Die 10 größten Anlegerfehler ... und wie man sie vermeidet

GEWINN hat sich unter Expertinnen und Experten umgehört, welche zu den typischen Anlegerfehlern zählen, warum sie für das Geldbörserl so entscheidend sind und wie man sie am besten vermeiden kann.

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„Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Das gilt insbesondere, wenn es um  Geldanlage geht. Denn niemand ist in diesem Bereich vor kostspieligen Fehlern gefeit – vom Anfänger, über engagierte Amateure bis hin zu Profis. Sie alle tappen immer wieder in Anlegerfallen, bei denen richtig viel Geld „verbrannt“ wird.Von der Spekulationsblase mit Tulpenzwiebeln im Holland des 18. Jahrhunderts über den Hype um Internet-Aktien der 1990er-Jahre oder das Festhalten an einer reinen Sparbuchveranlagung zu Nullzinsen  – die Liste an irrationalen Anlegerverhaltensweisen  ist lang und vielfältig.

GEWINN hat sich daher unter Expertinnen und Experten umgehört, welche denn zu den typischen Anlegerfehlern zählen, warum sie für das Geldbörserl so entscheidend sind und wie man sie am besten vermeiden kann. Die gute Nachricht lautet: Man muss kein Nobelpreisträger sein, um die Fehler zu verstehen und in Zukunft zu vermeiden. Die schlechte Nachricht: Man braucht dazu aber verdammt viel Disziplin und Geduld – die Paradetugenden von erfolgreichen Anlegern wie Warren Buffett oder André Kostolany.

„Irren ist menschlich“. . .

. . .  lautet ein anderer Spruch, der gerade bei Finanzentscheidungen häufig zutrifft. Die meisten Anlegerfehler lassen sich auf menschliche Schwächen zurückführen. Denn der rein rational agierende Mensch bzw. „homo oeconomicus“ mag vielleicht zur Erstellung vereinfachter, wissenschaftlicher Modelle hilfreich sein.
In der Realität spielen an den Finanzmärkten allzu menschliche Züge wie Gier, Ungeduld, Selbstüberschätzung etc. eine entscheidende Rolle, weshalb sich mit der „Behavioral Finance“ eine eigene wissenschaftliche Disziplin entwickelt hat, die genau diese Phänomene untersucht.

GEWINN-Abonnenten ist die viel beachtete Kolumne zu Anlegerfehlern von WU-Professor Manfred Frühwirth im GEWINN ein Begriff.

Fehler 1: Gar nicht investieren

Rund 260 Milliarden Euro haben Herr und Frau Österreicher aktuell in Spareinlagen aller Art gebunkert. Damit verfügt jeder Einwohner unseres Landes – vom Baby bis zur Omama –  im Durchschnitt über einen „Notgroschen“ von rund 29.300 Euro. „Wie viel Sicherheit braucht man wirklich?“,  fragt sich angesichts dieser beachtlichen Rücklagen nicht nur Helmut Siegler, Vorstand und Chefanleger der Schoellerbank: „Die Österreicher beschäftigen sich zu wenig kritisch mit der Frage, wie viel Geld sie für Reparaturen und Notfälle tatsächlich brauchen, und sind dafür bereit, einen realen Verlust in Kauf zu nehmen.“

Zu hoher Anteil an Spareinlagen

Anleger in anderen Ländern agieren hier viel geschickter, wie ein internationaler Vergleich zeigt. Siegler gibt dabei zu bedenken, dass man hierzulande als Privatanleger zwar keine Negativzinsen auf Spareinlagen fürchten muss, aber dass die Inflation dennoch unentwegt an der Kaufkraft des Ersparten „nagt“: „Aus 10.000 Euro werden bei durchschnittlicher Inflation, die zwischen 1,5 und 1,9 Prozent liegt, in nur sechs Jahren 9.000 Euro. Das entspricht einem Kaufkraftverlust von rund 1.000 Euro. Und dieses Niedrigzinsniveau ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern wird uns noch länger begleiten.“

FAZIT: Man sollte jedenfalls einen Teil  seine Geldes (nicht alles!) langfristig in Aktien investieren – am besten breit gestreut über entsprechende Investmentfonds oder börsennotierte Indexfonds (ETF). Alternativ kann man die Verwaltung einer Bank oder einem ­Robo-Advisor anvertrauen.

