Vorschau aktuelle Ausgabe

 

 

Rohstoffinvestments – sind sie sinnvoll?

Rohstoffe zählen neben Aktien, Anleihen, Immobilien und Edelmetallen zu den wichtigsten Anlageklassen. Ob und unter welchen Umständen ein Rohstoffinvestment aus Privatanlegersicht attraktiv ist, beleuchten wir in diesem Beitrag.

(Fotos: Gumpanat - GettyImages.com, wrangel - GettyImages.com, Tendo23 - GettyImages.com, Dmitry Kuznetsov - GettyImages.com)

Rohstoffe, neudeutsch: Commodities, lassen sich in fünf Hauptgruppen aufteilen: Energie (Kohle, Erdöl, Erdgas), Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium), Basismetalle (Kupfer, Blei, Zink, Aluminium und andere), Mineralien (Bauxit, Phosphat, Schwefel und andere) sowie Agrarrohstoffe (z. B. Getreide, Tabak, Kaffee, Fleisch). Über alle fünf Gruppen hinweg existieren etwa 40 einzelne Rohstoffe, wenn man die weltwirtschaftlich weniger bedeutsamen ignoriert.

Edelmetalle und insbesondere Gold werden aus Investmentsicht oft als eigenständige Asset-Klasse klassifiziert, getrennt von den übrigen „gewerblichen“ Rohstoffen, die – im Unterschied zu Gold – im volkswirtschaftlichen Produktionsprozess tatsächlich „verbraucht“ oder „verwendet“ werden. Vergleicht man das jährliche globale Produktionsvolumen des Rohstoffmarktes mit der globalen Marktkapitalisierung der Anlageklassen Aktien, Anleihen und Immobilien, ist die Asset-Klasse Rohstoffmarkt geradezu winzig.

Nur über Termingeschäfte investierbar

Es mag für manchen überraschend klingen: Privatanleger können in Rohstoffe nicht direkt investieren (Ausnahme Edelmetalle). Für Rohstoffdirektanlagen – im Finanzjargon „Spot Market Investments“ – wären die Lagerkosten viel zu hoch. Man versuche einmal, für 10.000 Euro Eisenerz, Öl, Kohle oder Weizen zu kaufen und dann notwendigerweise in Empfang zu nehmen. Wer als Privatanleger in Rohstoffe investieren möchte, der muss das über „Rohstoff-Futures“ tun, zu deutsch Rohstofftermingeschäfte: Bei einem Termingeschäft vereinbaren Verkäufer (Rohstoffproduzenten, z. B. ein Reisbauer) und ein Abnehmer (z. B. ein Reisgroßhändler) am Tag null die Lieferung und den Verkauf von Waren an einem künftigen Termin, z. B. sechs Monate nach Tag null. Der Preis wird jedoch zwischen den beiden Parteien bereits zu Beginn verbindlich festgelegt, Lieferung und Bezahlung erfolgen jedoch erst zum Termin.

Rohstoff-ETFs und Zertifikate

Ein Rohstoff-Futures-ETF funktioniert im Grunde genauso. Bei ihm nimmt der Privatanleger indirekt die Rolle des Warenkäufers ein. Es existiert jedoch nicht nur ein Sechs-Monate-Kontrakt, wie in unserem Reisbauernbeispiel, sondern viele, die laufend, „rollierend“ erneuert (verkauft und ersetzt) werden, kurz bevor sie auslaufen. Außerdem geht es bei den allermeisten Rohstoff-ETFs nicht nur um einen einzelnen Rohstoff, sondern um eine sachlogisch definierte Gruppe von Rohstoffen (einen Commodity-Futures-Index).

Sogenannte Rohstoffzertifikate posieren als Rohstoffinvestments, sind in Wirklichkeit aber Bankschuldverschreibungen, deren Renditeeigenschaften an einen bestimmten einzelnen Rohstoff oder einen eher willkürlich zusammengewürfelten Korb von Rohstoffen geknüpft ist. Wenn die Bank ausfällt, die das Zertifikat emittiert hat, kommt es vermutlich zu einem hohen Verlust bei solchen Pseudo-Rohstoffanlagen.

