„Wir haben inzwischen Angebote von 88 Banken auf unserer Sparen-Plattform“

Tamaz Georgadze hat mit vier Jahren Erwachsene im Schach geschlagen, mit 15 sein Volkswirtschaftsstudium abgeschlossen und mit Mitte 30 Weltsparen (Raisin) gegründet. Warum man dort vergleichsweise hohe Zinsen bieten kann, erklärt er im Gespräch mit GEWINN am Rande des Web-Summit 2019 in Lissabon.

Tamaz Georgadze, Raisin (Weltsparen): „Insgesamt sind in Europa über 13 Billionen Euro in Bankeinlagen. Das entspricht etwas mehr als dem gesamten liquiden Haushaltsvermögen.“ (Foto: Lukas Schramm)

GEWINN: Warum können Sie über Ihre Plattform www.weltsparen.at vergleichsweise hohe Sparzinsen anbieten? So werden für  täglich fällige Sparguthaben bis zu 0,65 Prozent p. a. und für ein Jahr gebundenes Festgeld bis zu 1,16 Prozent p. a. geboten.

Georgadze: Das hat sehr unterschiedliche Gründe. Zum einen bewirbt ja normalerweise eine Bank nur ihre Sparprodukte, durch unseren Marktplatzansatz haben wir inzwischen Angebote von 88 Banken auf unserer Sparen-Plattform. Dadurch haben wir mehr Wettbewerb und die Banken müssen sich mit guten Konditionen um die Sparer bemühen. Viele dieser Partnerbanken haben keinen direkten Kundenzugang oder sind spezialisierte Anbieter wie etwa Grenke Leasing aus Deutschland. Die sind auf diese Art der Refinanzierung eher angewiesen als die traditionellen Banken und sind damit in der Regel bereit, mehr für Retaileinlagen zu bezahlen als jetzt die großen Namen wie die Erste Bank, Unicredit Bank Austria.

GEWINN: Viele dieser Banken müssen wahrscheinlich auch aufgrund einer im Vergleich zu großen etablierten Banken schlechteren Bonität mehr für Spareinlagen bieten.

Georgadze: Ja, der Markt verlangt es. Dann gibt es auch noch schwedische und norwegische Anbieter, die in der Euro-Zone Darlehen vergeben, aber sich in ihrer Heimat über andere Währungen als den Euro refinanzieren. Für die ist es wichtig, das in der Bilanz auszugleichen. Deshalb sammeln sie über uns Euro-Einlagen ein. Und  es gibt  Anbieter aus kleinen Ländern wie Estland oder Luxemburg, wo es keine Kapitalmärkte gibt oder die Bank nicht groß genug ist, um eine Euro-Bond-Emission zu machen. Für die ist unsere Plattform auch ein Kanal, den sie gerne nutzen, auch wenn es für sie etwas teurer ist.

GEWINN: Treffen Sie eine Auswahl oder nehmen Sie jede Bank auf Ihre Plattform auf?

Georgadze: Wir achten schon darauf, mit wem wir es zu tun haben. Wir vermeiden es, Banken zu wählen, von deren Geschäftsmodell wir selbst nicht überzeugt sind. Wir haben schon Banken abgelehnt, die nicht ausreichend Kapital vorweisen konnten, wo die Eigentümerstruktur unklar war oder die sich im Verkauf befanden. Ansonsten arbeiten wir gerne mit allen Banken zusammen, weil wir den Plattformgedanken ernst nehmen.

GEWINN: Was passiert, wenn Sie dennoch mal eine Bank erwischen sollten, die in Zahlungsschwierigkeiten kommt?

Georgadze: Auf unserer Plattform sind die Einlagen pro Bank und Kunde auf 100.000 Euro limitiert. Damit sind Sparguthaben immer in der Einlagensicherung, die mindestens 100.000 Euro pro Kunde und Bank absichert.

GEWINN: Wie lange muss man im Fall einer Einlagensicherung warten, bis man sein Geld bekommt?

Georgadze: Das ist gesetzlich geregelt. Derzeit muss die Einlagensicherung das Geld binnen 15 Arbeitstagen überweisen. Ab 2021 binnen zehn und spätestens ab 2024 binnen sieben Arbeitstagen.

GEWINN: Wie viel muss man als Kunde mindestens anlegen?

Georgadze: Wir haben Anbieter, die bereits bei mehreren hundert Euro anfangen. Es gibt in Deutschland sogar ein Angebot, das ab einem Euro anfängt. Es gibt aber auch Anbieter, die 2.000 oder 5.000 Euro Mindestsumme  für eine Festgelderöffnung verlangen. Wir versuchen, diese Mindestanlagesummen unserer Partnerbanken konsequent zu drücken. Bei unserem Start war die Mindestanlagesumme bei 10.000 Euro – mittlerweile liegen diese meistens deutlich darunter.