Eine Faustregel dabei besagt , dass man drei bis sechs Monatsgehälter als Reserve auf dem Sparbuch halten soll. Alles darüber, das man nicht gezielt für geplante größere Anschaffungen an­spart, kann und sollte langfristig angelegt werden. Auch auf die Gefahr hin, dass morgen mit einem Börsenkrach die Aktienkurse einbrechen und man  Buchverluste erleidet. Denn wer langfristig agiert und nicht beim ersten Gegenwind verkauft, hat kaum etwas zu befürchten (siehe Fehler Nr. 2). 

Fehler 2: Aktien als kurzfristige Spekulation betrachten

„Aktien sind doch so riskant. Das ist nur was für Profis“, lauten landläufige Vorurteile. Erich Stadlberger, Leiter Private Banking & Asset Management bei der Oberbank, spricht daher bei Vorträgen oder Kundengesprächen zu Beginn nicht gleich von Aktien: „Ich rede lieber von einer Beteiligung an einem Unternehmen. Denn jeder will ein Stück von einer erfolgreichen Firma haben. Aktien sind ja nur das Mittel zum Zweck.“

Langfristig konnte man bisher mit Aktien in etwa so viel verdienen, wie die Unternehmen ihre Gewinne ausweiten konnten. „Um die sechs Prozent durchschnittlicher jährlicher Ertrag sind mit Aktien vor Kosten und Steuern auf lange Sicht eine valide Größe“, rechnet der Banker vor.

Kein Verlust ab 14 Jahren

Mit einem gewissen Durchhaltevermögen kann man beim Anlegen in Aktien auch kaum etwas falsch machen, wie die Grafik zeigt. Dagegen ist kurzfristig in Aktien zu investieren reine Spekulation. Ein einjähriges Investment in den Weltaktienindex MSCI World, der die Entwicklung der rund 1.600 größten börsennotierten Unternehmen aus Industrieländern weltweit abbildet, hätte laut Berechnungen der Plattform „Dividenden-Adel“ seit 1972 zwischen –43,5 und +66,1 Prozent ­Ertrag (inklusive Netto-Dividenden) gebracht. Danach sinkt die Gefahr eines Verlusts schrittweise, und ab fünf Jahren wird das Chancen-Risiko-Verhältnis eines Aktieninvestments richtig überzeugend.

Ab einer Behaltedauer von 14 Jahren gab es seit 1972 keinen einzigen Zeitraum, in dem man mit einem weltweiten Aktieninvestment einen Verlust gemacht hätte – egal, wann man eingestiegen ist, und das trotz zweier Ölkrisen, drei Golf-Kriegen, dem großen Börsen-Crash 1987, dem Platzen der Internet-Blase und der großen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007.

Ausdauer machte sich bezahlt

Für all jene, die an der Börse noch längeren Atem bewiesen haben, hat es sich bisher immer bezahlt gemacht: Bei einem 20-jährigen Investment in den Weltaktienindex hätte der Ertrag im allerschlimmsten Fall ein Plus von 2,3 Prozent pro Jahr gebracht – wenn man im März 1989 gekauft und am Tiefpunkt der Finanzkrise 2009 verkauft hätte. 

Natürlich gibt es keine Garantie, dass die Erträge von Aktien auch in Zukunft ähnlich hoch wie in den letzten 50 oder 100 Jahren ausfallen werden. Bei einzelnen Wertpapieren oder Märkten sollte man mit der Fortschreibung von Kurstrends in die Zukunft sehr vorsichtig sein (siehe Fehler 3). Doch die Annahme, dass Aktien auf lange Sicht und im Durchschnitt einen positiven Ertrag bringen werden, der der Entwicklung der Unternehmensgewinne entspricht, gilt als gesichert. 