Langfristig niedrige Renditen

Die langfristige inflationsbereinigte Preissteigung von Rohstoffen gemessen am Spot-Markt ist sehr niedrig (siehe Tabelle). Diese niedrigen Zahlen werden alle jene überraschen, die glauben, dass Rohstoffe zwangsläufig immer knapper werden und ihre Preise deswegen langfristig unweigerlich steigen.

Auch Rohstoff-Futures sind langfristig wenig ertragreich: Der S&P-GSCI-TR-Index, in den man per ETF investieren kann, produzierte im Zeitraum von 1970 bis 2020 eine laue Realrendite von zwei Prozent p. a. Vollends „inakzeptabel“ erscheint dieses Ergebnis, wenn man es vor dem Hintergrund des enormen Risikos betrachtet, das mit ihm einherging, und wenn man, ferner, das Renditemuster in den fünf einzelnen Dekaden in Augenschein nimmt. In jeder Dekade war die Rendite niedriger als in der vorhergehenden.

Allenfalls die niedrige Korrelation zum MSCI-World-Aktienindex könnte man als kleinen Lichtblick betrachten, aber auch dieser relativiert sich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Korrelation trendmäßig in der jüngeren Vergangenheit deutlich zugenommen hat. Besonders negativ zu bewerten ist, dass die Korrelation zum Aktienmarkt in der Vergangenheit oft in Aktienmarktkrisen stieg und somit die erhoffte Diversifikation genau dann, wenn sie besonders wichtig war, nicht griff. Auch im jüngsten Corona-Crash brachen Rohstoffe genauso stark oder stärker ein als Aktien und im Unterschied zu diesen haben sich Rohstoffe bis heute nur in geringem Maße wieder derrappelt.

Warum fallen die Renditen?

Warum zeigt der Renditetrend bei Rohstoff-Futures so konsistent nach unten?
Erstens, der enorme Rohstoffpreisanstieg in den 1970er-Jahren, der durch die politisch motivierte Ölverknappung seitens der von arabischen Staaten dominierten und damals sehr mächtigen OPEC geschah, lässt sich nicht so leicht wiederholen.

Zweitens, die ab Anfang der 1980er bis heute in den meisten entwickelten Ländern recht kontinuierlich und signifikant fallenden Inflationsraten. Sollte irgendwann einmal die Inflation wieder stark anziehen, dürften Rohstoff-Futures davon renditemäßig profitieren.

Drittens, seit ungefähr 1995 hat die Teilnahme an Rohstoff-Futures-Investments von reinen Finanzinvestoren stark zugenommen. Vorher waren in diesem relativ kleinen Markt nur Rohstoffproduzenten und -händler aktiv.

Fazit

Rohstoffe – sowohl der Spot- als auch der Futures-Markt – hatten historisch niedrige Renditen, kombiniert mit hoher Schwankungsintensität. Zwar weisen Rohstoff-Futures immer noch eine attraktiv niedrige Korrelation zu Aktien auf. Diese ist jedoch unseres Erachtens kein ausreichend starkes Pro-Argument für Rohstoffe als Beimischung in einem Weltportfolio. Dafür sind die Rohstoffrenditen zu niedrig und die Stabilität von Rohstoffen in Aktienabschwüngen zu unzuverlässig. Die Rendite von Rohstoff-Futures könnte in Zukunft nur dann nennenswert steigen, wenn die Inflation deutlich anzieht und/oder es zu einer schweren weltpolitischen Krise kommt, die zu Angst vor Versorgungsengpässen führt.

In Summe halten wir die hier präsentierten Argumente gegen ein Rohstoffinvestment für überzeugender als die Vorteile. Wer dennoch in Rohstoff-Futures investieren möchte, ist gut beraten, einfache Regeln zu beachten: Rohstoffe sollten nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des risikobehafteten Portfolioteils ausmachen und der ETF sollte einen maximal breiten Rohstoffindex abbilden. ETFs auf einzelne Rohstoffe oder Rohstoffgruppen sind aus unserer Sicht aufgrund ihres nochmals erhöhten Risikos eine schlechte Idee.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.