Die besten Aktienfonds und -ETFs

Gewinner und Verlierer in der Corona-Krise. Wer langfristig die besten Ergebnisse brachte.

 

(Foto: Paul Bradbury – GettyImages.com)

Ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie macht sich vielerorts eine gewisse Müdigkeit breit. Das Einhalten der sich ständig ändernden, oft mühsamen Regelungen und Beschränkungen fällt vielen immer schwerer. Gleichzeitig zehrt die latente Angst vor einer Ansteckung mit der Krankheit oder vor einem Jobverlust bei vielen an den Nerven. Durchhalteparolen werden ausgegeben unter dem Motto: „Jetzt noch ein paar Monate die Zähne zusammenbeißen, dann werden wir mithilfe der Impfungen die Pandemie eindämmen!“

Auch an den Aktienmärkten lautete in der Zeit nach Ausbruch der Covid19-Pandemie das Motto „Durchhalten!“: Anleger, die  gleich die Reißleine gezogen und verkauft haben, mussten teilweise horrende Verluste einstecken: Innerhalb weniger Wochen brachen die Kurse von Aktien weltweit im Durchschnitt um mehr als 30 Prozent ein. Einzelne Bereiche, wie etwa Aktien von Fluglinien,  wurden noch deutlich stärker getroffen.

Überraschend starke Erholung

Rückblickend machte sich auch im sogenannten Corona-Crash wieder einmal Geduld an den Aktienmärkten bezahlt, wie eine Auswertung aller in Österreich zum Vertrieb an Privatanleger zugelassenen Aktienfonds und -ETFs zeigt: In fast allen Märkten konnte der Kurseinbruch zu weiten Teilen relativ rasch  wieder aufgeholt werden, in vielen Fällen wurden sogar signifikante Zugewinne gemacht – trotz Wirtschaftseinbruch. So konnten etwa global investierende Aktienfonds und -ETFs im Durchschnitt in den zwölf Monaten nach Ausbruch der Krise (von 1. Februar 2020 bis 31. Jänner 2021) einen Ertrag von 5,4 Prozent erwirtschaften – in Euro berechnet und nach Abzug der Fondsgebühren, jedoch vor KeSt.

Wie gesagt, konnten in manchen Märkten im Jahr nach Ausbruch der Krise nicht nur Verluste aufgeholt, sondern kräftige Erträge eingefahren werden: So konnten etwa China-Aktienfonds im Durchschnitt über 36 Prozent in diesem Zeitraum erwirtschaften. Auch bei Fonds im Bereich Informationstechnologie wurden starke Zuwächse von knapp 34 Prozent innerhalb eines Jahres verzeichnet. Ebenfalls überdurchschnittlich gut gelaufen sind Biotech-, Pharma-, Rohstoff- und Edelmetallminenaktienfonds. Stärker als der Gesamtmarkt haben sich auch Schwellenländeraktienfonds mit einem durchschnittlichen Ertrag von 14,5 Prozent entwickelt.
In manchen Bereichen konnten die Verluste allerdings nicht zur Gänze aufgeholt werden: Aktienfonds mit Österreich-Schwerpunkt etwa verbuchten am Ende dieses Zeitraums noch ein Minus von durchschnittlich 3,7 Prozent. Noch deutlich schlimmer erwischte es Aktienfonds mit Schwerpunkt Großbritannien oder Mittel- und Osteuropa. Ebenfalls vom Kurseinbruch noch nicht erholen konnten sich beispielsweise Finanz-, Infrastruktur- und Energieaktienfonds.

Große Bandbreite an Ergebnissen

Der Fondsvergleich zeigt auch, dass die Bandbreite der Ergebnisse innerhalb dieser einzelnen Kategorien enorm ist: Während etwa  der global investierende Aktienfonds Echiquier World Next Leaders von Februar 2020 bis Ende Jänner 2021 einen Ertrag von knapp 90 Prozent erwirtschaften konnte, verbuchte der Smart-Invest- Equity-Protect-Fonds einen Verlust von knapp 15 Prozent. Auch in anderen Märkten liegen die Ergebnisse der Aktienfonds zum Teil meilenweit auseinander: Bei US-Aktienfonds spielt sich die Bandbreite der Ergebnisse zwischen plus 85 und minus 16,5 Prozent ab, bei Europa-Aktienfonds zwischen plus 35,5 und  minus 22,3 Prozent.

