Reisen zu den Ikonen der Baukunst

Innovative „radikale“ Neubauten sind die neuen Gästemagnete im Tourismus. Zu gotischen Kathedralen und klassizistischen Opernhäusern gesellt sich spektakuläre Baukunst von namhaften Architekten. Eine Rundreise zu neuen Wahrzeichen und hypermodernen Landmarks.

Zuerst war sie der große Skandal, jetzt ist sie der Stolz Deutschlands: Die Elbphilharmonie in Hamburg, kreiert von Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Mittlerweile ist es im Publikumsmagnet „Elphi“ (Eröffnung war am 11. 1. 2017) nahezu unmöglich, an Konzertkarten zu kommen. Vergessen ist, dass das Architekturwunder aus einem massiven Backstein-Speichergebäude mit einem luftigen Aufbau mit 1.100 Glaselementen statt geplanten 77 Millionen Euro stolze 866 Millionen verschlang – die Fans strömen herbei. In den ersten zwei Jahren besuchten 8,5 Millionen Menschen die Plaza (die öffentlich zugängliche Aussichtsplattform zwischen Speicher und Aufbau) und 1,8 Millionen Kunstsinnige die Konzerte in den drei Sälen. Erfreulich: Der immense Andrang sorgt dafür, dass aktuell kaum noch Verluste bestehen. Hamburgs neue Ikone der modernen Baukunst ist also auch ein wirtschaftlicher Erfolg.
Apropos Deutschland und Baukunst: Unser nördlicher Nachbar feiert heuer 100 Jahre Bauhaus. Diese wegweisende Kunst-, Design- und Architekturschule wurde am 1. April 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet und gilt als Wegbereiter der klassischen Moderne. Jubiläumsprogramme gibt es in den Bauhaus-Hauptstädten Weimar, Berlin und Dessau sowie an weiteren 97 Orten (www.grandtourdermoderne.de, www.bauhaus100.de). Das weltweit größte zusammenhängende Bauhaus-Städteensemble allerdings ist die „White City“ in Tel Aviv in Israel.

