-gelb die Fassaden von Grotten und Wohnhöhlen aus Tuffstein. Diese berühmten Sassi (Steinhöhlen) bilden ein Labyrinth mit übereinander geschlichteten Behausungen, verschlungenen Gässchen, steilen Treppen und engen Durchgängen, das sich den steilen Hügel hinauf zieht. Ganz oben thront der spitze Turm der Kathedrale – als Zeuge barocker Pracht.
Die 60.000-Seelen-Gemeinde in der süditalienischen Region Basilikata ist eine der ältesten, kontinuierlich bewohnten Ansiedlungen der Menschheit (seit rund 10.000 Jahren) – und präsentierte sich bis ins 17. Jahrhundert als Stadt aus Sassi, Höhlenkirchen und winzigen hängenden Feldern. Als Matera von 1663 bis 1806 Hauptstadt der Basilikata wurde, erlebte sie eine Blütezeit. So entstand oben auf dem Hügel der neue, prachtvolle Barockstadtteil „Il Piano“. Die Armen blieben unten. Nach 1806 verarmten alle. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts entsprachen die Lebensbedingungen in feuchten Felslöchern ohne Wasser und Kanalisation Dantes Inferno. In den 1950ern war Matera die „Schande Italiens“, die Kindersterblichkeit lag bei 45 Prozent. Es folgten Sozialpläne und 1983 der Titel Unesco-Welterbe.
Viel ist seitdem geschehen. Heute verbindet Matera zwei Welten: unten die dörflich-stillen Sassi, oben auf dem Piano barocke Pracht und das quicklebendige Leben einer italienischen Kleinstadt.

Plovdiv – die erste Kulturhauptstadt Bulgariens

Die Geschichte von Plovdiv im Süden Bulgariens reicht bis 6.000 vor Christus zurück. Die Bewohner nennen Plovdiv zärtlich „ewige Stadt“ – und so wie Rom liegt auch sie auf sieben Hügeln. Neben dem Geschäftszentrum und der Fußgängerzone Knyaz Aleksander, die sich zwischen postkommunistischer Tristesse und neokapitalistischem Kaufwahn präsentiert, erhebt sich der Altstadthügel Nebet Tepe mit seinen zahlreichen und multikulturellen Epochen. Die ersten waren die Thraker, dann folgten Kelten und Römer. Letztere hinterließen die bis heute erhaltenen Festungsmauern, das Stadion, das Forum, einige frühchristliche Basiliken sowie das römische Theater ganz aus Marmor.
Einzigartig für Plovdivs Altstadt ist die sogenannte Wiedergeburtsarchitektur aus dem frühen 19. Jahrhundert. Sie meißelt das erwachende bulgarische Nationalbewusstsein und die Emanzipation von der osmanischen Herrschaft buchstäblich in Stein. Demonstrativ wurde als Zeichen der Eigenständigkeit alles traditionell Bulgarische überhöht, Prunkbauten mit üppigem Dekor, reich verzierten Fassaden, floralen Ornamenten und geschwungenen Erkern entstanden. Heute sind zahlreiche Wiedergeburtshäuser mustergültig restauriert und laden als Museen, nostalgisches Restaurant oder Boutique-Hotel Besucher ein.
In den Außenbezirken der Stadt geht es allerdings weit weniger pittoresk zu: rund ein Viertel der 360.000 Einwohner sind Roma. In der Plattenbau-Siedlung Stolipinowo haust die größte Roma-Community des Balkans (45.000 Menschen) in Slum-ähnlichen Verhältnissen. Unter dem Motto „together“ laden die Plovdiv-2019-Organisatoren Künstler aller Ethnien zum Mittun ein. Das multi-ethnische Programm setzt nicht die glorreichen Facetten der Stadt in Szene, sondern möchte soziale Prob­leme und Spannungen lösen.

Tipps zur Anreise für die beiden Kulturhauptstädte Europas 2019
Matera/Süditalien
Anreise: Flug Wien–Bari mit AUA; mit Pugliairbus nach Matera (65 km, gute Stunde Fahrzeit).
Hoteltipps: In einem stilvollen Sassi-Höhlenhotel die Seele der Stadt spüren. Besonders schön sind das luxuriös-puristische Sextantio Le Grotte della Civita (www.sextantio.it); die Locanda di San Martino – Hotel e Antiche Termae Romanae 3*s mit Höhlen-Pool und -Spa (www.locandadisanmartino.it) und die Mitglieder von „Matera ­Collection“ (www.materacollection.com). Brandneu: Aquatio Cave Luxury Hotel & Spa (www.aquatiohotel.com/de), Sant' Angelo Luxury Resort (www.santangeloresort.it).
Infos: www.matera-basilicata2019.it/en, www.aptbasilicata.it, www.basilicataturistica.it, www.enit.at

Plovdiv/Bulgarien
Anreise: Flug Wien–Sofia mit AUA oder Bulgaria Air (www.air.bg/en); Regionalzug bzw. Busverbindungen nach Plovdiv (145 km, 2,5 Stunden Fahrzeit).
Hoteltipps: Prächtige Wiedergeburtshäuser laden zum preisgünstigen „Wohnen im  Museum“ ein –
z. B. im Hotel Evmolpia 3* (www.hotelevmolpia.com) oder Family Hotel at Renaissance Square 3* (www.atrenaissancesq.com). Neu: Boutiquehotel Residence City Garden 5* (www.residencecitygarden.com)
Infos: www.plovdiv2019.eu/en, www.visitplovdiv.com

>> Zum Download: Europas Kulturhauptstädte 2019 – Die besten Matera- und Plovdiv-Angebote

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