Mitunter sensationelle Ergebnisse konnten Aktienfonds erzielen, die sich auf einzelne Themen wie etwa IT/Internet oder die Energiewende fokussieren: Der BIT-Global-Internet-Leaders-30-Fonds etwa konnte im Vergleichszeitraum mehr als 206 Prozent Ertrag erwirtschaften. Der erst 2019 von der kleinen deutschen BIT Capital aufgelegte Fonds investiert laut eigenen Angaben in Unternehmen des Internet-Sektors, etwa E-Commerce-Unternehmen oder Anbieter von Unternehmenssoftware. Ein ähnlich starkes Ergebnis erzielte der BNPP-Energy-Transition-Fonds mit einem Plus von über 192 Prozent, der unter anderem in erneuerbare und Übergangsenergie, Energieeffizienz, nachhaltigen Verkehr, ökologisches Bauen und ökologische Infrastruktur investiert.

Betrachtet man hingegen längere Zeiträume – wie etwa fünf Jahre –, dann werden die Ausschläge geringer und die Ergebnisse der Aktienfonds nähern sich tendenziell dem Durchschnitt ihrer jeweiligen Vergleichsgruppe.  Das unterstreicht wieder einmal, dass man bei der Auswahl seiner Investments nicht von kurzfristigen Erfolgen oder Misserfolgen auf den längerfristigen Erfolg einzelner Aktienfonds oder Themen generell schließen sollte.

Die erfolgreichsten globalen Aktienfonds

Aufgrund seiner starken Ertragslage in den vergangenen zwei Jahren schafft es der Echiquier-World-Next-Leaders-Fonds auch im längerfristigen Fünf-Jahres-Ertragsvergleich der global investierenden Aktienfonds ganz nach oben auf das Stockerl. Doch was steckt dahinter? Der Fonds investiert laut Angaben von Fondsmanager Rolando Grandi „in die wichtigsten strukturellen Megatrends der Zukunft. Der Fonds ist derzeit etwa in rund zehn Anlagethemen investiert, darunter Lifestyle-Trends, E-Commerce, finanzielle Disruptoren, Gesundheit 2.0, Wellness, Künstliche Intelligenz und erneuerbare Energien.“

Zu den größten Positionen im Fonds zählen der US-Software-Titel Alteryx oder das australische Finanztechnologieunternehmen Afterpay. Branchengrößen wie Alphabet sucht man hingegen vergeblich. Denn im Unterschied zu den meisten Multi-Themenfonds, die breit in verschiedene Themenbereiche investieren, fokussiert sich der Fonds auf Unternehmen mit einer Börsenkapitalisierung zwischen einer und 20 Milliarden Euro: „Durch die Beschränkung auf dieses Kapitalisierungssegment schließen wir die Wirtschaftsgiganten aus, die alle bereits auf dem Radar haben. Auch kleine Unternehmen, deren Liquidität gering ist oder die sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, lassen wir außen vor.“ Zuletzt, nach Ende des Vergleichszeitraumes, musste allerdings auch dieser Fonds im Zuge der jüngsten Korrektur der IT-Werte kräftig „Federn lassen“.

Im Fokus: Wachstum und Innovation

Im längerfristigen Ertragsvergleich kamen mit dem Global Advantage Fund und dem Global Opportunity Fund gleich zwei Aktienfonds von Morgan Stanley in die Top-ränge: Beide Fonds investieren deutlich stärker in IT- und Telekomaktien als ihr Vergleichsindex. Dagegen werden die Fondsmanager bei Finanz- und Industriewerten tendenziell weniger fündig. Während sich beim Global-Opportunity-Fonds bekannte Größen wie etwa Amazon oder Mastercard unter den größten Positionen finden, investiert der Global-Advantage-Fonds auch in etliche Unternehmen, die nicht im Vergleichsindex MSCI All Country World enthalten sind, wie etwa das Online-Gaming- und E-Commerce-Unternehmen Sea Ltd. aus Singapur oder Farfetch, ein E-Commerce-Unternehmen mit Sitz in London, das Designermode von Boutiquen aus der ganzen Welt verkauft.

Neben den aktiv verwalteten Aktienfonds findet sich mit dem iShares MSCI World Momentum Factor ETF auch ein börsennotierter Indexfonds in der Bestenliste. ETFs bauen nicht auf Strategie und Geschick eines Fondsmanagements auf, sondern bilden einen vorgegebenen Aktienindex eins zu eins ab. Der abgebildete MSCI-World-Momentum-Index beinhaltet jene Unternehmen aus 23 Aktienmärkten weltweit, deren Aktienkurse in den vergangenen sechs und zwölf Monaten gestiegen sind, basierend auf der Annahme, dass sich die Anstiege fortsetzen werden.

