Schutz fürs Klima – Chancen für Anleger

Wer klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre bläst, muss in Zukunft dafür zahlen. GEWINN zeigt auf, wie man als Anleger langfristig davon profitieren kann.

(Foto: Toa55 - GettyImages.com)

CO2 bekommt einen Preis. Genauer gesagt die Emission von Kohlendixod, die nachweislich zu Erderwärmung bzw. dem Klimawandel beiträgt. Und das nicht nur hierzulande in Österreich, sondern in immer mehr Regionen weltweit. Doch was bedeutet das für die Wirtschaft und Börse?

Kosten für Umweltschäden

Mittlerweile zweifelt kein Experte und kaum ein Laie daran, dass die globale Erderwärmung real ist, vom Menschen verursacht wird und unser Leben, wie wir es kennen, gefährdet. Ebenso einig sind sich Experten, dass der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen, hauptsächlich Kohlendioxid, und die damit verbundene Belastung unserer Umwelt einen Preis bekommen muss. Wirtschaftswissenschaftler nennen das „Internalisierung externer Kosten“.

Damit sollten die Kosten umweltschädlichen Verhaltens, die bisher meist von der Allgemeinheit getragen werden, dem Verursacher zugerechnet werden – zum Beispiel einem Kohlekraftwerk. Gleichzeitig möchte man damit einen Lenkungseffekt auf klimafreundliche Alternativen schaffen.

Doch wie gibt man Emissionen einen Preis? „Das einfachste Modell zur C02-Bepreisung ist die Einführung einer neuen Steuer, wie es auch in Österreich geplant ist. Alternativ gibt es den Handel mit Emissionszertifikaten“, erklärt Jörg Moshuber. Er managt den Amundi-Ethik-Mischfonds, der heuer sein 35-jähriges Jubiläum feiert.

CO2-Preise rund um den Globus

Beim Emissionshandelssystem werden Obergrenzen für Unternehmen gesetzt, für das sie eine entsprechende Anzahl an Emissionszertifikaten erhalten. Wer das Kontingent ausschöpft, muss zusätzliche CO2-Zertifikate auf dem Markt erwerben. Die EU hat für bestimmte Wirtschaftssektoren bereits im Jahr 2005 ein entsprechendes Handelssystem eingeführt. „Der EU-Emissionshandel ist das größte System dieser Art auf
Immer mehr Länder führen CO2-Preise ein: der Welt und deckt etwa 40 Prozent der in der EU anfallenden C02-Emissionen ab“, ergänzt Moshuber.

Das österreichische Modell sieht laut Vorschlag der Bundesregierung folgendermaßen aus: Ab 1. Juli 2022 soll pro ausgestoßener Tonne CO2 ein festgelegter Preis an den Staat bezahlt werden. Diese Steuer soll bis 2025 (jährlich) stufenweise erhöht werden. Der Einstiegspreis im Jahr 2022 beträgt 30 Euro pro Tonne, im Jahr 2025 sollen es dann 55 Euro sein.

Doch auch außerhalb Europas tut sich hier was, zuletzt ließ etwa China mit der Einführung einer, wenn auch sehr geringen, CO2-Abgabe aufhorchen. „Die Anzahl der Länder, die eine entsprechende CO2-Bepreisung eingeführt haben, ist in den vergangenen Jahren von neun im Jahr 2005 auf über 60 Initiativen im Jahr 2021 stark angestiegen“, zeigt Daniel Dornel , ETF-Experte bei Lyxor auf. Dennoch seien damit immer noch weniger als 25 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen von CO2-Preisen abgedeckt. „Dieser Markt kann sich daher auch in Zukunft noch weiter stark ausweiten“, ist er überzeugt.

Wer am stärksten betroffen ist

Angesichts dieser Entwicklung wurden bereits in vielen Unternehmen die Taschenrechner gezückt, um den Einfluss der CO2-Preise auf das eigene Geschäft abzuschätzen. Auch Anleger beschäftigen sich mit der Frage, wie groß das CO2-Preis-Risiko für ihre Investitionen ist. Das hängt laut Dornel einerseits von der Menge an CO2-Emissionen, die das Unternehmen verursacht, und andererseits vom Preis ab. Die Prognose der Entwicklung der CO2-Preise sei allerdings sehr schwierig, weil dabei sehr viele Faktoren beachtet werden müssen: „In unseren Szenariorechnungen mit unterschiedlichen Betrachtungszeiträumen bis ins Jahr 2050 zählen Energieunternehmen, Grundstoffunternehmen und Versorger zu den am stärksten betroffenen Sektoren.“ So könnte etwa bei Versorgern bis zum Jahr 2040 das operative Ergebnis (Ebitda) durch CO2-Preise im Durchschnitt um bis zu 60 Prozent reduziert werden. Bis 2030 könnten laut Prognosen 16 Prozent der Unternehmenswerte der im Weltaktienindex MSCI World enthaltenen Unternehmen durch CO2-Preise gefährdet sein.

