"Man kann jetzt Qualitätsaktien um 15 Prozent billiger kaufen!“

Walter Schmitz ist seit 1964 im Fondsgeschäft tätig und kaufte letztes Jahr mit 78 Jahren seine Exfirma zurück. In der Corona-Krise sieht er zwar noch sehr viel Ärger auf Anleger zukommen, aber gleichzeitig einmalige Chancen auf dem Aktienmarkt.

Walter Schmitz, Prima Fonds: „Ich will jetzt mit 79 Jahren noch einmal richtig durchstarten, weil ich derzeit eine Entwicklung und Chancen sehe, wie ich sie in den letzten 50 Jahren nicht gesehen habe.“ (Foto: Prima Fonds)

GEWINN: Bereuen Sie es angesichts der Krise, dass Sie letztes Jahr aus dem Ruhestand zurückgekehrt sind und ihre alte Fondsfirma wieder zurückgekauft haben?

SCHMITZ: Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe zwar gerade heute einen großen Kunden verloren, weil er aufgrund der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie Pleite gegangen ist, aber was wir alle brauchen ist ein bisschen mehr Optimismus. Ich will jetzt mit 79 Jahren noch einmal richtig durchstarten, weil ich derzeit eine Entwicklung und Chancen sehe, wie ich sie in den letzten 50 Jahren nicht gesehen habe. Schwierigkeiten hat und wird es immer geben.

GEWINN: Sie verfügen über jahrzehntelange Erfahrung auf dem Kapitalmarkt. Kann man die aktuelle Krise mit vergangenen Wirtschafts- und Finanzkrisen vergleichen?

SCHMITZ: Nein, das ist eine einmalige Sache, die ich so noch nicht erlebt habe. Vor allen Dingen, weil die Folgekosten noch nicht einmal annähernd abschätzbar sind. Es wird noch sehr viele Pleiten und Ärger für Anleger geben, wenn man Teile der Weltwirtschaft quasi auf null runter fährt. Das wird auch zu einem großen Vermögensverlust führen.

GEWINN: Warum sollte man dann als Anleger dennoch optimistisch sein?

SCHMITZ: Langfristig sind die Chancen und Möglichkeiten als Anleger gerade deshalb so groß, weil es weltweit so viele Probleme gibt, die gelöst werden müssen. Viele Unternehmen werden dafür Lösungen entwickeln und damit prächtig verdienen. Neben der Corona-Pandemie sind ja die Umweltprobleme, die vor wenigen Wochen noch die Nachrichten und Märkte dominiert haben, fast in Vergessenheit geraten. Auch das enorme, globale Bevölkerungswachstum wird uns in den kommenden Jahrzehnten noch vor gewaltige Herausforderungen stellen.

GEWINN: Wo sehen Sie hier konkrete Chancen für Anleger?

SCHMITZ: Wir sehen die Wachstumssegmente primär im Zusammenhang mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, die von den Vereinten Nationen ausgerufen wurden. Davon werden Unternehmen im Bereich Gesundheit etwa in der Biotechnologie profitieren. Auch in der Landwirtschaft gibt es mit Precision und Smart Farming neue Technologien, die unglaubliche Möglichkeiten bieten. Und auch im Bereich der Elektromobilität steht starkes Wachstum bevor. In Summe haben wir für unseren neuen Fonds rund 300 Unternehmen identifiziert, die in diesen Bereichen maßgeblich engagiert sind.

GEWINN: Können Sie konkrete Unternehmen nennen?

SCHMITZ: Sehr interessant ist etwa Biomérieux. Das 1964 gegründete Unternehmen aus Frankreich ist auf die Invitro-Diagnostik von Infektionskrankheiten und Krebs und Herz-KreislaufErkrankungen spezialisiert. Oder das dänische Energieunternehmen Orsted,  das 2016 seine letzten Öl- und Gasvorkommen verkauft hat und sich seither sehr erfolgreich auf Windenergie fokussiert. Auch interessant ist Steelcase, ein multinationaler Hersteller für Büromöbel mit Sitz in den USA. Das Unternehmen führte bereits in den1960er Jahren Recycling in der Produktion und Produktentwicklung ein. Auch beim Solarunternehmen First Solar ist das Potenzial noch lange nicht augeschöpft.

GEWINN: Was macht Sie sicher, dass Sie nicht auf’s falsche Pferd setzen?

SCHMITZ: Ich geb Ihnen Recht, die Gewinner sind bei Zukunftsthemen nicht immer im Vorhinein so klar absehbar. Aber deshalb streuen wir unsere Investments sehr breit auf rund 100 Unternehmen, was den Effekt einzelner Fehlschläge stark reduziert. Die Idee für den Fonds hatte Hendrik Leber, der den Fonds auch managen wird.

GEWINN: Gerade an der Elektromobilität gibt es große Kritik. Warum sind Sie diesbezüglich so zuversichtlich?

SCHMITZ: Stimmt, Kritiker sehen vor allem die Probleme, wenn jetzt etwa alle gleichzeitig ihre Autos auf der Straße laden wollen, wodurch das bisherige Stromnetz sicher an seine Grenzen stoßen würde. Aber die Lösungen stehen dafür schon bereit und sind jetzt schon realisierbar. So kann man aus technischer Sicht in jeder Straßenlaterne eine Elektrozapfsäule einbauen und das Stromnetz stärker ausbauen. Es fehlt nur der Wille um das umzusetzen. Hier muss der Druck noch stärker werden.

GEWINN: Derzeit sehen die meisten Anleger weniger die langfristigen Chancen, als die kurzfristigen Risken. Wie sollte man als Kleinanleger jetzt reagieren?

SCHMITZ: Durch den Einbruch am Aktienmarkt kann man gerade jetzt Qualitätsaktien um 15 Prozent billiger als noch vor drei Monaten kaufen. Das ist eine einmalige Chance und ein Vorsprung, den man als Anleger wahrnehmen muss. Auf keinen Fall sollte man jetzt, wo die Kurse im Keller sind, verkaufen, wenn man das Geld nicht dringend braucht. Ich habe auch den Eindruck, dass die meisten Anleger diesem Ratschlag folgen.

GEWINN: Sie haben für Mai die Lancierung eines neuen Investmentfonds geplant. Werden Sie angesichts der Krise den Marktstart verschieben?

SCHMITZ: Nein, ganz im Gegenteil. Aus den genannten Gründen ist gerade jetzt das perfekte Umfeld für einen neuen Fonds, der auf Zukunftshemen setzt. Auch wenn ich zugeben muss, dass es vermutlich schwieriger wird, Privatanleger davon zu überzeugen, jetzt in Aktienfonds zu investieren. Das Geld ist jedenfalls da. Es liegen enorme Summen unverzinst auf Konten herum, die man sinnvoller einsetzen könnte.

GEWINN: Ihr Prima Global Challenges Fonds wurde nachträglich auf einen nachhaltigen Investmentansatz umgestellt. Warum der Sinneswandel?

SCHMITZ: Ich muss zugeben, dass ich das Thema anfänglich, wie viel andere, nicht wirklich ernstgenommen habe. Die Umstellung passierte in der Zeit, als ich die Fondsgesellschaft verkauft hatte. Die Käufer haben mich davon überzeugt, dass das die richtige Entscheidung war.

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