„Wir werden Verbrennungsmotoren noch lange brauchen!“

Charlie Thomas, Jupiter Investments, erklärt im Gespräch mit GEWINN, welche die aktuell größten Herausforderungen der ­Menschheit sind, und wie man als Anleger davon profitieren kann.

Foto: Pepo Schuster, austrofocus.at

GEWINN: Laut Fondsstrategie investieren Sie in Unternehmen, die in irgendeiner Weise eine Lösung für die größten Herausforderungen unserer Zeit liefern. Was sind denn die größten Herausforderungen unserer Zeit?
Thomas: Zu den größten Herausforderungen zählen zweifellos der Klimaschutz, Wasser und die Urbanisierung. Und diese Themen werden immer stärker mit einander verknüpft. Wenn wir etwa heute ein Solarkraftwerk bewerten, dann achten wir in ers­ter Linie darauf, wie viel „grüne“ Energie dieses Kraftwerk produziert. In Zukunft wird es aber mindestens so entscheidend sein, dass dieses Solarkraftwerk deutlich weniger Wasser als etwa Atomkraftwerke verbraucht. Denn in Zeiten von steigender Wasserknappheit wird Wasser deutlich an Wert gewinnen.

GEWINN: Nach welchen Kriterien wählen Sie jetzt Investments aus, die im Kampf gegen den Klimawandel helfen sollen?
Thomas: Klimaschutz ist definitiv ein entscheidendes Thema, bei dem es eine große Bandbreite an Investmentthemen gibt, die von erneuerbaren Energien bis hin zu „faden“ Themen wie etwa Energieeffizienz reicht. Versuchen Sie einmal, jemanden für einThema wie „thermische Isolierung“ zu begeistern! (lacht) Aber es liefert einen wesentlichen und sehr unmittelbaren Beitrag zum Klimaschutz. Denn sobald die Isolierung angebracht ist, sparen Sie damit Geld und reduzieren die CO2-Emissionen.

GEWINN: Die Solarindustrie, ein Investmentthema, mit dem viele Anleger viel Geld verbrannt haben, erlebt ja wieder einmal einen Boom.
Thomas: Ja, aber wir sind generell sehr vorsichtig bei Investments in die Solarbranche. Zunächst einmal sinken die Preise weiterhin, und die Margen geraten damit unter Druck. Außerdem ändert die Politik ständig die Rahmenbedingungen in diesem Markt. Und zu guter Letzt sind viele Unternehmen in dieser Branche einfach zu hoch verschuldet. Wir sind daher aktuell nur in einem Solarunternehmen, nämlich First Solar, investiert. Das US-Unternehmen produziert hoch effizient Photovoltaik­anlagen und kann im Unterschied zu vielen anderen Unternehmen dieser Branche eine solide Bilanz vorweisen. Was uns aber sehr wohl an Solarenergie fasziniert, ist die Tatsache, dass die Entwicklung dieser Technologie noch lange nicht abgeschlossen ist. In den letzten zehn Jahren sind die Kosten für Solarpaneele um 85 Prozent gesunken, aber das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

GEWINN: Auch das Thema Elektromobilität erlebt zum wiederholten Male einen Boom.
Thomas: Ja, wir sehen diese Technologie derzeit tatsächlich am Wendepunkt zur Massenverbreitung. Aber selbst dann, wenn der Anteil der Elektroautos in näherer Zukunft 25 Prozent erreichen sollte, werden immer noch 75 Prozent der Autos von einem Verbrennungsmotor angetrieben. Diese Motoren müssen daher Teil der Lösung sein und damit deutlich sauberer sein als heute. Und weil viele Inves­toren Verbrennungsmotoren fälschlicherweise komplett abgeschrieben haben, finden wir hier sehr günstig bewertete Unternehmen. Wir sind zum Beispiel investiert in Johnson Matthey, einen britischen Hersteller von Partikelfilter für Dieselmotoren. Wir werden Verbrennungsmotoren noch lange brauchen.