„Timing äußerst schwierig“

Anleger, denen die langfristig realistischen Erträge von fünf, sechs Prozent pro Jahr nicht genug sind, versuchen häufig, durch den Zukauf bei niedrigen und dem Verkauf bei hohen Kursen den Ertrag noch zu steigern. Das kann laut Stadlberger kurzfristig gut gehen, aber „über sehr lange Zeiträume ist das richtige Timing  äußerst schwierig. Bereits wenige Tage können über einen langfristigen Gewinn bzw. Verlust entscheiden“.

So hätte sich etwa der Ertrag laut Studien bei einer Inves­tition in den europäischen Aktienindex MSCI Europe im Zeitraum von 2003 bis 2017 halbiert, wenn man nur die zehn besten Handelstage verpasst hätte.
Fazit: Anleger sollten Aktien nicht als kurzfristige Spekulation, sondern als langfristiges Investment sehen, um mit  etwas Geduld und Ausdauer hohe Renditen zu erzielen.

Fehler 3: Von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen

Es ist eine Falle, in die häufig sogar Anlageprofis tappen: Da zeigt ein Wertpapier eine Kursentwicklung mit einem klaren Aufwärtstrend, wie zum Beispiel die Aktie des deutschen Zahlungsdienstleisters Wirecard: Von Anfang Jänner 2017 bis Anfang September 2018 verfünffachte sich der Kurs der Aktie in einer spektakulären, fast ununterbrochenen Aufwärtsbewegung. Viele Anleger wollten auf den fahrenden Zug aufspringen. Doch die Hoffnung, dass man die Entwicklung der Wirecard-Aktie ausschließlich basierend auf dem bisherigen Kursverlauf in die Zukunft fortschreiben könne, wurde enttäuscht. Die Aktie verlor unter anderem wegen Vorwürfen der Bilanzmanipulation kräftig und notiert heute weit unter den Höchstständen.

Experten nennen dieses Verhalten einen „Extrapolationsfehler“, der auch unter umgekehrten Vorzeichen passieren kann, wenn Anleger einen Abwärtstrend an den Aktienmärkten gedanklich in die Unendlichkeit fortschreiben und daher viel zu lange mit dem (Wieder-)Einstieg zögern.

Markus Kaller, Veranlagungsexperte der Erste Group Bank, nennt ein anderes aktuelles Beispiel: „Anleihen haben in den letzten zehn, 15 Jahren aufgrund des sinkenden Zinsniveaus eine Kursrally erlebt. Man kann jetzt aber nicht davon ausgehen, dass sich diese Ertragsentwicklung weiter fortsetzt, weil die Zinsen nicht ewig so stark fallen können.“

Sein Fazit: „Anleger sollten weniger auf die bisherige Kursentwicklung achten und eher dazu übergehen, sich zu überlegen, ob ihr Investment  aus fundamentaler Sicht in der Zukunft noch Phantasie hat. Aus dieser Perspektive ist es auch einfacher, zwischenzeitige Rückschläge zu verkraften.“

Fehler 4: Herdenverhalten

Grundsätzlich ist der Herdentrieb ja eine zutiefst sinnvolle menschliche Verhaltensweise, die tief in unserem Unterbewusstsein steckt und in Notsituationen Leben retten kann: Zum Beispiel im Fall eines Brands oder einer Explosion bleibt oft nicht die Zeit, um die Handlungsoptionen selbst kühl abzuwägen, sondern man muss darauf vertrauen, dass die Herde im Moment einfach mehr weiß, als man selbst.

