Kreuzfahrten: Erlebniswelten auf dem Meer

Ein Ende des Wachstumsbooms ist nicht in Sicht: Kreuzfahrten werden immer beliebter. GEWINN fasst den gigantischen Markt sowie Trends und Neuheiten auf den Wellen des Meeres übersichtlich zusammen.

Keine andere Reiseform boomt derart wie Kreuzfahrten. Laut Cruise Line International Association (CLIA) brachen 2018 weltweit 28,2 Millionen Passagiere zu einer Ozean-Seereise auf, 2019 werden 30 Millionen erwartet (2009: 17,8 Millionen). Die Cruise-Line-Branche beschäftigt weltweit 1,1 Millionen Mitarbeiter, die wirtschaftliche Gesamtleis­tung daraus beträgt 134 Milliarden US-Dollar. Dem Trend entsprechend, schippern immer mehr neue Schiffe über die Weltmeere: Gab es 2018 zwölf Neuzugänge (so viele wie nie zuvor), werden es 2019 gar 16 sein.

Österreicher auf hoher See

Auch wir Landratten aus Österreich lieben das Pauschalreiseprodukt Kreuzfahrt: 2017 stachen 134.700 Landsleute in See, 2005 hingegen waren es 45.000. „In den nächsten zehn Jahren erwarten wir eine weitere Steigerung um rund 50 Prozent“, blickt Ulrike Soukop, Leiterin des Kreuzfahrtenausschusses des österreichischen Reiseverbandes (ÖRV) sowie General Manager Austria von Costa Kreuzfahrten, hoffnungsfroh in die Zukunft. Brigitte Jafarmadar, Produktmanagerin der Ruefa-Marke Seetour Austria, konkretisiert: „Drei Prozent der reiseaffinen Österreicher machen eine Kreuzfahrt. Auch bei uns wächst das Segment beständig: 2017 um 14, 2018 um 18 Prozent.“ Eine Kreuzfahrt ist eine Rundreise ohne Kofferpacken – mit einem umfangreichen All-inclusive- sowie Unterhaltungs-, Sport- und Wellness-Angebot zum fairen Komplettpreis. Soukop: „Da kann kein anderes Ferienkonzept mithalten!“
Die beliebtesten Reedereien der Österreicher sind AIDA, Costa, MSC, Hapag-Lloyd und TUI Cruises. Diese fünf stellen einen Marktanteil von 90 Prozent. AIDA, TUI und Hapag-Lloyd punkten mit ihrer Bordsprache Deutsch. Bei den Italienern Costa und MSC gefällt die italophile Atmosphäre.
Wie suchen die Österreicher ihre Kreuzfahrt aus? Jafarmadar: „Das Schiff und der Preis sind die wichtigsten Entscheidungskriterien, gefolgt vom Zielgebiet.“ Auch die Größe des Schiffes muss bedacht werden: Megaliner für bis zu 6.500 Passagiere sind gigantomanische künstliche Erlebniswelten – das Meer ist allerdings weit weg. Landgänge können hier, wenn alle gleichzeitig bei wenigen Ausgängen vom Schiff drängen, eine mühsame Prozedur werden. Kleinere Schiffe hingegen bieten mehr Individualität, Exklusivität und Seefahrt-Feeling, sind aber empfindlich teurer.

Welches Schiff, welche Reederei?

