Wienerberger ist zurück auf dem Wachstumspfad

Der Ziegelproduzent hat seit der Finanzkrise einen steinigen Weg beschritten. Nun sieht das Unternehmen bis 2020 wieder hohe Ertragspotenziale.

Mit Wienerberger ging es zuletzt steil bergauf. 2015 zählt die Aktie mit einem Plus von 48,14 Prozent (per 16. 12.) zu den best performen- den Wiener Titeln. (Fot: Wienerberger AG, Kurs: Teletrader.com)

Wienerberger ist der größte Ziegelproduzent weltweit und Marktführer bei Tondachziegeln in Europa sowie bei Betonflächenbefestigungen in Zentral- und Osteuropa. Bei Rohrsystemen (Steinzeugrohre der Marke Steinzeug-Keramo und Kunststoffrohre der Marke Pipelife) zählt das heimische Unternehmen zu den führenden Anbietern in Europa. Wienerbergers langjähriger Erfolgsphase bereitete die Finanzkrise 2008/09 ein jähes Ende. Ist von 2001 bis 2009 der um Sonderposten bereinigte Gewinn je Aktie noch jedes Jahr in Folge von 0,83 auf 3,46 Euro gestiegen, schrieb der Baustoffproduzent von 2009 bis 2014 (mit Ausnahme 2011) stets Verluste. 

Er litt unter den massiven Rückgängen auf dem Wohnungsneubaumarkt. „In vielen Ländern, in denen die Wienerberger tätig ist, kam es zu Rückgängen von über 60 Prozent wie etwa in Amerika, aber auch in Osteuropa, unter anderem in Ungarn“, berichtet Wienerberger-Sprecherin Karin Steinbichler. „Die Erholung dieser Märkte schreitet nur langsam voran. Wienerberger musste starke Einschnitte in seinem Produktionsnetzwerk machen. Man hat sich an diese neuen Marktgegebenheiten angepasst.“

Der Einbruch im Wohnungsmarkt schlug sich auch auf die Bilanz nieder. Restrukturierungen und Firmenwertabschreibungen belasteten, wobei jedoch viele Verluste nur auf dem Papier entstanden sind. Ihnen standen keine Geldabflüsse gegenüber. Im vierten Quartal 2014 lagen beispielsweise die Wertberichtigungen bei rund 208 Millionen Euro, was im Gesamtjahr zu einem Verlust nach Steuern von 170 Millionen Euro führte. Ohne Berücksichtigung dieser einmaligen Aufwendungen wäre jedoch das Ergebnis nach Steuern mit mehr als 37 Millionen Euro deutlich positiv gewesen.

Operativ stimmt die Entwicklung: Wienerberger erwirtschaftete 2014 einen Rekordumsatz von 2,8 Milliarden Euro, das EBITDA (operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen) stieg um 19 Prozent auf 317 Millionen Euro und übertraf damit die Zielvorgabe. Im ersten Halbjahr 2015 setzte sich die positive Entwicklung weiter fort, bis im dritten Quartal die Wachstumsdynamik nachließ.

Besseren Zeiten entgegen

Fixkostensenkungen und die Erschließung neuer Geschäftsfelder sollen Wachstum aus eigener Kraft ermöglichen. „Neben dem Ziegelgeschäft sind Pipelife, europäischer Kunststoffrohrproduzent, Steinzeug-Keramo, Spezialist für Steinzeugrohre, und Semmelrock, Experte für Flächenbefestigungen, zu wichtigen Standbeinen geworden“, betont die Wienerberger-Sprecherin. „Damit haben wir unsere Abhängigkeit vom Wohnungsneubau verringert und uns breiter in den weniger konjunktursensiblen Bereichen Renovierung und Infrastruktur aufgestellt.“

Auch der Öko-Trend bei Baustoffen wird berücksichtigt. Steinbichler: „Mit unserem hochwärmedämmenden Ziegel können beispielsweise Gebäude ohne Zusatzdämmung gebaut werden.“ Mittlerweile fallen bereits rund ein Viertel der Umsätze auf innovative Produkte. So aufgestellt sieht Wienerberger bei Normalisierung der Nachfrage 2020 auf Gruppenebene ein Umsatzpotenzial von rund vier Milliarden Euro und ein operatives EBITDA von über 600 Millionen Euro – eine gute Basis für fette Dividenden. Denn: Künftig wird die Dividende an den freien Cashflow gekoppelt sein. Ziel ist es, zwischen zehn und 30 Prozent des Free-Cashflows auszuschütten.

Fazit: Starker Cashflow, niedrige Verschuldung und eine geringere Konjunkturabhängigkeit sprechen bei der aktuellen Bewertung für ein Investment.

Wienerberger in Zahlen

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