„Hingegen kann es bei der Geldanlage sehr nachteilig sein, wenn man als Letzter auf einen laufenden Trend aufspringt“, erklärt Uli Krämer, Prokurist und Leiter des Portfoliomanagements bei Kepler-Fonds. Denn an den Finanzmärkten beruhen Massenphänomene häufig auf irrationalem Verhalten, wie etwa die Entwicklung auf dem Neuen Markt der Frankfurter Börse zur Jahrtausendwende belegt: „Da sind die Aktienkurse aufgrund des Hypes rund um das Thema Internet ständig weiter gestiegen, obwohl man anhand der absurd hohen Bewertungen der Unternehmen bereits erkennen hätte müssen, dass das keine gesunde Entwicklung sein kann“, erinnert sich Krämer. Ähnliche Blasenbildungen gab es in der Geschichte schon häufig, zuletzt 2017, als viele Anleger Bitcoins und andere Krypto-Tokens nur basierend auf der Information kauften, dass die Kurse bisher gestiegen waren.

„Derzeit sehen wir kein Herdenverhalten auf dem Aktienmarkt. Es ist weder eine zu optimistische noch zu pessimistische Stimung festzustellen. Auch sind die Investitionen in Aktien angesichts der langen Hausse eher unterdurchschnittlich“, meint Krämer, der sich dabei auf Ergebnisse von Professor Teodoro D. Cocca, Spezialist für Behavioral Finance von der Johannes Kepler Universität Linz, beruft, mit dem Kepler-Fonds seit zehn Jahren kooperiert.

Fazit: Privatanleger können finanziell gefährliches Herdenverhalten durch diszipliniertes, regelmäßiges Investieren mittels Sparplan und einer grundlegenden Skepsis gegenüber Hypes und negativen Hysterien vermeiden.

Fehler 5: Selbstüberschätzung

Diesen Fehler einzugestehen fällt den meisten Menschen besonders schwer, insbesondere wenn es dabei um Geldanlage geht. Denn viele Privatanleger und auch Profis haben das Gefühl, sie hätten bei ihren Investments „alles im Griff“, und blenden dabei die damit verbundenen Risken weitestgehend aus. „Selbstüberschätzung drückt sich zum Beispiel in einer deutlich gesteigerten Frequenz von Käufen und Verkäufen aus, weil man ständig das Gefühl hat, man müsse aktiv werden und irgendwelche Chancen nutzen, die sich scheinbar auftun“, meint Monika Rosen, Chefanalystin der Bank Austria.

Anleger glauben dann auch in vielen Fällen, sie könnten auf breite Risikostreuung verzichten und auf nur wenige ausgewählte oder gar nur ein einziges „Pferd setzen“. Dabei fühlen sie sich durch einzelne Glückstreffer kurzfristig bestätigt und blenden Fehlschläge unbewusst aus. Selbstüberschätzung lässt viele auch glauben, man könne immer den perfekten Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg genau bestimmen.   „Vor allem unter Männern ist dieses Phänomen tendenziell stärker verbreitet als unter Frauen“, weiß Rosen.

Bescheidene Ergebnisse

Die negativen Folgen von Selbstüberschätzung an den Finanzmärkten schlagen sich beim Ertrag spürbar nieder: So hat etwa eine Untersuchung der Warwick Business School gezeigt, dass Männer um 45 Prozent häufiger Wertpapiere kaufen oder verkaufen, aber damit im Schnitt um 2,65 Prozent weniger Ertrag als Frauen erwirtschaften konnten. „Allein die erhöhte Trading-Aktivität führt schon zu höheren Spesen und damit zu einem Performancenachteil“, erklärt Rosen.

Fazit: Anleger können die Fallen der Selbstüberschätzung meiden, indem sie mit dem überwiegenden Teil ihrer Geldanlage auf ein breit diversifiziertes Portfolio mit Fonds und ETFs setzen und riskante „Wetten“ mit Einzeltiteln auf einen sehr geringen Teil des Vermögens beschränken.

Fehler 6: Zu stark auf die Heimat setzen

Für viele Menschen ist Geldanlage abseits des Sparbuchs immer noch ein ziemliches Neuland. Es ist daher kaum verwunderlich, dass man sich dabei zunächst auf Investments konzentriert, die einem räumlich oder inhaltlich besonders nahe stehen. Auch viele erfahrene Börsianer setzen mehrheitlich auf Unternehmen aus ihrem Umfeld, weil sie glauben, so einen gewissen Informationsvorsprung gegenüber internationalen Investoren nützen zu können.

