Die Roboter-Revolution

Immer mehr Hightech-Unternehmen tüfteln am mechanischen Menschen der Zukunft. Davon können Privatanleger jetzt auch mit speziellen Roboter-Aktienfonds und -ETFs profitieren.

Sicherheitsroboter „K5“ der US-Firma Knightscope sind schon vielerorts auf Patrouille Manchmal gibt’s aber auch noch Pannen, wie der Vorfall in einem US-Einkaufszentrum gezeigt hat, wo unlängst ein „K5“ in den Zierteich gefallen ist (Foto: Knightscope Inc.)

In den weiten Gängen des US-amerikanischen Einkaufszentrums Washington Harbor Mall ziehen sie normalerweise keine neugierigen Blicke mehr auf sich. Die zwei mechanischen Sicherheitsbeamten K5 der Firma Knightscope sind schließlich längst ein fixer Bestand des Shopping-Alltags geworden (siehe Bild oben). Doch Mitte Juli mussten verblüffte Kunden mitansehen, wie ein Exemplar des „Robocop“-Duetts zielstrebig in den Zierteich des Kaufhauses gerollt und ertrunken war. Wie es zu der Kurzschlusshandlung kam, das ist bislang nicht geklärt.

Noch am Beginn der Revolution

Diese kleine Anekdote verdeutlicht zwei Entwicklungen: Erstens, Roboter haben bereits Einzug in die verschiedensten Bereiche unseres Alltags gehalten. Sie können heute schon erstaunlich viele Funktionen im Beruf, in der Wirtschaft, im Haushalt und der Freizeit übernehmen, wie weitere Beispiele auf den Folgeseiten zeigen. Zweitens führt diese Geschichte vor Augen, dass die Revolution in der Robotikwelt erst am Anfang eines langfristigen Trends steht, der noch längst nicht ausgereift ist. Womit ein Großteil des Marktpotenzials noch vor uns liegt: Dem US-Branchenberater Myria Research zufolge dürften bis 2025 die weltweiten Umsätze immerhin rund 1,2 Billionen US-Dollar erreichen. Derzeit ist der Markt 64 Milliarden US-Dollar schwer, was gerade einmal einem Zwangzigs­tel des Potenzials entspricht.
TOP-GEWINN hatte bereits letzten September auf das große Potenzial bei Roboter-Aktien hingewiesen. Mittlerweile gibt es eine Auswahl an speziellen Roboter- und Künstliche-Intelligenz-Fonds und -ETFs, mit denen auch Kleinanleger breit gestreut in das riskante, aber chancenreiche Thema investieren können.

Übersicht über Robo-Fonds und -ETFs

Unternehmen, die sich im Bereich Robotik und Künstliche Intelligenz betätigen, haben eine große Zukunft vor sich. Aber welche Unternehmen einmal das Rennen machen werden, ist derzeit noch vollkommen unklar. Daher sollten interessierte Anleger möglichst breit gefächert mittels ETFs oder Fonds auf dieses Anlagethema setzen. Denn gerade in einer aufstrebenden Branche gibt es interessante Chancen. Genauso groß ist aber auch die Gefahr eines Fehlgriffs.

GEWINN liefert eine Übersicht über das aktuell verfügbare Angebot und die unterschiedlichen Strategien, um von diesem Trend möglichst stark zu profitieren. Wie bei allen Aktieninvestments sollte man bei diesem Thema ohnedies nur langfristig investieren, und das nur mit einem Teil seines Geldes. Auch sollte man mögliche Währungsschwankungen nicht übersehen, zumal Aktien aus den USA und Japan besonders hohe Gewichtungen in diesen ETFs und den Fonds einnehmen.

Pioniere der Robo-Fonds

Als einer der Pioniere in diesem Bereich zählt das US-Unternehmen Robo Global, das spezielle Aktienindizes entwickelt hat, die auf den Megatrend Robotik, Automatisation und künstliche Intelligenz setzen. Bereits 2013 lancierte das Unternehmen den Robo-Global-Robotics-and-Automation-Index, eine Messlatte mit entsprechenden Branchenaktien für US-Anleger. 2014 folgte eine eigene Version des Index nach europäischem Recht. Interessierte können auf den Index mittels eines börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Fund, kurz ETF), der den Index abbildet, setzen. Er wird von der UK-Finanzgesellschaft ETF Securities angeboten.

Weil es grundsätzlich bei ETFs keine Fondsmanager gibt, die aktive Entscheidungen treffen, sind die jährlichen laufenden Kos­ten geringer als bei aktiv verwalteten Fonds. Dafür müssen Anleger die recht rigiden Selektionskriterien im Index in Kauf nehmen.

Rundumschlag der Roboter

„Einerlei ob im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft oder in der Altenpflege, die Einsatzmöglichkeiten von Robotik werden immer vielfältiger“, umreißt Richard Lightbound, Europa-Chef bei Robol Global die Einsatzmöglichkeiten von Robotern (siehe auch Interview auf Seite 23) und nennt einige Beispiele: Dank des Roboteranzugs von Cyberdyne (JP3311530004) aus Japan können Patienten etwa nach einem Schlaganfall wieder gehen lernen. Der sensible Kommunikations-Roboter „Pepper“ von der japanischen Softbank Group (JP3436100006 ) steht wiederum älteren Menschen zur Seite. Er erinnert dabei nicht ganz zu unrecht an „C-3PO“, den Roboter aus den Star-Wars-Filmen.