GEWINN: Wie lange sind die Mindestlaufzeiten beim Festgeld?

Georgadze: Das wählen die Banken selbst aus. Sie bieten aktuell Festgeldangebote von drei Monaten bis zu zehn Jahren Laufzeit. Sogenannte Flexigelder sind Festgeldangebote, die aber laufend gekündigt werden können, falls man das Geld dringend braucht.

GEWINN: In welchen Währungen kann man sparen?

Georgadze: In Deutschland bieten unsere Partner mit US-Dollar oder Norwegischer Krone mehrere Währungen, in denen man sparen kann. In Österreich derzeit nur Euro.

GEWINN: Warum ist die österreichische Addiko Bank auf Ihrer Plattform in Deutschland, aber nicht in Österreich vertreten?

Georgadze: Es kommt häufig vor, dass Banken in ihrem Heimatland den Markt direkt und im Ausland über unsere Plattform abdecken.

GEWINN: Wer trägt die Kosten für Ihren Service?

Georgadze: Unsere Kosten werden von den Banken getragen. Die Kunden zahlen nichts extra.Wir verrechnen eine Vermittlungsprovision, die über alle Banken vergleichbar ist und somit für uns keinerlei Anreize bietet, irgendwelche Angebote besonders hervorzuheben. Bei uns kann man einfach alle Angebote objektiv alphabetisch oder nach Zinsen oder Bonität des Landes sortieren. Aus unserer Sicht ist es auch nicht erheblich, ob der Kunde das Angebot verlängert oder die Bank wechselt. Wir haben daher keine wirtschaftlichen Anreize, unsere Kunden in die eine oder andere Richtung zu lenken.

GEWINN: Sie bieten in Deutschland ETF-Sparpläne und Altervorsorge an, warum nicht in Österreich?

Georgadze: Leider sind die Finanzmärkte in Europa noch immer nicht harmonisiert. Das hindert uns daran, gewisse Produkte schnell in andere Länder zu bringen. Die ETFs wären zwar gleichermaßen handelbar, aber schon allein die Steuerabführung ist unterschiedlich geregelt. Und bei unseren Vorsorgeprodukten ist das noch schlimmer, weil hier der rechtliche Rahmen ein anderer ist und Riester- und Rürup-Rente außerhalb von Deutschland nicht  existieren. Natürlich ist es unser Plan, dass wir nicht nur in Deutschland, sondern europaweit ein One-Stop-Shop für Spar- und Investment-Services werden.

GEWINN: Wie groß ist der europäische Markt für Sparen, wie hoch ist Ihr Volumen?

Georgadze: Insgesamt sind in Europa über 13 Billionen Euro in Bankeinlagen. Das entspricht etwas mehr als dem gesamten liquiden Haushaltsvermögen. Wir selbst haben bis-her in Summe 17 Milliarden Euro Kapital vermittelt und kratzen damit noch an der Oberfläche (lacht).Wir haben aktuell über 200.000 Kunden. Die größten Märkte für uns sind in der Reihenfolge Deutschland, Groß-
britannien, Spanien, Holland, Irland, Österreich.

GEWINN: Wie viele Kunden haben Sie davon in Österreich?

Georgadze: Derzeit noch im einstelligen Tausenderbereich. Wir sind mit großen Hoffnungen auf den Markt gekommen. Ich glaube aber, dass wir schneller wachsen könnten. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist Österreich, was Spareinlagen anbelangt, schon ein kompetitiverer Markt. Es gibt Anbieter, die auch in Österreich attraktive Zinsen anbieten. Zum Beispiel bieten die Addiko, ING oder Kommunalkredit bessere Zinsen als in Deutschland. Zweitens hängt die Nutzung von digitalen Angeboten und Online-Zinsvergleichen ein bisschen hinter Deutschland nach. Und drittens sind wir zwar in Deutschland schon sehr präsent in den Medien, aber nicht so sehr in Österreich.

GEWINN: Sie sind in 30 Ländern aktiv. ­Planen Sie eine weitere Expansion?

Georgadze: Ja, wir arbeiten gerade an unserer US-Expansion. Wir haben ein kleines Team vor Ort. Wir schließen gerade Vorverträge mit Banken ab und wollen nächstes Jahr einen Marktstart wagen.

GEWINN: Derzeit redet die ganze Bankenbranche von „Open Banking“. Gibt es Banken, die Ihren Service in ihr Angebot einbinden? Auch in Österreich?

Georgadze: Ja, immer mehr Banken integrieren unsere Plattform in ihr Angebot wie etwa die Commerzbank, N26 oder zuletzt Scaleable Capital. In Österreich ist das bisher noch nicht der Fall. Wir sind zwar mit Banken im Gespräch, aber das braucht seine Zeit.

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