In der „Behavioral Finance“ ist dieses Phänomen als „Home Bias“ bekannt.  „Der Home Bias ist bei Anlegern immer noch extrem ausgeprägt. Verschiedene Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass 60 bis 70 Prozent der Investments im eigenen Land beziehungsweise Währungsraum getätigt werden“, weiß Philipp Brugger, Leiter Investment Strategy bei Union Investment. Auch österreichische Anleger  investieren laut einer Studie aus dem Jahr 2003 rund 39 Prozent in heimische Aktien – bei einem Anteil auf dem Weltaktienmarkt von nur 0,17 Prozent.

Was ist so schlecht an Investments in der Heimat? „Mit dem starken Fokus auf den Heimatmarkt vergibt man die Chance auf höhere Erträge bei gleichzeitig niedrigeren Schwankungen, die man mit einer breiten internationalen Streuung erzielen kann“, weiß Brugger. Vor allem sei es seiner Ansicht ein Fehler, die USA in der Veranlagung nicht  (ausreichend) zu beachten: „In den USA ist die Profitabilität der Unternehmen langfristig höher als in Europa, und die Erwerbsbevölkerung wächst dort, während sie bei uns schrumpft.“ Vor allem auch die Diversifikation über verschiedene Währungen (insbesondere US-Dollar) hinweg hätte laut Brugger bei Aktieninvestments langfris­tig einen positiven Effekt auf Ertrag und Risiko.

Fazit: Auch beim Home Bias gilt: Risikostreuung ist das oberste Gebot der Geldanlage. Mit einer international breit gestreuten Veranlagung kann man auf lange Sicht höhere Erträge bei gleichzeitig geringeren Schwankungen als mit einem überwiegenden Heimat-Depot erzielen.

Fehler 7: Effekt von Dividenden missachten

Typischerweise konzentrieren sich Anleger bei Aktieninvestments nahezu ausschließlich auf die Kursentwicklung, die als der „heilige Gral“ der Geldanlage gilt und für die erhofften Erträge sorgen soll – und vernachlässigen dabei einen verlässlicheren Ertragsbringer: Dividenden, also jenen Teil der Gewinne, der von Unternehmen an Aktionäre ausgeschüttet wird.

„Ein Investment in den Weltaktienindex MSCI World hätte seit 2001 einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 6,0 Prozent gebracht. Allein 2,6 Prozentpunkte sind dabei auf Dividenden zurückzuführen“, rechnet Alois Steinböck, Chefanleger bei Amundi Austria, vor. Ein ähnlicher Effekt lässt sich laut Steinböck an allen Aktienmärkten weltweit beobachten: „Beim US-Aktienindex S&P 500 etwa liegt der Dividendenanteil an den Erträgen bei 30 Prozent, beim heimischen ATX bei 33 Prozent.“ Eindeutig haben auch beim deutschen Leitindex DAX, der im Unterschied zu den meisten anderen oft zitierten Indizes bereits Dividenden enthält, die Ausschüttungen an die Aktionäre einen besonders positiven Ertragseffekt.

Steinböck nennt ein weiteres gewichtiges Argument, Dividenden in der Veranlagung nicht zu ignorieren: „Die regelmäßigen Ausschüttungen federn die Kursschwankungen ab und spielen gerade in der anhaltenden Niedrigzinsphase eine große Rolle.“ Er rät aber davon ab, sich ausschließlich auf jene Unternehmen zu fokussieren, die aktuell die höchsten Dividendenausschüttungen bieten: „Man muss sich schon die Frage stellen, ob das Unternehmen die Ausschüttungen aus laufenden Gewinnen erwirtschaftet oder einfach aus der Substanz ausschüttet.“

Fazit: Anleger sollten sich nicht ausschließlich auf die Kursentwicklung konzentrieren, sondern auch die Dividendenzahlungen als stabilisierenden  regelmäßigen Ertragsfaktor beachten. Auch hier gilt: Nicht alles in wenige „Dividendenkaiser“ investieren, sondern breit streuen!