GEWINN:  Zu den entscheidensten Teilen eines Elektroautos zählen die Batterien.
Thomas: Ja, aber wir sind sehr zurückhaltend bei Unternehmen in diesem Bereich. Hier wiederholt sich eine ähnliche Geschichte wie im ersten Solarenergie-Boom, der in vielen Pleiten endete. Eine eigene Batterieproduktion ist für viele Staaten eine Sache des nationalen Stolzes und wird daher in China, Korea, Japan und vielen anderen Ländern massiv unterstützt. Damit werden die Preise für Batterien stark sinken. Das ist zwar gut aus Sicht der Konsumenten, aber schlecht für die Hersteller. Die größten Investmentchancen liegen möglicherweise nicht bei den Batterieherstellern, sondern bei den Zulieferbetrieben. Wir hal-ten zum Beispiel Aktien von Umicore, dem Weltmarktführer für Batteriekathoden aus Belgien.

GEWINN: Ist die Aktie von Tesla für Sie ein interessantes Investment?
Thomas: Nein, wir waren in Tesla nie inves­tiert, weil das Unternehmen unsere hohen Anforderungen in Bezug auf die Unternehmensführung nicht erfüllt.  Davon abgesehen sind wir generell weniger an Autoherstellern, sondern eher an Zulieferunternehmen wie etwa Infineon interessiert. Dieser Markt für spezielle Halbleiter und Sensoren wird von nur zwei Firmen kontrolliert und die Eintrittsbarrieren sind enorm. Das ist ein weit weniger riskanter Weg, um in Elektromobilität zu investieren.

GEWINN: Wie interessant ist das Thema Wasser aus Sicht eines Investors?
Thomas: Wasser ist ein wunderbares ­Anlagethema für die nächsten 20 Jahre. Trotzdem haben wir nur fünf Prozent des Portfolios in Unternehmen in diesem ­Bereich investiert. Nicht etwa, weil Wasser nicht spannend wäre. Sondern, weil es kaum investierbare Unternehmen in diesem Bereich gibt. Wasser als Anlagethema wurde vom Nischenprogramm zum Mainstream, weshalb hier sehr viel Geld in wenige Unternehmen fließt. Das hat die Kurse in die Höhe getrieben. Wenn hier die Bewertungen wieder sinken sollten, werden wir bestimmt stärker investieren. Derzeit halten wir Aktien von Xylem. Dieses US-Unternehmen bietet Produkte und Dienstleis­tungen, die den gesamten Wasserkreislauf abdecken, angefangen bei der Sammlung, Verteilung und Nutzung bis hin zur Rückführung von Wasser in die Umwelt.

GEWINN: Immer mehr Menschen wohnen in Städten. Welche Herausforderungen und Investmentchancen entstehen daraus?
Thomas: In erster Linie stellt die steigende Urbanisierung die Infrastruktur ziemlich unter Druck. Denn gleichzeitig steigen immer mehr Menschen wirtschaftlich in die Mittelschicht auf, was ja an sich sehr erfreulich ist. Aber was zum Beispiel wünscht sich eine Familie aus der Mittelschicht in Indien am meisten? Eine Waschmaschine! Damit vervierfacht sich aber der durchschnittliche Wasserverbrauch. Sie können sich vorstellen, welche Herausforderung das für die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in indischen Städten darstellt. Ein zweites Thema ist die Mobilität. Wir investieren daher in Unternehmen, die vom Ausbau des öffentlichen Verkehrs profitieren. Wie zum Beispiel das britische Verkehrsunternehmen National Express, das in Europa, Nordafrika, Nordamerika und im Mittleren Osten Bus- und Bahnverbindungen anbietet. Dieses Unternehmen bietet vier Prozent Dividendenrendite und sehr stetiges Wachstum.

GEWINN:  Kritiker schätzen „nachhaltige“ Investments nur als kurzlebiges Modethema ein. Was denken Sie?
Thomas: Wir beobachten einen Vermögens­transfer von der Babyboomer-Generation zu den Millennials. Und die wollen zu 80 Prozent, dass ihre Investments auch einen Nutzen für Umwelt und Gesellschaft bringen. Dabei geht es um Billionen Euro weltweit.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.