Background Risk: Das Risiko lauert im Hintergrund!

Vor allem Anleger mit geringem Hintergrundrisiko gehen bei ihren Investmententscheidungen zu wenig Risiko ein – und kassieren folglich zu geringe Renditen.

Anleger sollten bei Investmententscheidungen auch Hintergrundrisken beachten (Foto: gguy44 - GettyImages.com)

Was haben Unternehmer, Anleger und Investmentbanker gemeinsam? Ihr Einkommen wird stark von der wirtschaftlichen Entwicklung und politischen Entscheidungen geprägt. Sie sind daher einem hohen Hintergrundrisiko ausgesetzt. Darunter versteht man ein Risiko, das sich nur schwer handeln lässt und das auch nicht versicherbar ist. Insofern unterscheidet sich das Hintergrundrisiko, im Originalton „Background Risk“, von typischen Finanzmarktrisken à la Aktien-, Zins- oder Wechselkursrisiko, die durch (Ver-)Kauf von Wertpapieren abgesichert werden können.

Eine besonders wichtige Quelle des Hintergrundrisikos ist das „Humankapital“, sprich: der Barwert des gesamten zukünftigen Arbeitseinkommens. Dieser Wert wird im Laufe des Lebens immer geringer und ist somit bei jungen Menschen höher als bei älteren. Auch haben besser ausgebildete Personen ein höheres Humankapital als jene mit schlechterer Ausbildung. Wobei durch Krankheit, Unfall oder Tod das Humankapital sprunghaft schrumpfen kann. Ein Unternehmen im eigenen Besitz, ein Erbe, das einem künftig übertragen wird, das Eigenheim sowie die Familiensituation sind weitere Quellen des Hintergrundrisikos.

Erst abwägen, dann entscheiden

Diese Form des Risikos sollte man bei Finanzentscheidungen genau im Blick behalten. So sollten Menschen mit hohem Hintergrundrisiko bei der Geldanlage weniger Risiko eingehen. Umgekehrt kann es sich zum Beispiel ein pragmatisierter Beamter mit langfristig gesichertem Arbeitseinkommen leisten, sein Vermögen riskanter anzulegen. In der Praxis passieren hier aber oft Fehler. Vor allem Anleger mit geringem Hintergrundrisiko gehen bei ihren Investmententscheidungen zu wenig Risiko ein – und kassieren folglich zu geringe Renditen.
Das Hintergrundrisiko sollte auch nach den einzelnen spezifischen Risikoarten analysiert werden. Nehmen wir als Beispiel das Immobilienpreisrisiko. Personen mit Eigenheim, die automatisch einen hohen Immobilienanteil in ihrem Gesamtvermögen haben, sollten nicht auch noch einen großen Teil ihres Finanzvermögens in Immobilien ste­cken. Gegenteiliges gilt freilich für Personen, die in einer Mietwohnung leben.

Auch für Kreditnehmer ist die Berücksichtigung des Hintergrundrisikos von großer Bedeutung. Schließlich sind sie aufgrund der regelmäßigen Rückzahlungsverpflichtung einem hohen Risiko ausgesetzt. Man denke nur an unerwartete Zinserhöhungen, die finanzielle Engpässe auslösen können. Selbiges Szenario droht bei Jobverlust. Personen, die einen Kredit aufgenommen haben, sollten also bei ihren anderen Finanzentscheidungen eher auf Nummer sicher gehen.

Tipps

Berücksichtigen Sie bei Ihren Kapitalentscheidungen das Hintergrundrisiko! Nehmen Sie eine ganzheitliche Perspektive ein, die auch Ihre privaten Risikopositionen beinhaltet. Fragen Sie sich dabei bewusst: „Welche Risken habe ich im Hintergrund?“ Risikoquellen, denen man bereits privat unterliegt, sollte man sich bei Finanzentscheidungen weniger stark aussetzen.

Auch empfehle ich, bei Fragen zur Vorsorge unbedingt auf individuelle Beratung zu setzen, statt auf allgemeine Ratschläge, die für jedermann Gültigkeit haben sollen. Schließlich entspringt das Hintergrundrisiko Ihrem ganz persönlichen Umfeld!

Evaluieren Sie laufend Ihr Risiko im Hintergrund. Denn: Jede Veränderung sollte sich auch in Ihren Finanzstrategien widerspiegeln – und zu einer neuen Portfoliozusammenstellung führen. So sollte in jungen Jahren aufgrund des hohen (und meist relativ sicheren) Humankapitals der Anteil des Finanzvermögens in risikoreichen Wertpapieren eher hoch sein und im Laufe des Berufslebens nach und nach sinken. Ein weiteres Beispiel: Wirft ein Investmentbanker das Handtuch und wird Lehrer, sinkt sein Hintergrundrisiko massiv. Folglich braucht es eine Anpassung im Finanzportfolio – und zwar eine Erhöhung der riskanteren Anlagen zulasten der sichereren Investments.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.