Besonders ins Auge sticht Lightbound derzeit die Logistikbranche: „Der Online-Handel wächst jährlich um gut 14 Prozent. Um sich erfolgreich durchzusetzen, muss man auf die Automatisierung setzen.“ So macht es beispielsweise Amazon (US0231351067) schon seit einigen Jahren. Denn 2012 hatte der Online-Händler aus den USA den Roboterhersteller Kiva gekauft. Seither flitzen die kleinen, flachen Metallkollegen durch die Lagerhallen, um Pakete zu schlichten.

Künstliche Intelligenz

Dabei werden Technologien nicht nur bei Robotern laufend weiterentwickelt. Auch im Bereich der künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence bzw. A. I. im englischen Fachjargon) haben zuletzt neue, bahnbrechende Trends für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Denn Roboter sammeln jede Menge Daten. Nun sollen sie damit auch selbständig denken lernen und eigene Schlüsse daraus ziehen können. Verständlich, dass bereits einige Großkonzerne wie facebook (US30303M1027) oder Google-Mutter Alphabet (US02079K3059) am Einsatz von A.I. arbeiten.

Beide Konzerne wollen damit etwa die Suchdienste und Bilderkennungsprogramme verbessern. Reine Branchenplayer wie Nvidia (US67066G1040) tüfteln wiederum an „intelligenten“ Chips.

Breiter Index als Basisinvestment

Gerade weil aber eine ganze Reihe an Unternehmen von den rasanten Entwicklungen profitieren will, „lässt sich nur schwer prognos­tizieren, wer auch künftig die Nase vorne haben wird“, begründet Lightbound, weshalb der Robo-Global-Robotics-and-Automation-UCITS-Index mit seinen aktuell 83 Aktien derart breit aufgestellt ist.
Rund die Hälfte der enthaltenen Unternehmen mischt dabei im Bereich „Technologie“ mit. Hier geht es zum Beispiel um die Herstellung von Sensoren für Roboter, damit sie Dinge ertasten können. Die andere Hälfte des Indexes teilt sich auf Unternehmen aus dem Bereich „Anwendungen“ auf. Dabei geht es um den Einsatz der Roboter, beispielsweise in der Industrie. 40 Prozent des Portfolios entfallen dabei auf Unternehmen, deren Kerngeschäft sich rein um Robotik dreht (sogenannte „Bellwether“ oder „Pure Player“). Sie werden jeweils mit zwei Prozent gewichtet. Die restlichen 60 Prozent entfallen auf Unternehmen, bei denen zumindest ein wesentlicher Umsatzanteil dem Trend gewidmet ist. Sie werden mit einem Prozent gewichtet. Der Index wird einmal pro Quartal aktualisiert.

Aktuell zählt zu den größten Positionen der US-Drohnenhersteller Aerovironment (US0080731088), Harmonic Drive Systems (JP3765150002), ein japanischer Hersteller einer speziellen Antriebstechnik für Indust­rieroboter, und Omron Corporation (JP3197 800000). Letzteres Unternehmen ist ebenfalls aus Japan und stellt medizinische Therapie- und Gesundheitsüberwachungsgeräte her.

Weitere Robo-ETFs

Seit gut einem Jahr hat der Roboter-ETF von ETF-Securities mit dem iShares Automation & Robotics ETF Konkurrenz bekommen. Er bildet den iSTOXX FactSet Automation & Robotics-Index ab. Um darin aufgenommen zu werden, müssen die Unternehmen zumindest 50 Prozent ihres Umsatzes in den Bereichen Robotik oder Automatisierung erzielen, wobei es bislang 103 Titel durch den strengen Filter geschafft haben. Hier findet die regelmäßige Indexüberprüfung nur einmal jährlich statt, bei der sichergestellt wird, dass alle Aktien mit einem Prozent gleich gewichtet sind.

Besonders zugelegt haben in letzter Zeit etwa die UK-Firma Imagination Technologies (GB0009303123, Halbleiter- und Softwareentwickler) sowie die Haitian International Holdings (KYG4232C1087). Das Unternehmen mit Sitz in Hongkong stellt Kunststoff Spritzgießmaschinen für Hightech-Anwendungen her.

Aktive Fonds ziehen nach

Auch die Welt der aktiv gemanagten Fonds mischt in dem aufstrebenden Trend längst mit. Einer der Vorreiter unter den aktiven Aktienfonds ist die Schweizer Pictet Asset Management. Sie lancierte im November 2015 ein entsprechendes Produkt. Insgesamt drei Hauptthemen werden dabei abgedeckt, zu denen etwa der Bereich der Basistechnologien („Enabling Technologies“, oder jene Komponenten, die es Roboter ermöglichen zu agieren) zählen.

