Kursschock nach Skandal

Seit dem Jahr 2000 häufen sich die Skandale bei großen Unternehmen, die meistens in herben Kursverlusten enden. GEWINN mit einer Zeitreise durch historische Kurseinbrüche.

Der aktuelle Skandal rund um gefälschte Abgaswerte beim VW-Konzern zeigt wieder einmal auf, wie sehr fehlgeleitete oder schlampige Unternehmensführung – vor allem für Anleger – ins Geld gehen kann. Und es wird immer schlimmer, denn im Zeitalter der großen Enthüllungen und Aufdeckungsberichte wird das Konsumverhalten zunehmend sozial-ökologisch orientiert. Somit haben Umweltskandale oder aufgedeckte soziale Missstände langfristig negative Auswirkungen auf Produktabsatz und letztendlich auch auf die Ergebnisse. 

Noch krasser sind aber die Folgen von plötzlich bekannt werdenden Umwelt- und/oder Betrugsskandalen. Aktionäre werden hier über die Börsenkursentwicklung unmittelbar zur Mitverantwortung gezogen. Deshalb ist es fahrlässig, Faktoren wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (kurz „ESG“ für „Environment, Social, Governance“) in den eigenen Anlageentscheidungsprozess nicht einzubeziehen. 

Die Hitparade der Skandale nach 2000

Was passieren kann, wenn man sich nur auf offizielle Bilanzzahlen versteift und den Rest ignoriert, zeigt die folgende Hitparade der Börsenskandale und Katastrophen. Im Anschluss an die „Top Ten Unternehmensskandale“ beschreibt GEWINN anhand praktischer Tipps, wie man genau solche Pleiten und Pannen bestmöglich umgehen kann. 

1. Lehman Brothers – Höhepunkt der Finanzkrise 2008

Das Gutachten von Staranwalt Anton Valukas zeigte, dass die Investmentbank zu den Bilanzterminen die Cash-Reserven um bis zu 50 Milliarden Dollar aufbesserte, indem sie die nur für wenige Stunden abgegebenen Vermögenswerte nicht als Fremdfinanzierung, sondern als Verkauf verbuchte. Am 15. September 2008 folgte die Insolvenz: Bilanzsumme 639 Milliarden Dollar! Folge: faktisch Totalverlust für Aktionäre.

2. WorldCom – Bilanzskandal 2002

Nach dem Rücktritt des langjährigen Firmenchefs Bernard J. Ebbers im April 2002 taten sich Abgründe auf: Die Vermögensseite war um elf Milliarden Dollar aufgebläht: Aufwendungen für Zugangs- und Durchleitungsgebühren wanderten ins Anlagevermögen. Insolvenzantrag am 22. 7. 2002. Seit dem Hoch im April 1999 folgte die Vernichtung einer Marktkapitalisierung von 186 Milliarden US-Dollar; faktisch Totalverlust!

3. VW Skandal – Manipulation der Abgaswerte 2015

Allein die Rückrufaktion von Diesel-fahrzeugen mit falschen Abgasmesswerten verschlingt in Europa und den USA zweistellige Milliardenbeträge. Hinzu kommen noch Bußgelder, die vor allem in den USA exorbitant hoch ausfallen können. Konsumentenanwälte gehen teils von Gesamtkosten aus, die jene der BP-Katastrophe übertreffen. Vom 18. September bis 5. Oktober 2015 brach die VW-Stammaktie vorübergehend um 41 Prozent ein.

4. BP – Umweltskandal Deepwater Horizon 2010

Ausgelöst durch eine Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon am 20. April 2010 flossen in den darauffolgenden Monaten rund 800 Millionen Liter Öl ins Meer und verpesteten die amerikanische Golfküste. Die Gesamtkosten der Ölpest bezifferte BP bis dato auf mehr als 54 Milliarden US-Dollar. Vom 20. April bis 25. Juni 2010 verlor die BP-Aktie in New York 55,3 Prozent an Wert.

5. Enron – Bilanzskandal beim weltgrößten Energiehändler 2001

Die SEC-Prüfung (SEC steht für Securities and Exchange Commission, also die US-Börsenaufsichtsbehörde) wurde im Oktober 2001 bekanntgegeben. Entdeckung: Versteckte Milliardenverbindlichkeiten bei Partnerfirmen und der Gewinn der Vorjahre wurde um 1,2 Milliarden Dollar zu hoch ausgewiesen. Insolvenz im Dezember 2001: Totalverlust, allerdings konnten Aktionäre bis 2008 im Zuge einer Sammelklage Schadenersatzzahlungen von 7,2 Milliarden US-Dollar (vgl. mit einst 80 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung) erstreiten.

 

Weitere Skandale sowie Tipps, wie Sie als Anleger frühzeitig Gefahren erkennen und worauf es bei einer nachhaltigen Aktienselektion ankommt, lesen Sie im Heft GEWINN 11/2015.

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