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Mein erster ETF-Sparplan

Mit „Autopilot“ komfortabel in Richtung privaten Vermögensaufbau „cruisen“, bis die Inflation und die „Zinswüste“ im Rückspiegel verschwinden. Genau diese Möglichkeit bieten börsennotierte Indexfonds (ETF), die man per Sparplan oder Fondspolizze einfach in kleinen, regelmäßigen Beträgen kaufen kann.

(Foto: Vertigo3d - GettyImages.com)

Rund 270 Milliarden Euro liegen mittlerweile hierzulande in Spareinlagen herum und bringen kaum bis gar keine Zinsen. Rein theoretisch verfügt damit jeder Einwohner im Durchschnitt über 30.600 Euro „totes“ Kapital. Zumindest müssen wir noch keine Negativzinsen für Sparguthaben zahlen, wie es in anderen Ländern bereits Usus ist. Aber wenn man die Preissteigerungen des täglichen Lebens oder die Preise von Eigentumswohnungen mit in Betracht zieht, wird einem schmerzlich bewusst, welche reale Bedrohung hinter dem scheinbar abstrakten Begriff „Kaufkraftverlust“ steckt:  Ohne ausreichend hohe Zinsen wird das Sparguthaben nach Abzug der Inflation einfach immer weniger wert.

Die gute Nachricht: Man kann sein Geld für sich arbeiten lassen und ist nicht gezwungen, dem Schwund der finanziellen Möglichkeiten tatenlos zuzusehen – etwa in Form einer Investition in Unternehmen via Aktien. Und eine der einfachsten und komfortabelsten Formen, um in Aktien zu investieren, sind ETF-Sparpläne, die sich weltweit immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Warum Aktien?

Hierzulande nehmen bisher gerade einmal fünf Prozent der Haushalte die Möglichkeit in Anspruch, in Aktien zu investieren. Selbst Investmentfonds finden sich lediglich in 8,5 Prozent der heimischen Haushalte. (Auch wenn interessanterweise gerade in der aktuellen Pandemie das Interesse der Österreicher an Aktien als Geldanlage spürbar steigt.) Dabei können Aktien nicht nur den Kaufkraftverlust bremsen, sondern sogar das Vermögen kräftig wachsen lassen, wie ein langfristiger Vergleich der Erträge von Aktien, Anleihen und Sparguthaben zeigt: So brachte eine Investition in die weltweiten Aktienmärkte im Verlauf der vergangenen 120 Jahre  im Durchschnitt 5,2 Prozent reale Erträge pro Jahr – also nach Abzug der Inflation. Damit hätte man in weniger als 14 Jahren einen investierten Betrag (real) verdoppelt. Und das trotz zweier Weltkriege, zahlreicher Börsencrashes und Krisen. Anleihen konnten nicht einmal die Hälfte an Ertrag bringen, Spareinlagen überhaupt nur einen Bruchteil.

Die Grundvoraussetzung für Erfolg an der Börse ist allerdings: Durchhaltevermögen! Angenommen, man hätte irgendwann an einem beliebigen Tag in den vergangenen fünzig Jahren breit gestreut in Aktien weltweit investiert (gemessen am Weltaktienindex MSCI World). Dann wäre die Investition rein statistisch ein Jahr später zwischen 69 mehr und 42 Prozent weniger wert gewesen. Das klingt nach einem Lotteriespiel. Aber wenn man längerfristig investiert bleibt, gleichen sich die starken Schwankungen an den Börsen aus. Bereits nach weniger als zehn Jahren war man in den meisten Fällen wieder im Plus. Und selbst beim denkbar schlechtesten Einstiegszeitpunkt notierten die Aktien nach 14 Jahren Behaltedauer im „grünen Bereich“.

Und man muss ja nicht gleich das gesamte verfügbare Sparguthaben in Aktien investieren. Selbst wenn man nur die Hälfte oder ein Drittel des Ersparten in Aktien bzw. Aktienfonds oder ETFs investiert, kann das langfris­tig betrachtet genug Rendite liefern, um zumindest die Kaufkraft des gesamten Sparguthabens zu erhalten:
Wichtig! Man sollte nur jenen Teil seines Geldes in Aktien anlegen, den man weder als Notgroschen noch für zeitnah anstehende Investitionen braucht. Denn man muss in der Lage sein, schlechte Börsenphasen, wie zuletzt nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Februar 2020, „auszusitzen“ und nicht aus Geldnot gezwungen sein, in ungünstigen Situationen zu verkaufen.

Wann beginnen?