Die preiswertesten Angebote gibt’s bei MSC und Costa. Hier reisen zudem Kinder bis 18 Jahre gratis in der Kabine der Eltern mit – bei Costa generell, bei MSC bei vielen Abfahrten. Eine Woche auf der MSC Bellissima ab/bis Dubai (VAE, Bahrain und Katar) gibt es ab 399 Euro pro Person (mit Vollpension, ohne Anreise). Genereller Spartipp: Vorab gebuchte Getränkepakete schonen die Geldbörse! Die meisten Reedereien spendieren großzügige Kinderrabatte, auch in den Sommerferien. Sehr oft gibt es toll eingerichtete Kinderclubs. Die kleinen Seebären werden auf Englisch, mehrsprachig und mit Hand und Fuß betreut, nur bei TUI, Aida und Hapag-Lloyd wird deutsch gequasselt.
Die gewaltigsten Rutschenparadiese warten auf den US-Megalinern von Norwegian Cruise Line (NCL) sowie Royal Caribbean (vor allem auf den drei Schiffen der „Oasis“-Klasse, den derzeit größten Luxuslinern der Welt). Bei den amerikanischen Reedereien gibt es so gut wie einfach alles, sie bieten Fun und Action ohne Ende – mit künstlichen Surf-Wellen, diversen Simu­latoren, Virtual-Reality-Abenteuern, Kletterwänden, Eislaufplätzen, Zip-Lines, E-Gokart-Rennstrecken, Freefall-Rutschen und vielem mehr. In ihren schwimmenden Theatersälen gibt es professionelle Shows, Kabaretts und Musicals mit namhaften Stars. Aber auch die Europäer rüsten hier auf: Aida kreiert eigene Showprogramme, MSC lässt auf den Schiffen der neuen Meraviglia-Klasse den „Cirque du Soleil at Sea“ auftreten. Hapag-Lloyd punktet seit jeher mit einem elitären, hochkarätigen, eher klassischen Musik- und Unterhaltungsprogramm.
Einen sportlich-aktiven All-inclusive-Cluburlaub zu hoher See gibt’s bei TUI Cruises und Aida. Wellness- und Spa-Apostel werden bei so gut wie allen Reedereien fündig. Und sogar ärztliche Betreuung mit Einrichtungen bis zur Dialysestation fehlt nicht auf hoher See (siehe Tabelle). Übrigens: In den USA macht sich der Trend breit, dass betagte Menschen statt ins Pensionistenheim lieber auf Langzeitkreuzfahrt gehen: Preise und Betreuung sind ähnlich, aber eine Kreuzfahrt ist wesentlich lustiger.

Seereisen für hohe Ansprüche

Von allem das Feinste, beste Kulinarik-, Butler-Service und vor allem ein überaus großzügiges Platzangebot: Einsame Spitze in Sachen Luxus-Seereisen ist Hapag-Lloyd. Ihre MS Europa und MS Europa 2 werden seit vielen Jahren in Serie vom Berlitz Cruising Guide zu den zwei weltbesten Schiffen gekürt. Ab April 2019 rüstet Hapag-Lloyd auch seine Expeditionsschiffsflotte mit edelsten Neuzugängen auf – aber dazu später.
Kreuzfahrer mit hohen Ansprüchen werden auch bei den französischen Ponant Yacht Cruises, bei Regent Seven Seas, Crystal Cruises, Silversea, Oceania Cruises, Holland America Line sowie Azamara Club Cruises fündig. „Das Segment der Luxuskreuzfahrten wächst bei uns stärker als alle anderen“, meldet Jafarmadar. Und das bei Durchschnittspreisen von 350 bis 730 Euro – pro Tag und Person. Und ohne Anreise! Attraktive Frühbucheraktionen machen die Sache etwas erschwinglicher. Also frühzeitig planen!
Ein kleiner, feiner Bereich mit begeisterten Fans sind Segelkreuzfahrten: Die prachtvollen Windjammer-Schiffe (meist historischen Vorbildern nachgebaut) mit bis zu fünf Masten und 50 Segeln laden zu exklusiven Zeitreisen mit einzigartiger Atmosphäre ein. Hier ist der Passagier tatsächlich dem Meer ganz nah und der Segelantrieb schont die Umwelt. Sea Cloud bietet zwei exklusive Großsegelyachten für maximal je 64 Passagiere, Star Clippers drei stilvolle Großsegler für bis zu 220 Seebären im Wind. Bei beiden Reedereien gibt es demnächst Zuwachs (siehe Tabelle). Eine Woche Karibik kostet auf der Royal Clipper ab 1.516 Euro in der Innenkabine und 1.584 Euro außen (28 Prozent Frühbucherrabatt bis 30. 4. 2019), auf der Sea Cloud II ab 2.595 Euro außen (jeweils ohne Anreise).
 
