„Kursgewinne und sonstige Erträge sind steuerpflichtig!“

Für alle, die sich bisher wenig um die Besteuerung ihrer Krypto-Assets geschert haben, könnte es bald heikel werden. Warum, erklärt Krypto-Experte Florian Wimmer, Gründer und CEO vom Linzer Start-up Blockpit.

(Foto: Blockpit/Georg Schmidinger)

Florian Wimmer ist viel beschäftigt. Kein Wunder, gibt es doch immer mehr Anleger und Trader, die auf Krypto-Assets setzen. Ihnen will Blockpit dabei helfen, eventuelle Gewinne möglichst einfach und richtig zu versteuern – keine leichte Aufgabe.

TOP-GEWINN: Sind Erträge von Krypto-Investments in Österreich steuerpflichtig?

WIMMER: Ja, sowohl Kursgewinne als auch sonstige Erträge sind steuerpflichtig. Von der Finanz werden Bitcoin, Ethereum und andere Krypto-Assets als unkörperliches Wirtschaftsgut gesehen. Wenn man Wertsteigerungen als Privatanleger realisiert, indem man etwa Bitcoins, die im Kurs gestiegen sind, mit Gewinn verkauft, so fällt das in die Kategorie Spekulationseinkünfte. Erfolgen die Anschaffung und die Veräußerung innerhalb eines Jahres, so sind die Gewinne in der Einkommensteuerklärung anzuführen und mit dem jeweiligen Steuersatz zu versteuern. Hält man die Krypto-Assets hingegen länger als ein Jahr, sind die Gewinne steuerfrei.

TOP-GEWINN: Gilt das auch für den Tausch etwa von Bitcoin in Ether?

WIMMER: Ja, wenn der Tausch innerhalb der Jahresfrist getätigt wird, liegt ein steuerpflichtiges Spekulationsgeschäft vor. Das gilt übrigens auch, wenn man mit Bitcoin Waren oder Dienstleistungen bezahlt. Im Gegensatz dazu löst der Transfer von Krypto-Assets zwischen Wallets, die einem selbst gehören, keine steuerlichen Folgen aus.

TOP-GEWINN: Viele Krypto-Fans wiegen sich aber in Sicherheit vor den Steuerbehörden, weil sie Bitcoin mit „anonym“ gleichsetzen. Kann man damit die Steuerlast nicht einfach ignorieren?

WIMMER: Nein, Bitcoin und andere Blockchains sind „pseudonym“. Das bedeutet, alle Transaktionen in der Bitcoin-Blockchain sind offen und transparent einsehbar, auch wenn dort keine Namen dabei stehen. Nur sobald jemand die Coins über eine Plattform oder Börse verkaufen will, muss er seine Identität preisgeben. Und dann kann man alle seine bisherigen Transaktionen zurückverfolgen.

TOP-GEWINN: Derzeit sorgt ja die neue EU-Richtlinie „DAC-8“ für einiges Aufsehen in der Krypto-Community. Warum ist diese Richtlinie von so großer Bedeutung?

WIMMER: Durch diese achte Version der EU-Amtshilferichtlinie sollen auch jene Finanzdienstleister, die Krypto-Assets handeln, zum Informationsaustausch mit den Behörden gezwungen werden. Das bedeutet, sie müssen personenbezogene Daten automatisch an die Behörden übermitteln. Die Details der Regelung, wie tief dieser Informationsaustausch gehen soll, sind dabei noch offen. Auch in den USA gibt es eine ähnliche Initiative.

TOP-GEWINN: Was kann das in der Praxis für einzelne Anleger oder Trader bedeuten?

WIMMER: Die Behörden wären damit in der Lage zu berechnen, ob man und in welcher Höhe man Gewinne bei einer Krypto-Handelsplattform realisiert hat. Wenn man diese Gewinne nicht in einer Einkommensteuererklärung angegeben hat, wird es wahrscheinlich mal ein Warnschreiben von der Finanz geben, das zu einer Offenlegung und Nachzahlung auffordert. Sollte man darauf nicht reagieren, läuft man Gefahr, in den Bereich von Steuerhinterziehung mit Vorsatz zu fallen. In diesem Fall drohen dann sogar Haftstrafen.

TOP-GEWINN: Wäre das auch rückwirkend, Jahre später, möglich?

WIMMER: Ja, alle Transaktionen in den Blockchains von Bitcoin und Co. sind ja von Tag eins an gespeichert und rückverfolgbar.

TOP-GEWINN: Um welches Steueraufkommen geht es dabei in Österreich?

WIMMER: Laut einer Hochrechnung, die wir in Zusammenarbeit mit der Frankfurt School of Blockchain Center und der Dr. Andres Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erstellt haben, werden in Österreich für das Steuerjahr 2020 rund 375 Millionen Euro an Steuern auf Krypto-Assets fällig. Das erklärt auch, warum die Behörden in den nächsten Jahren Steuerhinterzieher in diesem Bereich verstärkt verfolgen werden.

TOP-GEWINN: Welchen Service bietet Blockpit jetzt Anlegern und Tradern, die in Krypto-Anlagen investiert sind?

WIMMER: Unsere Software soll die Steuererklärung für die Krypto-Anleger und -Trader bei maximaler Rechtssicherheit möglichst einfach gestalten. Es reicht die Angabe, aus welchem Land man kommt, ob man ein Privatanleger oder eine Körperschaft ist. Nutzer geben uns den Zugang zu den Transaktionsdaten zum Beispiel über API-Schnittstellen frei, den Rest übernehmen dann wir. Wir stellen den Anlegern eine umfangreiche, tagesaktuelle Dokumentation zur Verfügung und zeigen auch, wo man welche Kennzahl etwa bei Finanzonline eintragen muss.

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