Jetzt! Auch wenn einem das Bauchgefühl möglicherweise etwas anderes sagt. Rational betrachtet ist der beste Zeitpunkt, um in Aktien zu investieren, immer jetzt. Denn wie vorhin beschrieben wurde, sinkt statistisch gesehen das Risiko eines Verlustes, je länger man investiert ist. Und das gilt auch gleichermaßen für jene, die sich mittels Sparplan mit kleinen, regelmäßigen Beträgen erst ein Vermögen aufbauen wollen.

Theoretisch wäre es natürlich klug, dann zu investieren, wenn die Aktienkurse stark gefallen sind, und dann zu verkaufen, wenn sie hoch sind. Aber dieses sogenannte Market-Timing gelingt nicht einmal den Profis verlässlich. Und schon gar nicht, wenn man als Kleinanleger quasi mit „Autopilot“ ohne großen Zeitaufwand in Richtung Vermögensaufbau „cruisen“ möchte. Und genau das ermöglichen ETF-Sparpläne. „Gar nichts zu tun und bis zum ,richtigen‘ oder bis zu einem ,besseren‘ Einstiegszeitpunkt zu warten, dürfte zu jedem gegebenen Zeitpunkt die schlechteste und zugleich die am meisten verbreitete Strategie sein“, meinte diesbezüglich Gerd Kommer in seiner Kolumne in der August-Ausgabe 2020 des TOP-GEWINN.

Warum ETFs?

Als Einstieg bzw. als Basis für den privaten Vermögensaufbau sind insbesondere börsennotierte Indexfonds, kurz ETFs (steht für Exchange Traded Funds), besonders gut geeignet. Diese Wertpapiere versuchen möglichst exakt einen vorhandenen Index abzubilden und so den Anleger an dessen Wertentwicklung teilhaben zu lassen. Neben ETFs gibt es auch nicht börsennotierte Indexfonds, die denselben Effekt erzielen, aber nicht an der Börse gehandelt werden können.

Bei ETFs und Indexfonds wird im Unterschied zu aktiv verwalteten Investmentfonds nicht versucht, einen Mehrertrag durch gezielte Auswahl einzelner Wertpapiere und Markt-Timing zu erzielen. Als Indexanleger bekommt man somit genau jenen Ertrag, den der abgebildete Gesamtmarkt hergibt. Nicht mehr und nicht weniger (abzüglich Kosten).

Ein wesentlicher Vorteil von ETFs und Indexfonds liegt in den vergleichsweise geringen Kosten: Die laufenden Gebühren bei weltweit investierenden Aktien-ETFs bewegen sich in der Regel zwischen 0,12 und 0,25 Prozent. Manche ETFs sind zwar noch günstiger, wie etwa der Amundi Prime Global (ISIN: LU2089238203), aber aktuell hierzulande nicht im Rahmen eines Sparplans verfügbar.

Die Gebühren aktiv verwalteter Fonds hingegen liegen mit durchschnittlich 1,6 Prozent um ein Vielfaches höher. Der Unterschied macht sich vor allem bei langfristiger Geldanlage sehr stark bemerkbar. „Diesbezüglich wird oft den Fondsmanagern der schwarze Peter für die hohen Kosten zugeschoben, dabei machen Vertriebsprovisionen einen großen Teil dieser Kosten aus“, weist Wolfgang Staudinger, Geschäftsführer vom unabhängigen Vermögensberater Fynup, darauf hin und nennt sogenannte „Clean Shares“-Fondsklassen als Alternative: „Dabei ist derselbe Fonds mit denselben Aktien und demselben Fonds-Management um die Höhe der Provision günstiger. Für Kleinanleger stehen Clean Shares derzeit leider noch sehr selten zur Verfügung. Wir sind jedoch überzeugt, dass die Zukunft – neben Indexfonds und ETFs – den Clean Shares gehört.“

Doch für Anleger, die den Aufwand für die Geldanlage möglichst gering halten wollen, sind dennoch ETFs wahrscheinlich die bessere Alternative: Zugegeben, viele Fondsmanager schaffen es, aus einem Markt deutlich mehr rauszuholen als ein ETF, der lediglich stur den Gesamtmarkt abbildet. Aber sie schaffen es meist nicht über lange Zeit. Selbst bei noch so gewisserhafter Auswahl wird man daher nicht immer genau jene Fondsmanager erwischen, die in den folgenden Jahren den Markt schlagen. Manchmal werden die Ergebnisse über der Marktrendite liegen, manchmal aber darunter. Ein rationaler und einfacher Zugang wäre es hier, sich den Aufwand  zu ersparen und gleich einen ETF zu wählen, der einem verlässlich zumindest die Marktrendite abzüglich geringer Kosten liefert.

