„Liquid-Alternatives-Fonds dürfen mehr“

GEWINN sprach mit Spencer Rhodes, Global Manager für Alter­native Investments bei Allianz Global Investors, über die steigende Beliebt­heit von sogenannten Liquid-Alternatives-Fonds.

Spencer Rhodes: „Liquid Alternatives können stetige Erträge bringen, unabhängig von den Anleihen- und Aktienmärkten.“ (Foto: Sue Cunningham)

GEWINN: Was sind Liquid Alternatives?

Rhodes: Die meisten aktiv verwalteten Investmentfonds dürfen nur in Anleihen und Aktien investieren, wobei das Fondsmanagement versucht, den Gesamtmarkt zu schlagen. Wenn die Märkte nach unten gehen, gehen auch diese Fonds mit. Man hat nur die Hoffnung, dass die Fonds weniger stark fallen als der Gesamtmarkt. Liquid-Alternatives-Investmentfonds dürfen hier weitaus mehr und sind damit eine marktunabhängigere Variante, die stetige Erträge abwerfen kann, unabhängig davon, was etwa an den Aktien- oder Anleihenmärkten passiert. 

GEWINN: Was ist neu daran? Es gibt schon seit Jahrzehnten Hedge-Fonds, die das anbieten.

Rhodes: Das Neue daran ist, dass diese Fonds in der Rechtsform von sogenannten „UCITS-Fonds“ auch für Kleinanleger investierbar sind. Das ist eine komplett neue Anlageklasse. Denn UCITS sind EU-weit einheitlich regulierte, transparente und liquide Vehikel. Und die Mindestanlagesummen sind viel geringer als bei herkömmlichen Hedge-Fonds, wo man ja oft erst ab 100.000 Euro oder mehr einsteigen kann. 

GEWINN: Liquide im Bezug auf die Handelbarkeit?

Rhodes: Ja, genau. Sie können täglich gehandelt werden, während man bei vielen Hedge-Fonds oft nur monatlich oder gar quartalsweise kaufen und verkaufen kann.

GEWINN: Bisher waren Liquid Alternatives ja eher ein Nischenthema, oder?

Rhodes: Heute haben diese Produkte global bereits ein Volumen von knapp einer Billion US-Dollar erreicht. Bis 2020 rechnen wir mit einer weiteren Verdoppelung dieses Marktes. Das liegt nicht nur an der Möglichkeit, die Fonds Kleinanlegern anzubieten, sondern auch daran, dass diese Produkte im aktuellen Marktumfeld ihre Stärken voll ausspielen können. Wo heute viele Aktienmärkte  auf Allzeithöchstständen notieren und sich die Zinsen auf historische Tiefststände zu bewegen, da ist die Nachfrage nach einer Alternative recht groß.

GEWINN: Woher kommt das viele Geld?

Rhodes: Hauptsächlich wird es laut einer Studie von Morgan Stanley von Anleiheninves­titionen abgezogen, weil dort die Renditen so niedrig sind. Außerdem werden Gelder von den klassischen Hedge-Fonds genommen, die auf den Cayman Islands registriert sind und in diese UCITS-Fonds investiert.

GEWINN: An welchen Anlegertypus richten sich diese Fonds? 

Rhodes: Laut einer Umfrage unter unseren Liquid-Alternatives-Kunden haben  81 Prozent dabei Risikostreuung als Hauptgrund für ihre Entscheidung, in diese Produkte zu investieren, angegeben. Nur 13 Prozent haben die Erwartung höherer Erträge als Grund genannt. Das widerlegt das Vorurteil, dass es sich bei alternativen Investments um Anlagen mit höherem Risiko und Renditen handelt. Wir versuchen, in den meisten Strategien Renditen im mittleren einstelligen Bereich bei niedriger Schwankungsbreite zu erzielen – unabhängig davon, wie sich die Märkte entwickeln. Konk­ret versuchen wir, fünf Prozent über der Geldmarktrendite EONIA zu erreichen.

GEWINN: Mit welchen alternativen Strategien können Sie das schaffen?

Rhodes: Wir bieten zum Beispiel marktneut­rale „Long-short“-Strategien an. Darin halten wir ungefähr zur Hälfte Aktien „long“, wo wir von steigenden Kursen profitieren. Und in der anderen Hälfte gehen wir auf Aktien „short“. Da profitieren wir von fallenden Kursen. Der Trick dabei ist, dass wir bei jenen Aktien „short“ gehen, die aus unserer Sicht richtig schlecht sind, und jene Aktien „long“ halten, die wir für chancenreich halten. Über die Zeit ergibt sich daraus ein recht konstanter Ertrag von ein paar Prozent pro Jahr. 

GEWINN: Wie haben sich diese Fonds bisher bei Marktkorrekturen gehalten?

Rhodes: Diese Fonds verhalten sich tatsächlich anders als Anleihen und Aktien. So hatte etwa unser Long-short-Fonds „Discovery Germany“ in den letzten Jahren eine negative Korrelation zu Aktien und Anleihen. Der Kursverlauf zeigt, dass sich der Fonds, obwohl er Aktien enthält, von der Schwankungsbreite eher wie ein Anleihenfonds verhalten hat.

GEWINN: Wo liegen die Grenzen?

Rhodes: Wenn jemand kurzfristig auf dem Aktienmarkt spekulieren möchte, dann ist es bestimmt nicht der richtige Weg. Langfristig betrachtet ist es aber das größte Risiko, überhaupt nicht investiert zu sein und sein Geld auf dem Bankkonto liegen zu lassen, wo es real an Wert verliert.

GEWINN: Alternativen Fonds eilt der Ruf voraus, dass sie oft sehr teuer sind. Wie ist das bei Liquid Alternatives?

Rhodes: Üblicherweise liegen die laufenden Kosten ähnlich hoch wie bei klassischen Aktieninvestmentfonds und sind damit viel gerin-ger als bei herkömmlichen Hedge-Fonds.

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