„Mit Saisonalität Gewinne steigern!“

Dimitri Speck, Mitgründer von Seasonax, erklärt im Interview mit GEWINN, wie saisonale Effekte die Finanz- und Rohstoffmärkte beeinflussen und man als Anleger davon profitieren kann.

Dimitri Speck ist Experte für saisonale Effekte, dieman als Anleger systematisch ausnützen kann. (Foto: Seasonax GmbH)

GEWINN: Was sind Saisonalitäten? Und was haben sie mit Geldanlage zu tun? 

SPECK: Saisonalitäten sind regelmäßig wiederkehrende Muster, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit wiederholen. Diese saisonalen Muster und Verläufe treten mehr oder minder an allen Märkten, so auch an den Finanz- und Rohstoffmärkten, auf. Man kann sie etwa bei Indizes, Aktien, Währungen, Rohstoffen oder auch Anleihen beobachten. Hauptsächlich beschäftigen wir uns dabei mit Zyklen auf Jahresbasis. Es gibt aber auch andere Muster auf Monats- oder Wochenbasis oder sogar Intra-Day-Zyklen, mit denen man seine Gewinne als Anleger systematisch erhöhen kann.

GEWINN: Klingt ein wenig nach Finanzmarktalchemie...

SPECK: Saisonalität ist empirisch belegt und unabhängig von Prognosen. Aber wie immer auf dem Finanzmarkt handelt es sich dabei lediglich um Wahrscheinlichkeiten. Das bedeutet, dass diese Muster nicht jedesmal, sondern über längere Zeiträume mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wiederkehren.

GEWINN: Können Sie Beispiele für saisonale Muster nennen?

SPECK: Das bekannteste saisonale Muster ist wahrscheinlich die alte Börsenregel „Sell in May and go away . . .“. Demnach entwickeln sich Aktienmärkte in der Zeit von Mai bis Oktober tendenziell schlechter als von November
bis April. Diese auch „Halloween-Effekt“ genannte Saisonalität lässt sich bei vielen Aktienmärkten in unterschiedlicher Intensität festellen. So fiel etwa der kumulierte Ertrag im Dow-Jones-Index seit den 1960er-Jahren fast zur Gänze auf das Winterhalbjahr von November bis April. Auch beim ATX, dem Leitindex der Wiener Börse, zeigt sich dieser Effekt. Selbst bei Bitcoins ist die Jahreshälfte von November bis April tendenziell besser als die andere.

GEWINN: Wie lassen sich diese Phänomene erklären?

SPECK: Es gibt nicht für jedes saisonale Muster eine eindeutige Erklärung. Bei vielen Einzelaktien lassen sie sich anhand von typischen Geschäftsverläufen im Kalenderjahr ableiten. Manche Unternehmen sind etwa stark vom Weihnachtsgeschäft abhängig. Einer der Gründe für „Sell in May“ liegt darin, dass es in den Sommermonaten einfach weniger Mittelzuflüsse in Investmentfonds gibt. Die bekannte „Jahresendrally“ lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass viele Fondsmanager und Vermögensverwalter zum Jahresende hin sogenanntes „Window Dressing“ betreiben und vermehrt Aktien in ihre Portfolios aufnehmen, die das Jahr über gut gelaufen sind, und jene verkaufen, die sich nicht so gut entwickelt haben. Bei Silber, Platin und Palladium, die im Unterschied zu Gold ja mehrheitlich von der Industrie genutzt werden, lässt sich tendenziell im Jänner und Februar ein starker Anstieg feststellen. Das liegt daran, dass die Einkäufer typischerweise zu Jahresbeginn ihre Jahresplanung fertig haben und dann die notwendigen Rohstoffe einkaufen.

GEWINN: In der Theorie müssten diese saisonalen Effekte ja verschwinden, wenn sie eindeutig beobachtbar sind, oder?

SPECK: Wenn man der Theorie der effizienten Märkte folgt, stimmt das. Manche Effekte wurden auch schon wegarbitriert. Aber viele Muster bestehen sehr lange. So wurde etwa zur Regel „Sell in May. . .“ spätestens in den 1950er-Jahren wissenschaftlich publiziert. Und dennoch lässt sich dieses Muster in vielen Märkten nachweisen. Es zeigt sich auch, dass die Saisonalität von institutionellen Investoren noch relativ wenig genutzt wird.

GEWINN: Woran liegt das?

SPECK: Möglicherweise bestehen hier noch Vorurteile, obwohl es akademische Studien gibt, die saisonale Effekte bestätigen.

GEWINN: Wie kann man diese als Privatanleger nützen?

SPECK: Anleger können die Saisonalität als einen weiteren Faktor bei der Investitionsentscheidung miteinbeziehen. Etwa, um Aktien zu selektieren. Wir bieten auf unserer Internet-Plattform www.seasonax.com die Möglichkeit, anhand unserer speziellen Charts eventuelle Saisonalitäten für Aktien, Indizes, Rohstoffe etc. auf einen Blick zu erkennen. Privatanleger können einen Teil der Services kostenlos auf unserer Website nutzen und sich auch für den Newsletter anmelden. Außerdem nutzt die Schwestergesellschaft Seasonax Capital beim Aktienfonds Seasonax Global Selection systematisch saisonale Effekte aus.

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