Die besten Investments zum Steuersparen

Auch heuer ist es ab 30.000 Euro Gewinn möglich, mit den passenden Investments seine Steuern mittels Gewinnfreibetrag zu senken. GEWINN zeigt, welche Wertpapiere sich am besten eignen.

Foto: stevanovicigor - GettyImages.com

Noch im Frühjahr, als die Steuerreform in voller Planung war, sah es ja so aus, als würden bald nur noch die wirklichen  Großverdiener unter den Selbständigen Wertpapiere für den Gewinnfreibetrag kaufen müssen. Denn die Reform dachte eine Erweiterung des sogenannten Grundfreibetrags von bisher 30.000 auf dann 100.000 Euro an. Somit wäre künftig erst ab einem Gewinn von 100.000 Euro ein Investitionserfordernis angestanden.

Doch alles beim Alten

Dann kam aber bekanntlich die „Ibiza-Affäre“ dazwischen, und in dem kürzlich im Nationalrat beschlossenen Steuerreformgesetz 2020, in dem nur einzelne Teile der angedachten Reform nun doch noch schnell beschlossen wurden, kommt die Anhebung des Grundfreibetrags mit keinem Wort vor. „Auch im Abgabenänderungsgesetz 2020 ist keine Ausdehnung des Grundfreibetrags vorgesehen“, ergänzt Steuerexperte Christoph Puchner, Geschäftsführer von Ecovis Austria.

Damit bleibt vorerst einmal alles beim Alten. Und das wäre: Jede natürliche Person mit betrieblicher Einkunftsart, egal ob es sich um einen Gewerbebetrieb, selbständige Arbeit oder eine Land- und Forstwirtschaft handelt, kommt in den Genuss des Gewinnfreibetrags. Gleichgültig ist dabei auch, ob der Gewinn mittels Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Bilanz festgestellt wird. Demnach kann ein Freibetrag von bis zu 13 Prozent vom vorläu-fig ermittelten Gewinn abgezogen ­werden.

Bis zu einer Höhe von 30.000 Euro Gewinn wird der sogenannte Grundfreibetrag vom Fiskus automatisch berücksichtigt (bei 30.000 Euro Gewinn sind das 3.900 Euro Freibetrag). Liegt der Gewinn unter 30.000 Euro, gibt es demnach aus Sicht des Steuerpflichtigen darüber hinaus keinen Handlungsbedarf. Der steuerpflichtige Gewinn wird um den 13-Prozent-Freibetrag ohne weitere Investitionen reduziert.
Sobald der Gewinn aber höher ausfällt, hat man ein Recht auf einen investitionsbedingten Gewinnfreibetrag (Details siehe Kasten unten).

Wertpapiere statt Maschinen

Glücklicherweise akzeptiert die Finanz neben Investitionen in Büroausstattung, Maschinen, Immobilien und andere körperliche Sachanlagen alternativ auch den steuermindernden Kauf von ganz bestimmten Wertpapieren.

Welche das sind, schreibt das Einkommensteuergsetz
(§ 14 Abs. 7 Z 4) vor: Generell muss der Emittent der Wertpapiere aus der Europäischen Union (EU) oder dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) stammen. Die (Rest-)Laufzeit muss mindestens vier Jahre betragen, weil man das Wertpapier für die Ausnutzung des Gewinnfreibetrags ja mindestens vier Jahre halten muss.
Folgende Wertpapierarten sind da- bei zugelassen:

 

  1. Staatsanleihen und Anleihen anderer öffentlicher Kö̈rperschaften, Pfandbriefe, Bank- und Unternehmensanleihen, Gewinnschuldverschreibungen, Wandel- und Wohnbauanleihen,
  2. Bundesschatzscheine,
  3. Garantiezertifikate mit 100 Prozent Kapitalgarantie,
  4. Investmentfonds.

Die letztgenannten Investmentfonds haben in der Praxis die grö̈ßte Relevanz, weil sie das Risiko auf viele einzelne Investments in Aktien und Anleihen streuen und damit das beste Verhä̈ltnis von Risiko zu Ertrag bieten.

Investment oder reiner Steuereffekt?

Bei der Auswahl sollte man sich zunächst folgende grundlegende Frage selbst beantworten: Will man nur den Steuervorteil ausnutzen und nach Ablauf der vier Jahre das Geld möglichst schnell und unversehrt wieder zurück? Oder ist man bereit, längerfristig und damit auch über die vier Jahre Mindesthaltedauer hinaus investiert zu bleiben, um damit mögliche Renditechancen zu nutzen?

Wer den Fokus rein auf den Steuervorteil legt, sollte Investitionen mit entsprechend kurzer Laufzeit beziehungsweise empfohlener Haltedauer und möglichst geringen Schwankungen auswählen – bei entsprechend geringem Renditepotenzial. Denn gerade an den Finanzmärkten gibt es nichts geschenkt – je höher die Ertragschancen, desto höher auch die Risken.

Die besten Investmentfonds

GEWINN hat in Kooperation mit dem heimischen Finanzdatenanbieter Mountain View die besten Fonds für den Gewinnfreibetrag nach folgenden Kriterien ausgewählt: 

In einem ersten Schritt wurden alle in Österreich zum Vertrieb an Privatanleger zugelassenen Fonds selektiert, die prinzipiell für den Gewinnfreibetrag geeignet sind. Von diesen Fonds haben wir in den jeweiligen Kategorien jene ausgewä̈hlt, die auf den Zeitraum der letzten fünf Jahre das beste Risiko-Ertrags-Verhä̈ltnis und darü̈ber hinaus in den letzten Jahren auch ü̈berdurch- schnittlich hohe Renditen im Vergleich zu ä̈hnlichen Fonds erwirtschaften konnten.