Welcher ETF bzw. Indexfonds?

Angesichts der großen Auswahl verschiedener ETFs fühlen sich viele Anleger überfordert. Schließlich werden im deutschsprachigen Raum über 1.000 verschiedene ETFs angeboten, die in Aktien investieren. Gerade am Beginn des Vermögensaufbaus ist es empfehlenswert, sich an dieser Stelle auf ein Produkt zu konzentrieren, das den gesamten Aktienweltmarkt abdeckt, und die geringen Sparraten nicht auf mehrere ETFs aufzuteilen – abgesehen von Ausnahmefällen, die in weiterer Folge beschrieben werden.

Diesbezüglich sind Weltaktienindizes wie der MSCI World, der MSCI All Country World oder der FTSE All World die perfekte Wahl. Sie ermöglichen es mit einem Schlag,  in die größten 1.600 bis rund 4.000 Unternehmen weltweit zu investieren (siehe oben). Der Ausfall einzelner Unternehmen, der immer wieder vorkommen kann, wird durch die breite Streuung kaum spürbar sein. Das Regelwerk, welche Aktien und mit welcher Gewichtung in diese Indizes aufgenommen werden, ist transparent definiert und kann auf den Web-Seiten der Indexanbieter nachgelesen werden. In diesen Fällen spielt der Börsenwert der Unternehmen die größte Rolle. Somit ändert sich auch die Zusammensetzung dieser Indizes im Ablauf der Zeit – während alte Industrien wie Erdöl langsam an Bedeutung verlieren, gewinnen Zukunftsthemen wie Digitalisierung an Gewicht. Und das Ganze passiert vollautomatisch, ohne dass ein Manager aktiv auswählen müsste.

Für welchen dieser drei Indizes man sich entscheidet, hängt einerseits davon ab, ob man auch in Unternehmen in aufstrebenden Ländern wie China investieren oder sich auf die Industrieländer fokussieren möchte. Und zweitens davon, welche ETFs bei der gewünschten Bank, Broker oder Versicherung überhaupt verfügbar sind.
Wie die Tabelle auf Seite 12 zeigt, bekommt man etwa die MSCI-All-Shares-ETFs nur bei ausgewählten Brokern als Sparplan angeboten. Somit kann man als Anleger bei manchen Brokern oder Lebensversicherungen mitunter gezwungen sein, in zwei verschiedene ETFs zu investieren, um gleichzeitig in Industrieländer- und Schwellenländer zu investieren. Ergänzend sind in der Tabelle auch noch ETFs angeführt, die in „nachhaltige“ Aktien­indizes investieren. Diese haben in ihrem Regelwerk auch soziale, ethische und ökologische Kriterien festgeschrieben. Und alternativ zu reinen Aktienfonds ist auch ein Ansparen in Misch-ETFs möglich, die sowohl in Aktien als auch Anleihen investieren, um so die Schwankungen zu reduzieren.

Sicherheit, Steuern, Fondspolizze

In puncto Sicherheit sind ETFs aktiv verwalteten Fonds als Sondervermögen gleichgestellt: Falls der ETF-Anbieter in Konkurs geht, ist somit das Fondsvermögen der Kunden vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt.
Auch in steuerlicher Hinsicht bieten ETFs identische Voraussetzungen: Die laufenden Erträge und Kursgewinne unterliegen der 27,5-Prozent-KESt. Diese wird bei ETFs und Indexfonds, die als sogenannte Meldefonds einen steuerlichen Vertreter in Österreich haben, automatisch von der Bank bzw. vom Broker an den Fiskus abgeführt. Eine Invesition in ETFs, die nicht zu Meldefonds zählen, wird dagegen nicht empfohlen.

Prinzipiell kann man einen Sparplan bei den meisten Banken abschließen, wobei diesbezüglich Direkt- bzw. reine Online-Banken das Thema ETF-Sparplan deutlich stärker forcieren. In bestimmten Fällen könnte es vor allem aus steuerlichen Gründen auch  sinnvoll sein, im Rahmen einer fondsgebundenen Lebensversicherung in ETFs anzusparen, wie Staudinger erklärt: „Je länger die Laufzeit und je höher die Rendite-Annahme, umso mehr spricht für eine Fondspolizze. Je kürzer die Laufzeit und je geringer die Rendite-Annahme, umso mehr spricht für ein Wertpapier-Depot“.

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