„Wir wollen damit nicht suggerieren, die genaue Entwicklung berechnen zu können. Aber wir möchten damit aufzeigen, welche Dimension der Einfluss der CO2-Preise auf Unternehmen erreichen könnte“, ergänzt der ETF-Experte. Aus Sicht von Moshuber seien energieintensive Sektoren wie etwa die Stahl- oder Aluminiumproduktion am stärksten betroffen. Man solle aber seiner Meinung nach bei der Frage nach den potenziellen Profiteuren und Geschädigten einer CO2-Steuer nicht nach Sektoren, sondern nach Unternehmen differenzieren.

Profiteure der CO2-Preise

Auf der potenziellen Gewinnerseite finden sich einerseits Unternehmen, die mit ihren Technologien oder Dienstleistungen dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Dazu zählen unter anderem Firmen im Bereich erneuerbare Energien oder Elektromobilität, wie die heimischen Energiekonzerne Verbund oder auch die EVN, die ihre letzte Beteiligung an einem Kohlekraftwerk abgestoßen hat. Oder Autobauer Tesla, der aufgrund seines Fokus auf Elektroautos innerhalb weniger Jahre zum wertvollsten Autokonzern der Welt aufgestiegen ist.

Andererseits profitieren auch Unternehmen aus emissionslastigen Branchen, die ihre eigenen CO2-Emissionen im Vergleich zum Mitbewerb deutlich stärker reduzieren können oder gar eine Transformation zu einem CO2-neutralen Geschäftsmodell glaubhaft umsetzen. Damit können sich Unternehmen aus zweierlei Sicht einen Wettbewerbsvorteil verschaffen: Ers tens reduzieren sie die Kosten und das Risiko der CO2-Bepreisung. Zweitens werden sie von der Börse in einem positiveren Licht gesehen.

„Ørsted ist ein gutes Beispiel dafür. Früher stellte der dänische Energiekonzern mehr als 90 Prozent des Stroms mit fossilen Energiequellen her. 2008 änderte das Unternehmen die Strategie radikal und hat heute die Transformation zur reinen, erneuerbaren Stromerzeugung fast schon geschafft“, berichtete Clemens Klein, Experte für nachhaltige Geldanlage bei der Erste Asset Management, im Rahmen der diesjährigen GEWINN-Messe DIGITAL. Von der Börse wurde diese Strategieänderung jedenfalls begrüßt: Ørsted konnte in den vergangenen Jahren seinen Kurs vervielfachen, während die Aktien der Ölkonzerne im Durchschnitt stagnierten.

Kein kurzfristiger Hype

„Die umweltschonendste Energie ist jene, die man gar nicht erst verbraucht“, warf Hannes Loacker, Manager des Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Fonds, bei der GEWINN-Messe DIGITAL ein. „35 Prozent der Gebäude in Europa sind über 50 Jahre alt. Lediglich ein Prozent pro Jahr wird davon saniert. Hier hat die EU im Rahmen des Green Deals eine Renovierungsoffensive angekündigt.“

Als einer der Profiteure der forcierten Gebäudesanierungen und Dekarbonisierung im Gebäudesektor wird häufig Wienerberger genannt, was dem Aktienkurs ordentlichen Auftrieb beschert hat. Der Weltmarktführer für Ziegel gilt als einer der Technologieführer in diesem Bereich und ließ zuletzt mit einer Partnerschaft mit dem niederländischen Solarpanelhersteller Exasun aufhorchen. Gemeinsam will man mit Solardachziegeln die Stromproduktion nahtlos in Hausdächer integrieren. Auch Kingspan aus Irland oder Steico aus Deutschland, beide Experten für Dämmtechnologien für Gebäude, werden in dem Zusammenhang genannt.

Der starke Rücksetzer bei den Kursen vieler „Öko-Aktien“ irritiert die Fondsmanager dabei nicht: „Es ist kein kurzfristiger Hype, den wir hier in den vergangenen Jahren gesehen haben, das sind alles sehr langfristige Ent-wicklungen“, meint etwa Klein. Loacker ergänzt: „Die Konsoldierung bei erneuerbaren Energien war wichtig. Jetzt geht es nach dieser Übertreibung wieder um das operative Geschäft und da bin ich optimistisch für die Zukunft. Die Energiewende ist gekommen, um zu bleiben, das ist ein Wachstumsmarkt, der sich über Dekaden erstreckt.“

Fonds, ETFs, Zertifikate

Trotz der langfristigen Chancen sind die Risken kurzfristig und vor allem bei einzelnen Unternehmen nicht zu unterschätzen. Davon zeugen auch zahlreiche Pleiten ehemaliger „grüner“ Hoffnungsträger wie etwa Solarworld.

Um das Risiko zu reduzieren, sollten Anleger auf entsprechende Aktienfonds- oder ETFs zurückgreifen, die ihren Fokus auf Klimaschutz, erneuerbare Energien oder generell auf Umweltschutz richten.

Direkt an der Entwicklung der CO2-Preise im EU-Emissionshandel teilhaben kann man zum Beispiel mit Zertifikaten von Vontobel (DE000VX10C02), Société Générale (DE000CU3RPS9) oder mit einem Faktorzertifikat von Morgan Stanley (DE000MC7GAX5, Hebel 3).

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