Zu den weniger riskanten Investments zählen traditionell Geldmarktfonds, die in kurzlaufende Wertpapiere investieren und typischerweise nur geringen Schwankungen unterliegen. Angesichts des Niedrigzinsumfelds waren aber in letzter Zeit auch in diesem konservativen Fondssegment – wenn auch sehr geringe – Verluste zu verzeichnen. Relativ konstant entwickelte sich hier der Iqam-ShortTherm-Geldmarktfonds der Spängler Iqam Invest aus Salzburg (Details siehe Tabelle unten).

Tipp! Offene Immobilienfonds

Besonders interessant für den Gewinnfreibetrag sind offene Immobilienfonds. Sie investieren in „echte“ Immobilien, ein Geschäft, das in der Regel konstante, wenn auch nicht berauschende Erträge bringt. Hier waren die Schwankungen im Vergleichszeitraum der letzten fünf Jahre sehr gering, während die Erträge mit durchschnittlich 2,1 bis 2,7 Prozent p. a. zumindest über der Inflation lagen.  Auch Fonds, die in Anleihen investieren, zählen tendenziell zu den konservativen Investments. Doch aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus sind hier die Kurse von bereits laufenden Anleihen stark gestiegen. Das hat diesen Fonds zum Teil für ihre Verhältnisse hohe Renditen beschert. Doch aus heutiger Sicht ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese Rekordergebnisse alsbald wiederholt werden können.

Die größten Chancen im akuellen Umfeld haben noch Anleihenfonds, die global und flexibel in verschiedene Anleihensegmente investieren und hier noch die eine oder andere Chance auf Erträge mit Anleiheninvestments „beim Schopf packen“ können. Die erfolgreichsten flexiblen Anleihenfonds finden sich in der Tabelle unten.

Mischfonds für Mutige

Wer nicht nur den Steuervorteil im Fokus hat und bereit ist, sein Geld auch fünf bis acht Jahre zu investieren, kann mit einer „Prise“ Aktien seine Ertragschancen deutlich „würzen“.
Mischfonds, die Aktien mit Anleihen in einem Produkt kombinieren, sind dazu bestens geeignet. Wobei sich für diesen Zweck eher Fonds anbieten,  bei denen der Aktienanteil gering oder ausgewogen ist. Die besten Fonds dieser Kategorien der letzten fünf Jahre sind in der Tabelle aufgelistet. Auch hier  liegen die Ertragschancen nicht bei den Anleihen, sondern bei den Aktien.  

Zertifikate und Einzelanleihen

Alternativ zu Investmentfonds sind auch einzelne Anleihen oder Zertifikate aus Sicht der Finanz zulässig.
Die Anleihen in der Tabelle oben bieten je nach Bonität Renditen zwischen 1,0 und 5,0 Prozent p. a. Je wahrscheinlicher die Rückzahlung des Kapitals am Ende der Laufzeit ist, desto geringer sind die Zinsen. Im Unterschied zu den Investmentfonds besteht hier das Risiko eines Zahlungsausfalls.

Mit den hier aufgelisteten Kapitalschutzzertifikaten ist man als Anleger an der Entwicklung eines Aktienmarktindex beteiligt. Im schlimmsten Fall, falls die Aktienkurse sinken sollten, bekommt man am Ende der Laufzeit sein Geld zurück. Auch hier gilt: Geht der Emittent pleite, fällt man als Anleger allerdings um sein Geld um.

So kommen Sie zu Ihrem Gewinnfreibetrag

Der Gewinnfreibetrag steht grundsätzlich in Höhe von 13 Prozent zu. Für Gewinne über 175.000 Euro können allerdings nicht die vollen 13 Prozent geltend gemacht werden, sondern:

 

  • sieben Prozent für Gewinne zwischen 175.000 und 350.000 Euro,
  • 4,5 Prozent zwischen 350.000 und 580.000 Euro,
  • darüber entfällt der Freibetrag.

Um jenseits der 30.000 Euro Grundfreibetrag den Gewinnfreibetrag nutzen zu können, muss man bis zum Jahresende

  • entweder in körperliche, abnutzbare Wirtschaftsgüter mit mindestens vierjähriger Nutzungsdauer investieren (z. B. Betriebs- und Geschäftsausstattung, Maschinen, IT, Gebäudeinvestitionen);
  • alternativ kann man in bestimmte Wertpapiere investieren, die eine Mindest-(Rest-)Laufzeit von vier Jahren aufweisen. Welche Wertpapiere dabei in Frage kommen, das zählt § 14 Abs. 7 Z 4 EStG auf. Die aktuell empfehlenswertes­ten finden Sie in den Tabellen!

Die Wertpapiere sind besonders für Ein-Personen-Unternehmen oder auch reine Dienstleister ein Rettungsanker, da ihr Kapital meist vor allem im Know-how ihrer ­Gründer und Mitarbeiter steckt
und nicht so sehr in Betriebs-anlagen. Sie haben häufig Prob­leme, sinnvollerweise Geld in ­größerem Ausmaß in die geforderten Wirtschaftsgüter zu stecken.

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