Landwirtschaft: Investieren in die „grüne Revolution“

Die Landwirtschaft soll eine wachsende Weltbevölkerung ernähren und gleichzeitig umweltfreundlicher werden. GEWINN zeigt, welche Aktien von dieser Entwicklung profitieren können.

Derzeit hält die Hochtechnologie verstärkt Einzug in der Landwirtschaft. „Smart Farming“ soll die Landwirtschaft effizienter und umweltfreundlicher machen. So sollen etwa autonom fahrende Traktoren, wie hier von Case IH, die Feldarbeiten optimieren (Foto: Case IH Agriculture/Jackie O. Photography)

Ein Bauer, der jedes einzelne Schwein beim Namen kennt und seine paar „Viecherl“ noch von Hand füttert. In der Werbung wird dieses Bild von der Landwirtschaft vermittelt, um die Sehnsucht der Konsumenten nach dem „Ursprünglichen“ und „Natürlichen“ zu bedienen.

Die Realität sieht selbst in der klein strukturierten Landwirtschaft in Österreich ganz anders aus, von der Entwicklung bei internationalen Großbetrieben ganz zu schweigen. Maschinen und Computer haben bereits Einzug in die Ställe und die Äcker gehalten und damit zu einer gewaltigen Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion geführt, die zur Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung auch notwendig ist. Diese bisherige Entwicklung sei aber gerade erst der Anfang, sind sich Experten einig.

Erst ganz am Anfang 

Gleich vier folgenreiche Entwicklungen sollen die Landwirtschaft zu einem weiteren technologischen Sprung anstoßen: Einerseits wächst die Bevölkerung auf unserem Planeten und die Essgewohnheiten in den aufstrebenden Schwellenländern passen sich westlichen Verhältnissen an, andererseits schrumpft die verfügbare landwirtschaftliche Fläche und die Forderung nach einem geringeren „ökologischen Fußabdruck“ erfordert eine Umstellung in der landwirtschaftlichen Produktion.

Derzeit leben rund 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Im Jahr 2050 sollen es laut einer Prognose der UNO rund 9,7 Milliarden und im Jahr 2100 rund 10,9 Milliarden Menschen sein. Das entspricht einem Anstieg von über 40 Prozent. „Darüber hinaus wird sich die globale Mittelschicht zwischen 2015 und 2030 voraussichtlich verdoppeln, und dies wird wahrscheinlich zu einer Verschiebung der Ernährung führen, um mehr Fleisch, Fisch und Milchprodukte zu konsumieren, die getreideintensiv sind“, ergänzt man bei Baring Asset Management.
Andererseits werden laut BZ Bank „das weltweite Wirtschaftswachstum, die Umweltverschmutzung, der Klimawandel und die Wasserknappheit zu einer weiteren Reduktion der Bodenflächen in der Landwirtschaft führen“. Diesbezüglich zählt gerade Österreich zu den größten „Sündern“ – mit durchschnittlich 11,8 Hektar pro Tag werden hierzulande besonders viele landwirtschaftliche Flächen mit Straßen, Parkplätzen und Gebäuden zugebaut. Das bedeutet im Umkehrschluss, die Landwirtschaft muss auf weniger Fläche mehr produzieren und sollte gleichzeitig weniger stark Klima und Umwelt belasten.

Digitalisierung als Antwort

Und wie in vielen anderen Bereichen wird die Digitalisierung als Lösung für diese Herkulesaufgabe genannt: Neue Produkte und Dienstleistungen in der Automatisierungstechnik, Roboter und Sensoren, die eine effizientere Nutzung von Flächen, Wasser und Dünger ermöglichen, Künstliche Intelligenz, Big Data, Drohnen, etc., das alles soll unter dem Schlagwort „Smart Farming“ die Produktivität in der Landwirtschaft ­steigern.
So ermöglichen es etwa GPS-gesteuerte Lenkassistenten bei Traktoren bereits heute, die Felder mit weniger Überlappung und exakter zu bearbeiten, um damit Kosten für Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Arbeitszeit und Kraftstoffe zu sparen. In einer zweiten Ausbaustufe  sollen dann autonom fahrende Traktoren gänzlich ohne Fahrer auskommen, um mit Einsätzen rund um die Uhr die Kosten zu reduzieren und die kurzen, wetterbedingten Zeitfenster optimal zu nutzen.

