„Meine Empfehlungen in diesem Jahr sind Japan und Europa“

Kapitalmarktexperte Martin Hüfner bevorzugt derzeit die Börsen Italien, Frankreich und Spanien. Dem GEWINN verriet er seine persönlichen Investment-Vorlieben.

Kapitalmarktexperte Hüfner zur Dollarstärke: „Ich bin nicht überzeugt, dass der Dollar immer stärker werden muss, weil die Zinsen in den USA hochgehen. Das meiste ist hier eingepreist. Die USA enttäuscht.“ (Foto: GEWINN)

GEWINN: Vor einem Jahr kritisierten Sie, Europa mangle es an einem effizienten Krisenmanagement. Doch Deutschlands Wirtschaft boomt und boomt – nur auf Kosten der anderen Volkswirtschaften?

Hüfner: Da widerspreche ich. Deutschland hat in Europa keineswegs die höchsten Wachstumsraten. Und es wächst nicht auf Kosten anderer. Der Leistungsbilanzüberschuss der Deutschen mit den anderen EU-Ländern ist nicht angestiegen. Der Wachstumsstar im Euroraum ist Spanien mit vier Prozent Wachstum im zweiten Quartal und erwarteten drei Prozent im Gesamtjahr. Auch in Irland und Portugal sieht es nicht schlecht aus. In Italien und Frankreich gibt es Hoffnung auf Besserung.

GEWINN: Worauf beruht die?

Hüfner: Entscheidend für Wachstum in Europa ist in diesem Jahr, wieweit die Länder die Reformen in ihren Ländern voranbringen. Deutschland sieht hier gar nicht gut aus. Es kann den anderen nur gute Ratschläge für Reformen in deren Ländern geben, bringt es aber leider nicht fertig, selbst Reformen in Angriff zu nehmen. Das wird sich noch rächen.

(...)

GEWINN: Wie legen Sie persönlich an?

Hüfner: Ich habe vier Pfeiler in meinem Portfolio. Erstens eine Reihe von guten, substanzstarken Unternehmen, die ich nur in Ausnahmefällen verkaufen würde. Dazu gehören so unterschiedliche Werte wie SAP, Bayer und BASF, Voestalpine, Zumtobel oder Apple. Zweitens langfristige Rentenpapiere, die eine laufende Rendite bringen. Hier würde ich jetzt angesichts der niedrigen Zinsen aber nichts mehr dazukaufen. Drittens mein strategisches Investment, das ich immer wieder auswechsle. Hier habe ich im Augenblick Werte aus Europa, vor allem auch aus den Reformländern Spanien, Italien und Frankreich. Viertens halte ich immer einen Teil meines Geldes in Cash, zum einen aus Vorsichtsgründen, zum anderen, um „Munition“ zu haben, neue Käufe zu tätigen. Der Cash Anteil steigt und fällt je nach der Lage an den Märkten.

GEWINN: Ihr Inflations- und Zinsszenario?

Hüfner: Ich glaube, dass die Inflation in den nächsten zwölf Monaten niedrig bleiben wird, auch wenn sich die Konjunktur verbessert. Denn die Rohstoffpreise werden vermutlich noch weiter sinken. Das gilt auch für Öl. Die Europäische Zentralbank wird frühestens 2017 mit ersten Zinsschritten nach oben beginnen. Bis Herbst nächsten Jahres läuft ihr Wertpapierankaufsprogramm. Ein Risikofaktor für die Zinsen ist die geplante Zinserhöhung in den USA. Ich vermute, dass die Federal Reserve sehr vorsichtig vorgehen wird. Die Auswirkungen auf die europäischen Zinsen gering sein werden.  

 

Das gesamte Interview lesen Sie im Heft GEWINN 9/2015.

 

Übrigens: Volkswirt Martin Hüfner kommt auch heuer wieder am Freitag, den 16. Oktober von 17 bis 18 Uhr auf Einladung der Hello bank! auf die GEWINN-Messe.  

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