Die beste Aktie der Welt

Apple war eine der ­rentabelsten Aktien der letzten Jahrzehnte, aber auch eine der ­riskantesten.

 

Gerd Kommer ist selbständiger Vermögensverwalter in München und einer der renommiertesten Finanzbuchautoren im deutschsprachigen Raum. (Foto: Gerd Kommer Invest GmbH./Tanja Alde)

Die beste Aktie der Welt gibt es nicht, weil Kriterien für „die beste Aktie“ nicht sinnvoll definierbar sind. Wenn man etwa „beste“ mit „rentabelste“ Aktie gleich setzt, wäre die Siegeraktie für beinahe jedes Intervall von einem Jahr bis 50 Jahren eine andere. Neben der bloßen Rentabilität müsste man jedenfalls auch das damit einhergehende Risiko berücksichtigen.

Dennoch bringt die Betrachtung der langfristig rentabelsten Aktien der Welt wertvolle Erkenntnisse, wie wir in diesem Artikel aufzeigen möchten.

20.000 Prozent Ertrag

Die Apple-Aktie wird in der Wahrnehmung von Privatanlegern wohl am häufigsten als Antwort auf folgende Frage genannt: „Welche bekannte Aktie hatte nach Ihrer Vermutung in den letzten 30 Jahren weltweit die höchste Rendite?“ Ja, Apple war über die zurückliegenden vier Jahrzehnte ein phänomenal rentables Investment, wahrscheinlich eine der rentabelsten Aktien weltweit: Von Jänner 1981 bis April 2020 brachte die Apple-Aktie eine durchschnittliche reale Rendite von 14,5 Prozent pro Jahr – im Vergleich zu 7,8 Prozent beim gesamten US-Aktienmarkt.

Würde ein Anleger heute 10.000 Euro bei einer durchschnittlichen realen Rendite von 14,5 Prozent pro Jahr investieren, hätte er mit dieser relativ moderaten Startsumme nach rund 39 Jahren ein Vermögen von rund zwei Millionen Euro aufgebaut – nach Abzug der Inflation wohlgemerkt. Das entspricht einer kumulativen Rendite von über 20.000 Prozent.

Bei dieser Rechnung tun wir allerdings indirekt so, als wäre es vor 39 Jahren beim Börsengang von Apple möglich gewesen, dieses Wunderinvestment zuverlässig ex ante zu identifizieren. Das war es selbstverständlich nicht. Vor drei oder vier Jahrzehnten beim IPO eine solche spätere „Wunderkind“-Aktie zu erkennen, sein ganzes Geld oder jedenfalls einen nennenswerten Teil davon darin zu konzentrieren und über 30 und mehr Jahre hinweg nicht zu verkaufen, dieses Kunststück gelingt – glauben wir – seltener als sechs Richtige im Lotto.

Viel riskanter als Gesamtmarkt

Ja, die Apple-Aktie war während ihrer Existenz von gut 39 Jahren zwar um Größenordnungen profitabler als der breite Aktienmarkt. Sie war aber zugleich auch immens viel risikoreicher, und das über den gesamten Zeitraum. Ihre laufenden Renditeschwankungen (Volatilität) waren dreimal so hoch. Bei anderen Risikokennzahlen schnitt Apple im Vergleich zum Gesamtmarkt in manchen Dekaden sogar noch schlechter ab.

Apple-Aktionäre mussten in jedem der vier Jahrzehnte der bisherigen Apple-Lebensund Leidensgeschichte im Vergleich zum Gesamtmarkt brutale Nackenschläge in Gestalt von immer neuen zweistelligen Kurseinbrüchen aushalten – und ganz besonders schwere in den ersten 20 Jahren (siehe Chart).

Im Englischen wird die damit einhergehende nervlich-emotionale Achterbahnfahrt sehr plastisch als ,gut-wrenching‘ (Eingeweide zerreißend) ausgedrückt. Und bei einer Einzelaktie – anders als beim globalen Aktienmarkt – weiß man nach einem starken Einbruch eben nicht, ob es irgendwann wieder nach oben gehen wird.

Anleger halten nicht so lange durch

Und weil sich dieses Risiko auf lange Sicht qualvoll anfühlt, halten es sehr, sehr wenige Anleger dauerhaft aus. Das Ergebnis ist häufiges Verkaufen, rein und raus, hin und her.

Weil das so ist, existieren auf diesem Planeten weniger Privatanleger, die die AppleAktie seit 39 Jahre besitzen, als Lottomillionäre. Deswegen sind Superstar-Aktienrenditen auch wie Hollywood-Blockbuster: Vielleicht interessant und unterhaltend, aber wenig hilfreich beim Führen des eigenen Lebens.

Wird sich die Apple-Aktie in Zukunft besser oder schlechter als der Gesamtmarkt entwickeln? Wir haben nicht den leisesten Schimmer, weil kurz-, mittel- und langfristige Kursprognosen für Einzelwerte die Zuverlässigkeit von Würfeln haben – kombiniert mit einer größeren Ergebnisbandbreite.

Wer Aktieninvestieren hingegen nicht als Glückspiel betreibt, sondern als rationale Vermögensbildung und Altersvorsorge, der fährt besser mit einem global breit gestreuten Aktienportfolio.

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