Exklusives Ranking von BCG: Die 50 besten Aktien

GEWINN präsentiert jene Unternehmen, die in den vergangenen fünf Jahren die höchsten Erträge brachten, und zeigt auf, bei welchen Aktien weiterhin großes Potenzial besteht.

(Foto: marigold_88 - GettyImages.com)

Als wir vor einem Jahr die Ergebnisse der globalen Studie „BCG Value Creators 2020“ exklusiv für Österreich in der Juni-Ausgabe des GEWINN präsentierten, hatten die meisten Aktienmärkte weltweit bereits einen großen Teil der Verluste aus dem „Corona-Crash“ wieder aufgeholt. Optimistische Marktteilnehmer hatten damals gehofft, innerhalb eines Jahres die Verluste zur Gänze wieder wettzumachen. Doch es kam noch viel besser, als es sich sogar die größten Optimisten im Traum erwarten hätten können: Die meisten Börsen konnten nicht nur die Niveaus aus der Zeit vor Ausbruch der Pandemie wieder erreichen, sondern diese in den folgenden Monaten sogar noch weit übertreffen. So liegt aktuell der Weltaktienindex MSCI World bei 2.900 Punkten und damit um 20 Prozent über dem Höchststand vor der Krise.

Die besten Bluechip-Aktien

Dem überraschend starken Anstieg der Aktienmärkte entsprechend sind auch die Erträge der „50 besten Aktien“ aus dem diesjährigen BCG Value Creators Ranking 2021 nicht nur gleich hoch, sondern sogar wesentlich besser als in der Studie des Vorjahres: So brachten jene 50 Bluechip-Aktien mit dem höchsten Gesamtertrag trotz Corona-Krise im Untersuchungszeitraum von Anfang 2016 bis Ende 2020 im Durchschnitt über 41 Prozent pro Jahr (siehe Tabelle auf Seite 35). Im Vergleich dazu verblassen die Erträge der Top-50-Aktien des Vorjahres mit durchschnittlich 28 Prozent Ertrag förmlich – obwohl das auch schon sehr erfreuliche Zuwächse waren.

Auch in der diesjährigen Ausgabe der Studie, die vom Beratungsunternehmen BCG seit über 20 Jahren jährlich durchgeführt wird, wurden die Top-50-Aktien aus den 200 (nach Marktkapitalisierung) größten Unternehmen weltweit ermittelt. Darüber hinaus wurde auch eine separate Branchenauswertung erstellt, in der die jeweiligen Top-10-Werte aus 33 verschiedenen Industrien präsentiert werden – darunter auch die Verbund AG als einzige österreichische Aktie. Exklusiv für GEWINN hat BCG ergänzend eine eigene Österreich-Analyse durchgeführt.

Keine große Überraschung: Technologieaktien führend

Weniger überraschend als die Höhe der Erträge ist die Zusammensetzung der Top-50-Bluechip-Aktien: 19 der 50 ertragreichsten Unternehmen stammen aus der Technologiebranche. Und mit Advanced Micro Devices (kurz AMD) hat es auch ein Tech-Unternehmen auf den zweiten Platz im Ranking geschafft. Der Hersteller von Computer- und Grafikchips brachte Anlegern im Zeitraum von 2016 bis 2020 im Durchschnitt 99,9 Prozent Ertrag pro Jahr (siehe Grafik unten). Auch wenn das kalifornische Unternehmen seit dem Jahreswechsel einen Teil seiner Kurszugewinne wieder eingebüßt hat, ist die langfristige Entwicklung der Aktie sensationell. Auch in Zukunft trauen Analysten der AMD-Aktie weiteres Potenzial zu und geben im Durchschnitt ein Kursziel von rund 100 US-Dollar an.

