Sneakers als Investment

Was früher mal „Turnschuh“ genannt wurde, ist heute Kult- und Sammelobjekt. Mit teils ansehnlichen Wertzuwächsen.

Ein Schuhpaar des Berliner Brands Sonra ist derzeit Garant für kräftige Wertsteigerungen. (Foto: Sonra Vienna)

Knapp 1.000 Euro. So viel war Florian Kampelmühler, einem österreichischen Sammler, ein rechter Turnschuh wert! Freilich kein x-Beliebiger, sondern ein Nike Mag aus dem zweiten Teil des Kultfilms „Zurück in die Zukunft“. „Das ist ein Kunstobjekt, manchmal nehme ich den Schuh aus der Box, schalte kurz die Lichter darin an und aus und erfreue mich daran“, schwärmt Kampelmühler. Er machte sein Hobby zum Beruf, heute ist er Leiter der Sneaker Gallery von The 6th Floor im Traditionskaufhaus Steffl in Wien.

Anders als bei anderen Sammelobjekten ist eine Wertanlage in Sneakers allerdings bloß als kurz- bis mittelfristige Wertanlage anzusehen. Schließlich beginnen sie nach 15 bis 20 Jahren nicht selten zu zerbröseln.

Von Yeezy zu Sonra

Innerhalb dieses Zeitrahmens kann aber beim Wiederverkauf ein ordentlicher „Return on Investment“ erzielt werden, sofern man auf der richtigen Modewelle reitet. Paradebeispiel ist US-Rapper Kanye West mit seiner Yeezy-Linie. Schon mit dem ersten Modell im Jahr 2009 begann der Hype. Als Kanye 2013 von Nike zu Adidas wechselte und den ersten Yeezy Boost 750 „Light Brown“ veröffentlichte, erreichte die Yeezy-Welle ihren Höhepunkt – und lässt seither wieder nach. Dafür hat US-Stardesigner Virgil Abloh mit seinem Label Off-White den Yeezy-Zug abgelöst. „Bei Yeezys kann man derzeit noch mit 50 bis 100 Prozent Aufschlag rechnen. Bei sehr gefragten anderen Releases sind es dagegen bis zu 300 Prozent“, weiß Kampelmühler. Besonders groß ist die Chance auf Rendite auch beim Berliner Insider-Brand Sonra. „Bei einem Sonra liegt der Ladenpreis bei rund 300 Euro, im Wiederverkauf bekommt man dafür locker 500 bis 600 Euro“, so Kampelmühler.

Losglück oder anstellen

Auch um die „Jordan 1“-Modelle von Nike gibt es derzeit reichlich Furore. So liegt der Ladenpreis des Jordan 1 Retro High Satin Black Toe bei 160 Euro; im Wiederverkauf kann man dafür bis zu 600 Euro abstauben. Von solchen Investment-Pieces gibt es stets nur wenige Stück.

Um an die gefragten Modelle heranzukommen, muss man meist an einem sogenannten Raffle teilnehmen, bei dem das Kaufrecht für limitierte Modelle verlost wird. Das kann sowohl online als auch „instore“ passieren. Teils beim jeweiligen Brand (Hersteller) selbst, häufiger aber über spezialisierte Läden. „Ein Raffle veranstalten wir, da es der fairste Weg ist, unseren Kunden die Chance des Schuhkaufs zu ermöglichen“, schildert Jim Beam Villacorte, Assistant Manager von Solebox Wien, ebenfalls eine Topadresse für rare Sneakers. Pro Raffle erwartet er bis zu 500 Teilnehmer. Die andere Variante: „Wir können die große Nachfrage auch mit einem „First Come First Serve“ lösen, bei dem man sich vor dem Store anstellt und gegebenenfalls campiert“, schildert Villacorte.

Wo verkaufen: Sneakers-Börse StockX

Hat man ein begehrtes Sneakerspaar ergattert, stellt sich die Frage: Wie erwischt man das richtige Momentum für den Wiederverkauf? Dazu gibt es keine Faustregel. Schuhe können nicht nur zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unfassbar begehrt sein, Wertsteigerungen sind auch noch später drin, beispielsweise wenn ein Star den Schuh trägt. Wie volatil der Markt ist, zeigt die amerikanische Sneaker-Börse StockX (www.stockx.com).

Für erfolgreiches Resellen bieten sich neben StockX auch Plattformen wie Ebay oder Klekt (www.klekt.com) an sowie Gruppen in sozialen Medien.

Auch auf Sneaker-Messen wird fleißig ge- und verkauft,  Websites wie sneakerness.com,  sneakercon.com oder auch hypercon.eu halten Interessierte stets auf dem Laufenden.

Bleibt eine Frage: Darf man die Sneakers seiner Träume jemals überhaupt anziehen, um sich nicht jede Chance auf gewinnbringenden Weiterverkauf zu verbauen? Dazu Kampelmühler: „Ich habe schon zerschlissene Sneakers gesehen, die einen höheren Preis erzielt ­haben als frisch im Retail.“

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