Fehler 8: Die Kosten der Veranlagung ignorieren

Bereits in der Schule lernt man, welche starke Auswirkung der Zinses­zinseffekt auf lange Sicht bei Sparguthaben hat – zumindest in einer Zeit als es noch Zinsen auf dem Sparbuch gab. „Kosten in der Geldanlage sind so etwas wie ein negativer Zinseszinseffekt. Auch hier wirken sich vermeintlich geringe Unterschiede auf lange Sicht beim Endwert unheimlich stark aus“, vergleicht Gerd Kommer, Vermögensberater und Bestseller-Autor. Ein Beispiel verdeutlicht die Wirkung (siehe Grafik): Selbst ein Unterschied von nur einem Prozentpunkt bei den laufenden Kosten bringt auf Sicht von 30 Jahren einen Vorteil von knapp 10.000 Euro.
„Der zweite Grund, warum man bei den Kosten besonders aufpassen sollte, ist, dass man als Anleger im Unterschied zu den anderen Faktoren, die Kosten selbst in der Hand hat. Abgesehen davon ist man ja den Gewalten des Marktes ausgeliefert, aber die Kosten kann und sollte man kontrollieren.“

Konkret könne man laut Kommer etwa sparen, wenn man sein Wertpapierdepot bei Online-Brokern hält, die im Vergleich zu Filialbanken in der Regel günstiger sind. „Und wenn man global breit gestreut investieren will, dann geht es nicht günstiger als mit börsennotierten Indexfonds, kurz ETFs. Einen globalen Aktien-ETF bekommt man bereits zu laufenden Kosten von 0,1 Prozent pro Jahr, ein aktiver Fonds kostet meist fünfzehnmal so viel.“

Fazit: Anleger sollten den Faktor Kosten in der Geldanlage nicht geringschätzen, weil hinter vermeintlich geringen Unterschieden große Ertragspotenziale schlummern.

Fehler 9: Alle Eier in einen Korb legen

Auf keine einzelne Anlageklasse, egal ob Aktien, Anleihen, Spareinlagen oder alternative Investments, ist Jahr für Jahr Verlass. Im einen Jahr bringen Aktien starke Zugewinne, während man mit Gold große Verluste einfährt. Im nächsten Jahr ist es möglicherweise wieder umgekehrt.

Das Gute daran: Man kann sich diesen Effekt zur Stabilisierung des Portfolios zunutze machen. Ernst Huber, Chef der Dadat Bank, betont dabei: „Anleger sollten nicht alles in Aktien investieren, sondern über mehrere Anlageklassen breit streuen. Damit werden Einbrüche in einzelnen Anlageklassen gedämpft oder möglicherweise sogar ausgeglichen.“

Wenn man etwa 30 Prozent in Aktien investiert hat, schlägt sich ein starker Einbruch an den Aktienmärkten von 20 Prozent nur mit einem Minus von sechs Prozent im Gesamtportfolio nieder.

Fazit: Eine breite Streuung auf mehrere Anlageklassen reduziert das Risiko und die Schwankungen enorm. Privatanleger können dabei etwa auf Mischfonds oder Multi-Asset-Fonds zurückgreifen oder das Geld einer Vermögensverwaltung anvertrauen, die automatisch mehrere Anlageklassen mischt. Erfahrene Anleger können sich mittels Fonds und ETFs selbst ein diversifiziertes Portolio bauen.

Fehler 10: Gewinne zu schnell realisieren, Verluste zu spät begrenzen

Wenn es an den Börsen wieder einmal kräftig nach unten geht, wie zuletzt Ende 2018, fühlen sich viele Anleger dazu verführt, ihre Anlagestrategie vorschnell über Bord zu werfen. Häufig kehren sie dann  aus Angst vor weiteren Verlusten den Aktienmärkten gänzlich den Rücken und ­verkaufen ihre Aktien in Bausch und Bogen.
Dieses Verhalten ist ein typischer Fehler, weil man die hohen Erträge im Aktienbereich nur dann lukrieren
kann, wenn man langfristig investiert und seiner Anlagestrategie treu bleibt. Denn die meisten verpassen aus
Angst vor weiteren Rücksetzern die darauf folgende Erholung der Gesamtmärkte.