Die besten regionalen Aktienfonds

Bei den Fonds mit Europa-Schwerpunkt konnte der Comgest Growth Europe Opportunities mit einem durchschnittlichen Ertrag von 15,0 Prozent überzeugen. Der von Franz Weis, Eva Fornadi und Denis Lepadatu verwaltete Fonds legt seinen Schwerpunkt auf Untermehmen im Bereich Informationstechnologie, Gesundheit, zyklische Konsumgüter. Gemieden werden dagegen die Themen Finanzen, Versorger, Energie und Immobilien, was dem Fonds in den vergangenen Jahren zugute kam. Zu den Toppositionen im Fonds zählen aktuell das niederländische Halbleiterunternehmen ASML oder das traditionsreiche dänische Unternehmen GN Store Nord, das 1869 die erste telegrafische Verbindung von Europa über Russland nach Ostasien geschaffen hatte und sich heute auf Hörsysteme mit Marken wie Jabra oder Hörgeräte fokussiert.

Auch bei US-Aktienfonds hatten in den vergangenen Jahren überwiegend Fonds die Nase vorn, die sich auf Wachstumsaktien konzentrieren. Bemerkenswerte Ergebnisse etwa konnte der US Growth Fund von Morgan Stanley mit einem Plus von 85 Prozent in den zwölf Monaten nach Ausbruch der Pandemie erzielen.

Fondsmanager Dennis Lynch hatte schon vor Corona auf jene Unternehmen gesetzt, die zu den Pandemie-Gewinnern zählen, wie etwa Impfstoffentwickler Moderna oder Videokonferenzanbieter Zoom. Aber auch längerfristig konnte der Fonds mit einem Plus von 32,4 Prozent p. a. überzeugen.

Wie bereits erwähnt konnten sich die Aktienmärkte in den Schwellenländern tendenziell rascher als der Gesamtmarkt erholen. Diese positive Entwicklung noch übertreffen konnten Fonds wie etwa der J.P.Morgan-Emerging-Markets-Equity-Fonds, der auch längerfristig mit einem Ertrag von rund 18 Prozent p. a. die Durchschnittsergebnisse dieser Fondskategorie deutlich übertreffen konnte. Der Fonds ist allerdings derzeit für Neukunden aufgrund eines „Soft Closings“ nicht inves­tierbar. Aber auch andere Schwellenländeraktienfonds von Blackrock oder Morgan Stanley konnten längerfristig überzeugen.

Der heimische Aktienmarkt hingegen konnte sich bekanntermaßen noch nicht ganz vom Corona-Crash erholen. Entsprechend weisen die meisten Fonds mit Schwerpunkt auf Österreich ein negatives Ergebnis für die Zeit seit dem Crash auf. Lediglich der Mozart-One-Fonds konnte davon profitieren, dass er von seiner Strategie her auch andere europäische Aktien beimischen darf. Längerfristig erzielten alle Topfonds hingegen sehr ähnliche Ergebnisse.

Rascher Themenwechsel

Während alle bisher besprochenen Aktienfonds weltweit oder in einer Region breit diversifiziert in verschiedenste Branchen inves­tieren, versuchen Themenfonds oder -ETFs nur einzelne Branchen oder Themen abzudecken. Naturgemäß ändern sich die Themen, die rückblickend die höchsten Erträge gebracht haben, ständig. Kaum eine Branche oder ein Aktienthema scheint dauerhaft überdurchschnittliche Erträge zu bringen, wie auch weiter zurückreichende Studien belegen.

Während wie beschrieben in den zwölf Monaten nach Ausbruch der Pandemie Fonds mit Schwerpunkt auf Internet oder erneuerbare Energien gefragt waren, konnten auf längere Sicht viele Fonds mit Schwerpunkt auf Minen oder Edelmetalle sowie Technologie  sehr hohe Erträge erzielen.

So konnte etwa der Global-Mining-Fonds   der schweizerischen Fondsgesellschaft Commodity Capital in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt über 48 Prozent Ertrag pro Jahr verbuchen. Der Fonds investiert in
Gold-, Silber- und sonstige Edelmetallminenunternehmen weltweit. Ebenfalls starke Ergebnisse brachte der Next-Generation-Resources-Fonds, der in Unternehmen investiert, die Rohstoffe der „nächsten Generation“ wie Lithium, Magnesium oder Graphit abbauen.

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