Home Bias: Zu Hause investiert es sich am liebsten

Zu Hause ist es am schönsten, heißt das geflügelte Wort. Auch wenn das nicht immer stimmt. Das gilt auch für die Finanzmärkte, wie der Home-Bias-Effekt zeigt: Dieser beschreibt die Tendenz von Anlegern, ihre Anlagen bevorzugt in ihrem Heimatland zu tätigen.

Österreichs Anleger investierten rund 39 Prozent in heimische Aktien – bei einem Anteil auf dem Welt­aktienmarkt von nur 0,17 Prozent (Foto: filipefrazao - GettyImages.com)

Im Jahr 2014 steckten US-amerikanische Investoren 79,1 Prozent in ihren heimischen Aktienmarkt, während der Anteil der US-Aktien auf dem Weltaktienmarkt „nur“ 50,9 Prozent betrug. Für österreichische Investoren zeigt eine Studie aus dem Jahr 2003, dass sie rund 39 Prozent in heimische Aktien inves­tierten – bei einem Anteil auf dem Weltaktienmarkt von nur 0,17 Prozent.

Das ist insofern problematisch, da Bruno Solnik schon im Jahr 1974 mit seinem International-Capital-Asset-Pricing-Modell (ICAPM) zeigte, dass optimalerweise das Aktienportfolio jedes Anlegers gleich wie der Weltaktienmarkt strukturiert sein sollte. Der Anteil, den ein Investor in den heimischen Aktienmarkt investiert, sollte also dem Gewicht der heimischen Aktien auf dem Weltaktienmarkt entsprechen. Solnik ließ zwar Marktfriktionen außer Acht, seine Regel ist aber dennoch ein guter Referenzmaßstab, um den Home Bias zu verdeutlichen.

Gängige Argumente, man würde auf fremden Aktienmärkten zu hohe Gebühren zahlen oder Veranlagungen an ausländischen Märkten seien zu kompliziert, sind nicht mehr haltbar: Mit der zunehmenden Globalisierung wurden auch die Kapitalmärkte integriert, Transaktionskosten bei internationalen Veranlagungen wurden deutlich reduziert.

Vertraut und übersichtlich

Die Gründe für den Home Bias sind: Man mag keine unsicheren, komplexen Situationen und tendiert dazu, dort zu investieren, wo man die Lage und das Risiko vermeintlich einschätzen kann. Der Heimatmarkt erzeugt mehr Vertrautheit, man kennt die Unternehmen, die Sprache und die Kultur. Ausländische Finanzmärkte werden eher als komplex, undurchsichtig und unsicher wahrgenommen. Laut Studien sind Menschen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Heimatmarktes auch optimistischer als bei ausländischen Märkten.

Tipps

Wie schon Bruno Solniks Modell zeigt, ist eine globale Streuung der Veranlagungen unbedingt anzuraten. Die Kapitalmärkte in den verschiedenen Ländern entwickeln sich nicht in völligem Gleichklang. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Wer international diversifiziert, erzielt (bei gleichem Risiko) eine höhere Rendite. Durch internationale Diversifizierung kann man also die verdiente Risikoprämie pro Einheit Risiko (Sharpe-­Ratio) signifikant steigern.

Machen Sie sich bewusst, wie viel Sie zu Hause und wie viel Sie international investieren. Orientieren Sie sich durchaus an Solniks Modell: Wenn der Anteil der österreichischen Aktien auf dem Weltaktienmarkt 0,2 Prozent ausmacht, sollten Sie auch nur etwa 0,2 Prozent Ihres Aktienportfolios in österreichische Aktien investieren und den Rest international streuen.

Dabei können Sie z. B. Solniks Modell heranziehen und die Länder gemäß dem Anteil an der Weltmarktkapitalisierung gewichten. In der Praxis stellt sich dies für Privatanleger relativ schwierig dar. Auf Österreich würde etwa bei einem 100.000-Euro-Portfolio gerade einmal ein Volumen von 200 Euro entfallen.

Einfach streuen mit ETFs

Eine derartige internationale Streuung mit einer Marktkapitalisierungsgewichtung kann jedoch sehr einfach durch ein Investment in Aktienfonds oder -ETFs bewerkstelligt werden, die das Geld weltweit verteilt investieren. So gibt es z. B. internationale ETFs, die den MSCI-All-Country-World-IMI-Index, einen Index aus über 8.800 Unternehmen weltweit, oder den MSCI-All-Country-World-Index nachbilden.
Andere Möglichkeiten stellen ETFs, die den MSCI-World-Index duplizieren, dar. Im Gegensatz zu den zuvor genannten Indizes hat dieser Index den Nachteil, dass er keine Aktien aus Schwellenländern enthält.
Abweichend vom Solnik-Modell können Sie auch international diversifizieren, indem Sie verschiedene Länderfonds gemäß dem Anteil des jeweiligen Bruttoinlandsproduktes am Welt-BIP gewichten.

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