Gänzlich anders verhält es sich mit taktischen Entscheidungen in Bezug auf einzelne Wertpapiere: Hier gilt das Motto: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

Gewinne zu früh realisieren

„Wenn der Kurs einer Aktie nach dem Kauf gesunken und ein finanzieller Verlust eingetreten ist, neigen Anleger dazu, zu lange mit dem Verkauf zu warten. Umgekehrt tendieren sie dazu, nach einem Kursanstieg über den Einstiegskurs die gewinnbringende Aktie zu früh zu verkaufen“, weiß Professor Manfred Frühwirth von der Wirtschaftsuniversität Wien. Der Grund dafür: Anleger freuen sich über die ersten 1.000 Euro Zugewinn mehr als über die zweiten 1.000 Euro. Spiegelbildlich ist es bei Verlusten: Hier schmerzen die ersten 1.000 Euro mehr als die zweiten 1.000 Euro Verlust ­– unter dem Motto: „Is ja eh schon wurscht.“

Dispositionseffekt

Der Experte für „Behavioral Finance“ erklärt, warum es für die meisten Anleger so schwer ist, sich von „Depotleichen“ zu trennen beziehungsweise Gewinneraktien nicht vorzeitig zu verkaufen: „Dieses Phänomen wird Dispositionseffekt genannt und lässt sich auf Verlustaversion zurückführen. Vor jeder Entscheidung, etwa zu einem Aktienkauf oder -verkauf, setzen wir einen Referenzpunkt, auf den wir mögliche Gewinne oder Verluste beziehen. Bei Verkaufsentscheidungen nach einem Aktieninvestment kann dies etwa der Einstiegskurs sein. Wenn der aktuelle Kurs über dem Einstiegskurs liegt, sind wir im Gewinnbereich und daher risikoscheu. Deshalb verkaufen wir die Aktie tendenziell zu früh, um unser Risiko zu senken.“ 

Umgekehrt verhält es sich laut Frühwirth, wenn man im Vergleich zum Einstiegskurs im Verlustbereich ist: „Dann werden Anleger risikofreudig und behalten die Aktie daher tendenziell zu lange – in der Hoffnung, dass sie wieder steigen möge.“

Diese Asymmetrie zwischen der Angst vor Verlusten und der Freude über Gewinne wird durch fiktive Beispiele in der Grafik verdeutlicht: Ein Anleger, der die Airbus-Aktie bei 85 Euro gekauft hat, realisiert den Gewinn vorschnell bei 95 Euro, weil er sich über den kleinen Gewinn übermäßig freut. Im Gegenzug hält er aber an der Aktie der Deutsche Bank viel zu lange fest, weil ihn zusätzliche Verluste ab einem gewissen Punkt weniger „schmerzen“ als der anfängliche Verlust.

Fazit: Während man seine Anlagestrategie keinesfalls bei jedem Rücksetzer an den Börsen ändern sollte, ist es sinnvoll, sich von einzelnen „Depotleichen“ rasch zu verabschieden und in aussichtsreichere Aktien zu investieren, mit denen man die Verluste tendenziell schneller wieder aufholt. Andererseits sollte man gewinnbringende Aktien nicht zu rasch verkaufen, sondern nach Möglichkeit laufen lassen. Praktisch ist in dem Zusammenhang eine Absicherung mittels einer sogenannten „Trailing-Stop-Loss-Order“, die mit dem Kurs der Aktie ansteigt, aber das Wertpapier bei gröberen Rücksetzern automatisch verkauft.

Falsch wäre jedenfalls der Vergleich von aktuellem Kurs versus damaligem Einstiegskurs, zielführender ist der Vergleich von aktuellem Kurs verus aktuellem fundamentalem Wert der Aktie.

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