Europas neue Tourismusmagnete

Spektakuläre Architektur bereichert den Städtetourismus. Frühe Ikonen sind die Kathedrale von Brasilia (1970, Oscar Niemeyer), die Oper von Sydney (1973, Jørn Utzon) oder das Centre Pompidou in Paris (Renzo Piano, 1977). Das Guggenheim-Museum in Nordspanien (1997, Frank O. Gehry) ist gar Namensgeber des sogenannten Bilbao-Effektes: innovative Bauten werten Orte gezielt auf.
In Spanien ist die Dichte an Architektur der Moderne und Postmoderne ganz besonders groß – ausgehend von Madrid: Man denke z. B. an den Museumszubau Reina Sofia (Jean Nouvel), an das Caixa-Forum (Herzog & de Meuron) oder die Prado-Erweiterung (Rafael Moneo). Jüngste Ikonen sind das Hotel Puerta América (siehe Tabelle unten) oder der Río Parkvon Dominique Perrault (www.esmadrid.com/de).
In Bilbao macht das neue Azkuna Zentroa von sich reden: Philippe Starck baute ein historisches Weinlager zu einem Kulturzentrum um. Nicht minder spektakulär sind der 165 Meter hohe Torre Iberdrola von Pritzker-Preisträger César Antonio Pelli (er entwarf auch die Petronas Towers in Kuala Lumpur) oder das San Mamés Berria-Stadion, die Heimstätte von Athletic Bilbao (www.bilbaoturismo.net). 
Interessant ist der Vormarsch der Moderne in der Region Castilla y León, dem „Burgen-Land“ nördlich von Mad­rid. In Burgos überraschen das Forum Evolución (Kongresspalast und Konzerthalle), das Museum zur Entwicklung der Menschheit und die schräge Weinkellerei Bodega Portia von Norman Foster; in León das Museum zeitgenössischer Kunst Castilla y León (www.turismocastillayleon.com). 
Frankreich ist immer ein angesagtes Ziel für Architektur-Fans. In Paris sind die Fondation Louis Vuitton von Frank O. Gehry und seit April 2017 das Musikkulturzentrum La Seine musicale von Shigeru Ban und Jean de Gastines unbedingt sehenswert (de.parisinfo.com). In Bordeaux laden seit Juni 2016 die futuristisch-geschwungene Cité du Vin sowie das brandneue Meeresmuseum Musé́e Mer Marine ein (www.bordeaux-tourismus.de). Im südfranzösischen Nîmes gefällt jüngst das Musée de la Romanité, Ende 2019 eröffnet in Arles das neue Kulturzentrum Luma Stiftung von Frank O. Gehry (www.nimes-tourisme.com, www.arlestourisme.com).
Basel ist die Architektur-Hochburg der Schweiz: Zahlreiche moderne Landmarks beleben harmonisch das historische Stadtzentrum; insgesamt zwölf Pritzker-Preisträger verewigten sich (www.basel.com/de/architektur). In Zürich bot die ETH Zürich als erste Hochschule der Schweiz ab 1855 ein Architekturstudium an. Größen wie Herzog & de Meuron oder Santiago Calatrava gingen durch diese Kaderschmiede. ETH-Handschrift trägt der wuchtige wie verspielte Anbau am Landesmuseum Zürich (Christ & Gantenbein). Der berühmte Pavillon Corbusier wird im Mai 2019 nach ­Renovierung wieder eröffnet; 2020 wird die Erweiterung des Kunsthauses von David Chipperfield fertig (www.zuerich.com).
Bemerkenswert sind auch die zahlreichen hypermodernen Thermen- und Wellness-Tempel der Eidgenossenschaft – etwa die puristische Therme Vals von Peter Zumthor, das innovative Bürgenstock Resort oberhalb des Vierwaldstättersees, die Therme Hürlimann in Zürich („von der Brauerei zur sakralen Badewelt“) oder das Wellnesshos­tel4000 in Saas Fee (www.myswitzerland.com). Einzigartige Badearchitektur zeigt auch Island, die vulkanische Insel im nördlichen Polarmeer: Das Luxushotel „The Retreat“ an der Blauen Lagune ist in eine 800 Jahre alte moosbedeckte Lavalandschaft eingebettet.

Architekturikonen außerhalb Europas


Mehrere arabische Staaten holen sich Stararchitekten ins Land, um mit Prachtbauten zu glänzen. Flaggschiffprojekte von Abu Dhabi sind das Zayed National Museum von Norman Foster, das Guggenheim Abu Dhabi von Frank O. Gehry, der Louvre Abu Dhabi von Jean Nouvel oder die Sheikh Zayed Bridge von Zaha Hadid (www.visitabudhabi.ae). In Doha, der Hauptstadt von Qatar, interessiert Touristen das Museum for Islamic Art von I. M. Pei sowie das soeben eröffnete National Museum of Qatar von Jean Nouvel (www.visitqatar.qa). Bei beiden ist allein die Architektur einen Besuch wert.
In Hongkong entsteht mit dem West Kowloon Culture District ein neues Kulturquartier. Ikonische Neubauten sind das Xiqu Centre (Oper) und die Kowloon-West-Station, der größte unterirdische Bahnhof der Welt. Das Kunstmuseum M+ eröffnet noch 2019 (www.discoverhongkong.com/de). In New York City ist Hudson Yards am Westrand Manhattans das größte Real-Estate-Projekt der Stadt seit dem Rockefeller Center (1939). „The Vessel“ ist ein in die Höhe gebauter Park als begehbare Skulptur. Im April 2019 eröffnet das Multi-Arts Center The Shed (www.visitusa.at/new-york).

>> Zum Download: Hoteltipps – Innovative Architektur zum Bewohnen

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.