Europas Finanzbranche im Umbruch

Zunehmende Regulierung, anhaltendes Zinstief, Konjunkturflaute und unorthodoxe Mitbewerber machen der europäischen Finanzbranche zu schaffen. Weitere Fusionen und Streichungen von Filialen und Jobs sind zu erwarten.

Foto: Lupo / pixelio.de

Die europäischen Banken, Versicherungen und Co. wurden seit der Finanzkrise viel stärker „an die Kandare“ genommen, als man annehmen würde. Sprudelnde Gewinne sind eher rar und die durchschnittliche Profitabilität ist weit entfernt von den Zeiten vor der Krise. So lag die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der deutschen Bank laut einer Studie der Unternehmensberatung Bain in den Jahren 2011 bis 2013 gerade einmal bei 1,6 Prozent. In den „goldenen Zeiten“ waren zweistellige Renditen weit verbreitet und manche Banken erreichten zwischendurch sogar Eigenkapitalrenditen von 25 Prozent. Doch diese Zeiten sind vorerst vorbei.

In der Finanzkrise ab 2007 wurden viele Probleme und Fehlentwicklungen in der Finanzbranche offengelegt, die sich über die Jahre davor aufgebaut hatten. So wurde vielen bewusst, dass im Fall einer Bankenpleite die Auswirkungen weit mehr Menschen betreffen als nur die Eigentümer der Bank und die Sparer.

Inzwischen haben die Regulatoren und die Gesetzgebung darauf reagiert und viele Maßnahmen getroffen oder geplant, die die Stabilität von Europas Finanzbranche gewährleisten sollten. So wurde etwa das als Basel III bekannt gewordene Reformpaket für ein stabileres Finanzsystem inzwischen von der EU im Rahmen einer Novelle der Eigenkapitalrichtlinie umgesetzt. Die CRD IV genannte Version dieser Richtlinie trat 2014 in Kraft und zwingt unter anderem die Banken, mehr Eigenkapital zu halten, das im Fall einer Krise als Puffer dienen sollte.

Bankenunion und Solvency II

In der Euro-Zone wurde mit der „Bankenunion“ ein weiteres Reformpaket für eine stabilere Bankenbranche beschlossen und zum Teil schon umgesetzt. Die Maßnahmen der Bankenunionen beruhen auf drei Säulen: auf einer strengeren Bankenaufsicht, wonach etwa 120 der insgesamt rund 6.000 Banken in der Euro-Zone jetzt direkt von der EZB kontrolliert werden.

Dazu kommt noch die vereinheitlichte Einlagensicherung, wonach für alle Anleger in der EU Ersparnisse und Investitionen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro gesichert sind – eine Regelung, die in Österreich schon lange besteht. Und zu guter Letzt soll ein einheitlicher Abwicklungsmechanismus den Staaten die Sanierung und Abwicklung von in Schieflage geratenen Banken ermöglichen. Auch in der Versicherungsbranche soll mit einem „Solvency II“ genannten Reformpaket die Eigenmittelausstattung der Versicherungsunternehmen verbessert werden.

Kosteneinsparungen als Folge

All diese Maßnahmen sind mit erhöhtem Aufwand sowie Kosten für die Finanzunternehmen verbunden. Dazu kommt noch, dass sich aufgrund der bisher schwachen konjunkturellen Entwicklung auch das Bank- und Versicherungsgeschäft eher mau entwickelt. Und die niedrigen Zinsen in der Euro-Zone lassen die Margen der Banken und Versicherungen schmelzen wie Butter in der Sonne. In Summe sieht es auf der Einnahmenseite derzeit sehr düster aus.

Die Unternehmen reagieren auf das flaue Geschäft und die steigenden Kosten der Anti-Krisen-Prophylaxe mit massiven Einsparungen. So haben etwa allein Europas Banken laut einer Studie von AT- Kearney von 2007 bis 2014 rund 250.000 Jobs gestrichen und mehr als 4.500 Filialen geschlossen.

Doch das ist erst der Anfang. Eine weitere Konsolidierung ist zu erwarten, vor allem auch deshalb, weil durch die Digitalisierung der Finanzdienstleistungen viele traditionelle Geschäftsmodelle und Services an Bedeutung verlieren und mit IT- und Internetfirmen wie Paypal, Apple, facebook und Google sowie interessanten Start-ups plötzlich neue Mitbewerber auftauchen. Außerdem werden alternative Finanzierungsformen wie etwa Crowd-Funding immer beliebter und inzwischen auch von der Politik unterstützt und aus der „halblegalen“ Ecke geführt. Das erhöht zusätzlich den Druck auf die traditionellen Anbieter von Finanzdienstleistungen. 

 

Den gesamten Artikel lesen Sie im GEWINN extra 5e/2015.

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