Mit 42 Prozent nimmt der Bereich auch die größte Gewichtung ein, gefolgt von der Industrieautomatisierung sowie dem Bereich der Konsum- und Serviceanwendungen.

Dabei hat die Dreiteilung durchaus einen handfesten Grund: „So wird die gesamte Wertschöpfung abgedeckt“, meint Pictet-Investmentspezialist Alexandre Mouthon. Bei der Aktienauswahl hat man sich – theoretisch – jedenfalls eine Menge Spielraum eingeräumt. Unternehmen müssen lediglich 20 Prozent ihres Umsatzes im Bereich Robotik oder Auto­matisierung erzielen. In der Praxis wird die Quote im Portfolio aber weit übertroffen. Sie liegt bei mehr als 70 Prozent.

Dazu zählen Unternehmen wie die japanische Firma Fanuc (JP3802400006), die Industrieroboter herstellt, Intuitive Surgical (US46120E6023) aus den USA (baut chirurgische Roboter) oder iRobot (US4627 261005), dessen Roboter selbständig Staub saugen oder den Boden wischen.

Japan als Vorreiter

Allerdings steht Pictet nicht allein da. Heuer wurden zwei neue Branchenfonds aufgelegt. Wobei AXA erstmals im Dezember 2015 gemeinsam mit dem japanischen Partner einen Robotech-Fonds nur für Nippons Inves­toren aufgelegt hatte, quasi ein Probelauf im Land der Roboter. Schließlich ist dort die Zahl der Industrieroboter pro 10.000 Arbeiter mit 314 Stück besonders hoch. Was aber nicht immer so bleiben muss. Denn das stärkste Wachstum verzeichnet derzeit China, ein Umstand, der auch dem Schwellenländer-Anteil im AXA World Funds Framlington Robotech zugute kommen dürfte, ist das Fondsmanagement überzeugt.

Insgesamt umfasst der Fonds 40 bis 60 Aktien aus vier Bereichen. Rund 35 Prozent des Portfolios entfallen jeweils auf die Indust­rieautomatisierung und Basistechnologien, weitere 15 Prozent teilen sich je auf das Transport- sowie das Gesundheitswesen auf. Daraus ergibt sich eine besonders hohe Gewichtung aus kleinen und mittelgroßen Werten. Nebst Schwergewichten wie Amazon und Alphabet gehören deshalb auch die französische Valéo (FR0013176526, Automobilzulieferer) oder Cognex (US1924221039) aus den USA, die Barcode-Lesegeräte herstellt, zu den größten Positionen.

Selbstfahrende Autos

Im Candriam Robotics & Innovative Technology Fund ist die Definition etwas breiter gefasst. So spielen nebst der Robotik auch innovative Technologien eine große Rolle. Denn gerade hier finde ein überdurchschnittliches Wachstum statt, betont Fondsmanager Johan Van Der Biest und verweist in dem Zusammenhang auf Bereiche wie die künstliche Intelligenz, das Geschäft mit der Datenspeicherung, der Weiterentwicklung des Internets, aber auch auf die Chancen im Bereich der selbstfahrenden Autos.

Heraus kommt ein Portfolio von gut 50 Aktien, wobei zwei Drittel auf den IT-Bereich entfallen, mit Unternehmen wie Palo Alto Networks (US6974351057) oder Globant (LU0974299876). Der Rest teilt sich auf Industrietitel wie Siemens (DE0007236101) oder Rockwell Automation (US7739031091), aber auch auf den Gesundheitsbereich auf. Allerdings haben alle Unternehmen ein Kriterium: Sie müssen zumindest 30 Prozent ihres Umsatzes in ihren jeweils relevanten Zukunftsthemen erzielen.

Reine Robotik

Auch Fondsmanager Patrick Kolb vom Credit-Suisse-Global-Robotics-Equity-Fonds setzt auf drei Subthemen. Dazu zählt die Verbesserung der Lebensqualität, der Produktivität etwa im Automobilsektor sowie die Ausführung gefährlicher Arbeiten. Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied zu den Mitwerbern: „Wir investieren in reine pure Players, daher in Unternehmen, die nur in der Robotik, der Automatisierung und der künstlichen Intelligenz tätig sind“, betont Kolb.

Gekauft werden folglich nur kleine und mittelgroße Gesellschaften, Schwergewichte wie Alphabet, ABB oder Intel sucht man vergebens im Fonds. Vielmehr zählen zu den Toppositionen etwa der US-Software-Entwickler Ansys (US03662Q1058) oder Cerner Corporation (US1567821046) aus den USA (entwickelt IT-Lösungen für den Gesundheitsbereich). Angst, neue Trends dadurch zu verpassen, hat Kolb freilich nicht: „Betrachtet man die Innovationen der vergangenen 100 Jahre, kamen die disruptiven Kräfte mehrheitlich aus dem Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen.“ Allerdings räumt der Credit-Suisse-Experte offen ein, dass dadurch die Liquidität geringer, somit auch die Schwankungen im Fonds höher seien.

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