Zu den weiteren hochrentablen Technologiewerten zählte Nvidia. Doch im Unterschied zu den vergangenen Jahren hat es der Spezialist für Grafikkarten dieses Mal nicht ganz nach oben aufs Stockerl geschafft: Mit einem durchschnittlichen Gesamtertrag von 74,5 Prozent pro Jahr konnte man als Anleger rückblickend aber dennoch recht zufrieden sein. Unter den profitablen Tech-Aktien finden sich auch weitere bekannte Namen wie Apple, Microsoft und Samsung.

Shopify – Nummer eins

Die Nummer eins im Ranking kommt dieses Mal nicht aus der Technologie-Ecke, zumindest nicht so eindeutig wie Nvidia oder AMD: Shopify bietet schlüsselfertige Lösungen für Händler an, die einen Online-Shop betreiben wollen. Das Unternehmen mit Sitz in Kanada wurde 2004 vom deutschen Auswanderer Tobias Lücke mit Freunden gegründet und ging 2015 an die Börse. Die Shopify-Aktie brachte im Untersuchungszeitraum einen sensationellen Durchschnittsertrag von 113 Prozent pro Jahr. Auch hier sehen Analysten nach der Abkühlung seit Jahresbeginn mittelfristig weiteres Kurspotenzial.

„Die aktuelle Studie zeigt eindrucksvoll, dass Trends, die man schon vor der Pandemie erleben konnte, im vergangenen Jahr sogar noch einmal beschleunigt wurden. Gerade der Trend hin zur Digitalisierung wurde in dieser Zeit enorm verstärkt“, erklärt Alexander Roos, Senior Partner bei BCG und Studienautor, die Hintergründe.

Technologieaktien zählen damit zu jenen Bereichen, die vor und in der Krise überdurchschnittlich hohe Erträge gebracht haben, neben Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energie und mittelgroßen Pharma-Firmen.
Ein anderer Trend hat sich im vergangenen Jahr laut Roos hingegen wieder umgekehrt: „In den Jahren vor der Pandemie konnten wir beobachten, dass viele europäische und asiatische Unternehmen in die Liga der Topperformer vorgerückt sind. Doch im vergangenen Jahr ist der Anteil der US-Unternehmen wieder deutlich gestiegen.“ So stammen im aktuellen Top-50-Ranking 41 Prozent der Unternehmen aus den USA, im Vergleich zu 29 Prozent in der Vorjahresstudie.

Gewinner und Verlierer

Abgesehen von der außergewöhnlichen Höhe der Erträge ist auch die Verteilung von Gewinnern und Verlierern bemerkenswert. Selbst in jenen Sektoren, die unter der Covid-Pandemie und ihren Folgen am stärksten gelitten haben, wie etwa Tourismus- und Reiseanbieter, Ölkonzerne und Autozulieferer, finden sich Unternehmen, die überdurchschnittliche Erträge gebracht haben.

„Das ist eine Beobachtung, die wir schon seit 20 Jahren machen.Es gibt eigentlich aus Anlegersicht keine richtige oder falsche Branche. Man kann laut unseren Ergebnissen in jeder Branche Geld verdienen, aber auch Geld verlieren. Selbst in sogenannten schwierigen Branchen finden sich immer Unternehmen, die relativ gesehen besser aufgestellt sind“, analysiert Roos.

Verbund: Beste heimische Aktie

Im Top-50-Ranking sind die heimischen Werte schon aufgrund der zu geringen Marktkapitalisierung nicht vertreten. Aber selbst im erweiterten Kreis jener 2.410 Unternehmen aus 33 Branchen, die näher untersucht wurden, finden sich nur vier Austro-Aktien mit überdurchschnittlichen Ergebnissen: Allen voran konnte die Verbund-Aktie auf Sicht der vergangenen fünf Jahre mit einem Durchschnittsertrag von 45 Prozent überzeugen. Der heimische Energiekonzern konnte mit seinem hohen Anteil „grüner“ Stromproduktion punkten und schaffte es in der Branchenauswertung sogar auf Rang zwei bei Energie- und Gas-Unternehmen bzw. auf Rang 102 der Gesamtliste. Ebenso mit überdurchschnittlichen Ergebnissen aufgefallen sind der Motorrad- und E-Bike-Hersteller Pierer Mobility, ehemals KTM Indus tries (ø 13% p. a.), der Baustoffkonzern Wienerberger (ø 11% p. a.) und der Papierverpackungsspezialist Mayr-Melnhof (ø 10% p. a.).

