Investment ahoi!

Vom Schlauchboot bis zur Luxusyacht – GEWINN verrät, was sich als schwimmende Kapitalanlage eignet.

Virna Lisi, Frank Sinatra und Tony Curtis zählen zu den Vorbesitzern der Nordic Star, die YachtBid.com mit De Valk Yacht Brokers and BVA Auctions diesen Mai versteigerte. Mehr als 500 Bieter aus 27 Ländern wetteiferten um die 37,2 Meter lange CRN-Yacht, das Höchstgebot lag bei 1,5 Millionen Dollar. (Foto: YachtBid.com)

„Ich hab ein knallrotes Gummiboot“, trällerte Wencke Myhre anno 1970 und machte damit dem sprichwörtlichen kleinen Mann Lust darauf, auch außerhalb seiner Badewanne Kapitän zu spielen. Tatsächlich finden hydrophile Zeitgenossen zwischen dem Schlauchboot am unteren Ende der Preisskala und der Luxusyacht am oberen für jeden Geschmack und jedes Budget das passende Schwimmgefährt – und gerade jetzt boomt der Markt stärker denn je.

„Nach den Krisenjahren von 2008 bis 2015, als der Bootsmarkt sehr schlecht aussah, nicht zuletzt durch eine Überalterung in der Kundenstruktur, hat sich die Situation seither wieder deutlich verbessert“, berichtet Wim Schimmel, Eigentümer der niederländischen Online-Auktionsplattformen YachtBid.com und SchipVeiling.nl, die auf Luxusyachten ab 50.000 Euro aufwärts spezialisiert sind.

„Die Corona-Krise hat den Markt auf den Kopf gestellt: Gab es anfangs noch einen Nachfrageknick, wohl auch wegen der vielen Restriktionen, sehen wir jetzt jede Menge neuer, junger Bootseigentümer.“ Das führt laut Schimmel dazu, dass „in unserem niederländischen Heimatmarkt kaum noch Secondhand-Schiffe zum Verkauf stehen“. Auch neue Yachten seien schwierig zu bekommen, „die Lieferzeiten werden von Monat zu Monat länger“. Sieht man von der Frage der Verfügbarkeit einmal ab, ortet Schimmel bei den Kundenwünschen bevorzugt „moderne, sportliche Boote mit geringem Wartungsaufwand oder Yachten für Langzeittrips sowie solche, auf denen man wohnen kann“.

Apropos Wartung: Jenseits des Gummiboots gilt es bei der Anschaffung zu bedenken, dass damit beträchtliche Betriebskosten – neben der Instandhaltung auch Versicherung, Betriebsstoffe, Reparaturen, Liegeplatzgebühren, Taxen und eventuelle Crew-Gehälter – einhergehen.

„Zwar spielt auch die Art und Größe der Yacht eine Rolle, aber die Faustregel ist, dass die jährlichen laufenden Kosten zehn bis 15 Prozent des Wertes des Schiffes ausmachen“, kalkuliert Schimmel. „Das unterschätzen neue Eigner nicht selten, und deshalb verkaufen wir viele Yachten ein zweites Mal.“

Viva la Riva

Während XXL-Yachten gemeinhin mit (Neu-)Reichen assoziiert werden, träumen Connaisseure vom wahren Luxus-Motorboot schlechthin: der legendären Riva. Nur rund 4.300 der hölzernen Klassiker wurden insgesamt erzeugt, beginnend 1946 mit dem ersten Model Corsaro bis zur allerletzten Aquarama Special 1996. Man schätzt, dass ungefähr 3.000 dieser Boote heute noch existieren. „Sie sind also extrem selten“, betont Peter Wallman, Londoner Händler für klassische Sportwagen und Riva-Boote. „Nur zum Vergleich: Ferrari hat allein vom 246 GT/GTS Dino mehr als 3.500 Exemplare gebaut.“

Wegen ihrer Rarität dümpelte der Markt für Riva-Boote lange unterentwickelt vor sich hin, „doch das beginnt sich jetzt zu ändern“, so Wallman. Dass bis heute die überwiegende Mehrzahl der Rivas von spezialisierten Familienbetrieben am Ufer italienischer Seen oder an der Riviera gepflegt, gewartet und restauriert wird, mag viele Interessenten abgeschreckt haben. „Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass der Besitz einer Riva weder komplexer noch teurer ist als der anderer exklusiver Boote“, versichert Wallman.

Zurück zum Ferrari-Vergleich. In der Ära, als Jet-Set-Größen wie Gunter Sachs, Stars wie Brigitte Bardot oder gekrönte Häupter wie der Schah von Persien mit Rivas übers Wasser flitzten, kosteten die Holzboote mehr als die teuersten Autos. „1962 musste man für eine neue Super Tritone 11,5 Millionen Lire hinlegen, während ein Ferrari GT California Spider mit rund sechs Millionen Lire nur halb so teuer war“, schildert Wallman. „Heute hingegen kosten die 106 California Spiders zehn Millionen Dollar aufwärts, während selbst die teuerste Riva Tritone kaum mehr als eine halbe Million bringt, eine Aquarama Special rund eine Million Dollar.“

Doch kein Grund zur Verzweiflung: Selbst in der exklusiven Riva-Familie gibt es einmotorige Einstiegs- modelle wie Floridas, Juniors oder Olympics, die nur bis zu 110.000 Euro kosten.

Hausboote als Kapitalanlage

„Die Nachfrage nach Hausbooten ist so hoch wie nie zuvor“, beobachtet Peter Purrmann von unicBoathome. Das deutsche Unternehmen hat sich auf hochwertige Hausboote spezialisiert, die sich als Investition amortisieren sollen. „Unsere Projekte sind auf globale oder private Investments ausgerichtet“, so Purrmann.

Soll heißen, entweder gibt es einen Generalinvestor für ein ganzes Hausbootdorf samt Restaurantboot, oder Privatanleger kaufen ein Hausboot, das ihnen sechs Wochen pro Jahr zur Eigennutzung zur Verfügung steht. Den Rest der Zeit kümmert sich ein Betreiber vor Ort um Vermietung, Wartung und Pflege. Dieses Modell soll, so die Kalkulation, eine jährliche Rendite zwischen fünf und neun Prozent bringen.

www.unicboathome.com

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