Top: Expeditionskreuzfahrten

Pinguine in der Antarktis, kalbende Gletscher, Eisbären: Expeditionskreuzfahrten sind das Segment mit dem größten Wachstum und den meisten, durchwegs spektakulären Neubauten. Bis Ende 2022 rüstet die Branche mit 34 neuen Expeditionskreuzfahrtschiffen auf. „Trotzdem gibt es dreimal so viele Interessenten wie Kapazitäten auf dem Markt‘, bringt Karl Pojer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd, den Trend auf den Punkt.
Die Traditionsreederei reagiert: ab 2019 bereichern die Hanseatics nature und inspiration die Flotte, 2021 folgt die Hanseatic spirit – alle drei mit der höchs­ten Eisklasse für Passagierschiffe, PC6 (Packeis-tauglich). Und größtem Komfort: Da gibt es ausschließlich Balkon-Suiten zwischen 22 und 71 m2 Größe, begleitende Wissenschaftler als Lektoren, ausfahrbare Glasbalkone, übergroße Wellnessbereiche, überdachte Pools und um die maximal 230 Gäste kümmert sich eine 175-köpfige Crew. Somit genügen nun auch Antarktis-Kreuzfahrten höchsten Luxusansprüchen! Als USP darf und kann die Hanseatic als einziges nicht russisches Schiff die legendäre Nordostpassage (Arktis) befahren. „Wir haben neben 5*-Komfort auch 5*-Kapitäne für solche Abenteuer“, schwärmt Pojer.
Scenic Luxury Cruises aus Australien (bisher auf Luxus-Flusskreuzfahrten spezialisiert) spielt ab April auch in der elitären Liga der Expeditionskreuzfahrten mit – mit der Scenic Eclipse. Selbstbewusst verpasst ihr die Reederei sechs Sterne (bei Schiffen gibt es keine offizielle Kategorisierung). Das All-inklusive-Konzept inkludiert definitiv alles: preisgekrönten Champagner unlimitiert, je 50 Gin- und Whiskysorten, feinste Kulinarik, persönlichen Butler und sogar alle Ausflüge. Die größte Suite (Owner Penthouse) ist hier 250 Quadratmeter groß (Kostenpunkt: ab 8.000 Euro pro Tag und Person!). Als i-Tüpfelchen gibt es ein bordeigenes U-Boot sowie einen Helikopter für je sechs Passagiere: sie bescheren gegen Aufpreis ultimative Erlebnisse. Das alles erreicht Preisdimensionen eines Kleinwagens: Eine Antarktis-Kreuzfahrt ist bei beiden Anbietern ab etwa 11.000 Euro zu haben (bei Hapag-Lloyd inklusive Anreise).
Expeditions-Seereisen werden nicht nur in Polarzonen, sondern auch in Warmwassergebiete (z. B. Amazonas) angeboten. Ausschlaggebend sind entlegene, unentdeckte Ziele und intensives Naturerlebnis gemeinsam mit Lektoren.

Hin zu mehr Umweltschutz

Erfreulicherweise setzen die Reedereien zunehmend auch auf das Thema Umweltschutz sowie alternative Treibstoffe: der sauberste fossile Brennstoff Flüssigerdgas (LNG), Marine-Gasöl, Bio-Flüssiggas bzw. Elektroantrieb verdrängen zusehends den Schiffsdiesel. Vorreiter ist die neue Aidanova: sie kann zu 100 Prozent mit LNG betrieben werden („Green Cruising“). Auch die „Next Generation“-Schiffe von Costa (ab der Smeralda) fahren mit LNG. Die norwegischen Hurtigruten setzen künftig auf flüssiges Biogas (LBG) aus Fischereiabfällen und organischen Res­ten. Ihre neue MS Roald Amundsen ist das erste Expeditionsschiff mit Hybridantrieb.
Hapag-Lloyd verwendet bei den drei neuen Hanseatics ab Juli 2020 ausschließlich Marine-Gasöl sowie SCR-Katalysatoren (Stickoxidreduktion um mehr als 90 Prozent).

Zukunftsvisionen

Bei den Schiffsneubauten (siehe Tabelle) fallen zwei Haupttrends auf: Einerseits wird der Luxus auf die Spitze getrieben, andererseits wird der gigantomanische Wahnsinn auf den Weltmeeren immer weiter getoppt.
MSC (übrigens die weltweit einzige Kreuzfahrtreederei in privater Hand und größte Europas) rüstet die Flotte mit einem branchenweit einzigartigen Investitionsvolumen von 13,6 Milliarden Euro bis 2027 auf 29 Schiffe auf. Ab 2022 kommen mit der MSC World Class vier LNG-Schiffe dazu: Sie setzen mit 6.850 Passagieren in punkto Größe neue Maßstäbe.
Die untenstehende Tabelle gibt einen Überblick über die für Österreicher wichtigsten Reedereien. Gute Such- und Buchungsplattformen sind www.ruefa.at/reisen/kreuzfahrten und www.kreuzfahrten.at.

>> Zum Download: Die wichtigsten Reedereien, ihre Schiffe und Destinationen im Vergleich


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