Wo Analysten Potenzial sehen

Jetzt stellt sich noch die Frage, bei welchen der Top-50-Unternehmen der vergangenen fünf Jahre auch mittel- bis langfristig weiterhin hohes Ertragspotenzial besteht: Ganz hoch im Kurs bei Analysten steht etwa BYD, der Spezialist für E-Busse und -Autos aus China. Die Aktie hat seit dem Jahreswechsel einiges eingebüßt und ist damit güns tiger geworden. 19 von 23 Analysten empfehlen aktuell BYD zu kaufen oder aufzustocken. Mit Tencent (WeChat) und Midea (Elektrohaushaltsgeräte) stehen noch zwei weitere chinesische Aktien in der Gunst der Analysten.

Unter den Empfehlungen finden sich auch Samsung Electronics (Elektronik) und SK Hynix (Computerspeicher) aus Südkorea sowie der weltweit drittgrößte Halbleiterhersteller TSMC.

Abseits von Asien sehen Analysten vor allem bei Topaktien aus den USA weiterhin Potenzial: Überwiegend Kaufempfehlungen gibt es etwa für Micron Technology (Computerspeicher), Service Now (Unternehmenssoftware), Amazon (Online-Handel) und Paypal (Zahlungsdienstleister).

So hat BCG die ertragreichsten Aktien der vergangenen fünf Jahre ermittelt

Ausgehend von rund 60.000 börsen notierten Unternehmen weltweit haben Experten von BCG jene Aktien ermittelt, die über den Zeitraum von 2016 bis 2020 Anlegern den höchsten durchschnittlichen Gesamtertrag, bestehend aus Kursgewinnen und Ausschüttungen, gebracht haben.

Die Gruppe jener 200 Unternehmen mit der weltweit höchsten Börsenkapitalisierung wurde dabei extra ausgewertet (siehe Tabelle rechts). Zusätzlich haben die BCG-Experten jene Erfolgsfaktoren, auf die der Gesamtertrag in dieser Periode zurückzuführen ist, aufgeschlüsselt:

  • Umsatzwachstum: Teil des Gesamtertrages, der auf eine Steigerung der Umsätze zurückzuführen ist.
  • Steigerung der Marge: Können die Unternehmen einen größeren Teil der Umsätze für sich erwirtschaften, steigert das die Marge und damit den Gesamtertrag. Als Basis für die Berechnung dient der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda).
  • Höhere Börsenbewertung: Zur Berechnung, wie hoch die Aktien an der Börse bewertet sind, wird der Wert des Unternehmens (Wert aller Aktien und Schulden) in Relation zum operativen Ergebnis (Ebitda) gesetzt. Das zeigt an, ob die Aktionäre dem Unternehmen einen Vertrauensvorschuss geben, den das Unternehmen in Zukunft durch steigenden Gewinn rechtfertigen muss. Andernfalls droht (mittel- bis langfris tig) ein Kursrückgang.
  • Dividendenrendite: Ausschüttungen an die Aktionäre steigern den Gesamtertrag.
  • Änderung der Aktienzahl: Werden zusätzliche Aktien ausgegeben, mindert das den Ertrag der „alten“ Aktien. Ein Aktienrückkauf steigert den Ertrag.
  • Schuldenabbau: Wenn Unternehmen Erträge nutzen, um die Schuldenlast zu reduzieren, steigert das den Gesamtertrag für Aktionäre ebenso.
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