Günstig auftanken auf dem Ölmarkt

Die sinkenden Preise haben zu drastischen Sparmaßnahmen und einer notwendigen Konsolidierung in der Branche geführt. Ein Investment könnte sich wieder lohnen.

Die Nachfrage nach Öl hat sich zwar erhöht, das Angebot aber umso mehr. Das könnte den Preis, so die Skeptiker, länger niedrig halten (Foto: OMV AG, Lois Hammerhuber)

Noch im Mai hatte es danach ausgesehen, als ob der Ölpreis wieder „Gas“ geben dürfte. Nach dem Absturz im Sommer 2014 von einem Hoch der Nordseemarke Brent von 115 Dollar auf ein Tief von 48 Dollar zog der Preis im Frühjahr 2015 zwischenzeitlich an. Doch die Euphorie war sichtlich verfrüht. 

Allein das Iran-Abkommen von vergangenem Juni drückte auf den Ölpreis. RBI-Ölanalyst Hannes Loacker: „Bis Mitte Dezember bleiben die Sanktionen gegen das Land noch aufrecht. Hält sich der Iran aber an das Atomabkommen, wird das Land zusätzliches Öl auf den Weltmarkt bringen.“ Derzeit exportiert der Iran rund eine Million Fässer pro Tag. In einem ersten Schritt könnten weitere 500.000 Fässer hinzukommen, wobei es derzeit ein Überangebot von rund zwei Millionen Fässern pro Tag auf dem Weltmarkt gibt. Zuletzt lastete auch „die allgemeine Markt­korrektur auf den Ölpreis“, fügt Bernhard Wenger von ETF Securities hinzu.

Verbrauch auf hohem Niveau

Trotz allem verbraucht die Welt insgesamt mehr Öl denn je. Allein heuer dürfte laut Internationaler Energiebehörde der globale Ölverbrauch bei rund 93 Millionen Fässern pro Tag liegen. Vor zehn Jahren lag er bei gut 84 Millionen Fass. 

Auch die Sorge um Chinas Wachstumsknick und einen befürchteten Einbruch beim Ölverbrauch scheint verfrüht zu sein. Loacker: „Noch ist an den aktuellen Verbrauchszahlen kein Rückgang zu erkennen. Der tiefe Preis  verlockt zu einem höheren Verbrauch.“ Immerhin verbraucht das Reich der Mitte rund elf Prozent des globalen Ölangebots. 

Konsolidierung in den USA

Sehr wohl zu Veränderungen kommt es auf der Angebotsseite. Denn vergangenen Herbst hatte Saudi-Arabien erstmals beschlossen, die Ölförderung nicht zu drosseln. Weil sie das Geld brauchen. Man nahm aber auch einen heftigen Kursrutsch in Kauf, um der Flut an US-Schieferöl zu kontern. Letztere Produktion ist weit teurer, Marktexperten schätzen die durchschnittlichen Förderkosten auf rund 60 Dollar je Fass.

Doch die US-Unternehmen schauen nicht einfach tatenlos zu. Loacker: „Viele Schieferölproduzenten haben unrentable Förderungen eingestellt, Aufträge bei den Ölausrüstern zurückgeschraubt und die Effizienz pro Ölfeld gesteigert.“ Auch die großen Multis stoppten zahlreiche Projekte. „Zudem federte das Raffineriegeschäft die Auswirkungen des Ölpreisrückgangs ab“, so der RBI-Experte, der auch gleich eine Preisprognose abgibt: „Im kommenden Jahr dürfte die Brent-Notierung auf über 60 Dollar, im Folgejahr auf gut 70 Dollar steigen.“ Allmählich dürfte ein sinkendes Angebot schließlich zu steigenden Preisen führen.

Unterschiedliche Investmentchancen

Anleger, die sich schon jetzt bei Branchenunternehmen engagieren wollen, „sollten sich an die großen Ölmultis halten. Hier winken zudem lukrative Dividendenrenditen“, rät Loacker. Mit einem Fonds überlässt man die Einzelwahl den Profis. Mittels Zertifikate können Anleger direkt auf den Ölpreis setzen (Achtung, Emittentenrisiko!). Dabei wird auf die künftige Entwicklung von Derivaten gesetzt. Diese müssen laufend verlängert werden und berücksichtigen auch Lager- und Lieferkosten. Das kann an der Performance nagen. Skeptiker werfen ein, dass es sich erst zeigen muss, ob das Überangebot auf dem Markt der aktuellen Nachfrage auch tatsächlich rasch genug angepasst werden kann.

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