Fahrerlose Traktoren

Der traditionsreiche US-Traktorbauer Case IH etwa präsentierte 2016 erstmals ein Konzept für einen fahrerlosen Traktor (siehe Seite 75). Die Tochterfirma des börsennotierten CNH Industri-
al Konzerns (ISIN: NL0010545661) brach­te heuer auch eine spannende Entwicklung des schweizerischen Technologiepartners Zasso auf den Markt: Die NovelXPower-Geräte erlauben eine effiziente Bekämpfung von Unkräutern mit elektrischem Strom und bieten damit eine mögliche Alternative zum Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel. Auch die Konkurrenten Deere &   Company (ISIN: US2441991054) sowie AGCO (ISIN: US0010841023) bieten Lenkassistenten und arbeiten an autonom arbeitenden Traktoren.

Daten und Saatgut

Mitten im Zentrum der spannenden Entwicklungen in der Landwirtschaft steht Corteva (ISIN: US22052L1044). Das weltweit aktive Unternehmen mit Sitz in den USA entstand erst im Juni diesen Jahres mit der Abspaltung des Agrargeschäfts von DowDuPont und konzentriert sich auf  Entwicklung und Produktion von Saatgut, Pflanzenschutzmitteln und „Smart Farming“-Technologien (siehe oben links). 
Mit „Granular“-Software und -Apps können Landwirte Input- und Erntebestände genau protokollieren und dabei auf Daten aus einer Vielzahl von landwirtschaftlichen Geräten zurückgreifen. Das soll es den Landwirten ermöglichen, präzisere Entscheidungen zu treffen und die Flächen effizienter zu bewirtschaften.
Ein weiterer Puzzlestein für die Ernährung der Weltbevölkerung ist die Züchtung von Saatgut, das auch mit dem Klimawandel gut zurechtkommt. Laut dem deutschen Saatgutkonzern KWS Saat (ISIN: DE0007074007) soll der Markt für Saatgut von 2016 bis 2026 von 5,4 auf 9,2 Milliarden US-Dollar anwachsen. Die Nummer vier auf dem Weltmarkt ist der einzige reine Saatgutanbieter an der Börse und investiert 18,5 Prozent seiner Umsätze in Forschung und Entwicklung.

Risken nicht unterschätzen

So klar das Potenzial für die Branche auch sein mag, so groß ist dennoch das Risiko, wenn man auf einzelne Unternehmen aus diesem Bereich setzt oder das Geld nur kurzfristig investieren möchte. Denn immer wieder gibt es Phasen, in denen die Ertragsfähigkeit dieser Firmen eingeschränkt wird. Wie etwa aktuell durch den von den USA angezettelten Handelskrieg, unter dem ironischerweise gerade US-Farmer sehr stark zu leiden haben. Das wiederum drosselt die Umsätze wie etwa zuletzt vom Landtechnikkonzern John Deere.
Daher sollten Privatanleger, die auf das Thema setzen möchten, eine möglichst breite Streuung mittels entsprechender Aktienfonds anstreben: Der BZ-Fine-Agro-Fonds investiert in Unternehmen aus der Agrarbranche, wobei aktuell rund 68 Prozent in den USA investiert sind. Der Barings-Global-Agriculture-Fonds ergänzt die Landwirtschaftsaktien um Unternehmen aus der Lebensmittelbranche. Auch der Amundi-CPR-Global-Agriculture-Fonds investiert neben klassi    schen Agraraktien in verwandte Branchen, wie etwa die Lebensmittelproduktion (Details siehe Tabelle).

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