Erlesene Pralinen aus der Schweiz

Die Schweizer Börse hat sich von der Finanzkrise trotz Kursverdoppelung noch immer nicht ganz erholt. Mit ausgewählten Werten konnte und kann man in der Schweiz langfris­tig aber richtig gut verdienen.

Gerade an der Schweizer Börse ist das Herauspicken der richtigen „Pralinen“ besonders wichtig (Fotos: Nenov – Thinkstock.com, Nastco – Thinkstock.com, Nenov – Thinkstock.com, Simon Dannhauer – Thinkstock.com; Bildbearbeitung: GEWINN)

Die Schweizer Aktienbörse genießt seit vielen Jahren eine gewisse Sonderstellung. Einerseits ist den Eidgenossen der Spitzenrang als weltweit bedeutende Finanzhochburg kaum streitig zu machen, andererseits finden Schweizer Dividendentitel nur geringen Eingang in internationale Wertpapierdepots, da sich diese zusehends an den großen Wirtschaftsräumen wie Europa und den USA und deren Börsenindizes orientieren.
Sehr wohl erfreuen sich dabei einige hochkapitalisierte Werte, die oft auch Weltmarktführer sind, einer Ausnahme. Der Nahrungsmittelriese Nestlé sowie die Pharmagiganten Roche und Novartis seien da beispielhaft genannt.

Nach dem achtjährigen Höhenflug der meisten Weltbörsen analysiert GEWINN für Sie die aktuelle Situation und die Perspektiven des Schweizer Aktienmarktes und gibt konkrete Anlageempfehlungen.

Fels in der Brandung

Die Schweiz hat sich Jahrzehnte hindurch als eindeutiger Fels in der umtobten Brandung bewährt, ja sogar als „Wohlstandsinsel“ ausgezeichnet. Spitzenplätze im in­ternationalen Ranking im Hinblick auf das Bruttonationalprodukt pro Kopf, das Durchschnittseinkommen, aber auch Topplatzierungen im Hinblick auf die Lebensqualität, die Stabilität der Währung und eines robusten volkswirtschaftlichen Umfeldes sind bei den Eidgenossen zur Selbstverständlichkeit geworden. Bewährungsproben wie die „Aufweichung“ des Bankgeheimnisses wurden elegant ge­meis­tert, auch wenn die renommierten Großbanken „Abschlagszahlungen“ in Milliardenhöhe leisten mussten.

Auch das Thema des starken Frankens zieht sich schon Jahre hindurch, der heldenhafte Versuch gegenüber dem Euro eine „Orientierung“ bei 1,20 zu fixieren, musste bekanntlich im Jänner 2015 aufgegeben werden, da sich die SNB, die Schweizer Nationalbank, nicht mehr den freien Marktkräften entgegenstemmen konnte. Aktuell pendelt das Austauschverhältnis zum Euro um die 1,07, wobei vermutet wird, dass die SNB seit geraumer Zeit mit Interventionen im Ausmaß von vier bis fünf Milliarden pro Woche gegen einen festeren Franken auftritt.

Trotz Verdoppelung im Minus

Während sich die Schweizer Wirtschaft und Währung als Fels in der Brandung erweisen, ist die Schweizer Börse in der Finanzkrise im Gleichklang mit den anderen Aktienbörsen weltweit kräftig eingeknickt und hat von Mai 2007 bis März 2009 fast die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Seither haben die Schweizer Aktien gemessen am SMI-Index zwar kräftig zugelegt, auf Zehn-Jahres-Sicht bleibt aber nach wie vor ein Minus von rund zehn Prozent.

Die Schweizer Börse hat sich dabei in den letzten Jahren in Summe unauffällig bewegt, wobei die Performance etwas hinter jener GesamtEuropas blieb. Wie an den meisten Weltbörsen zeichnete sich der bisherige Jahresverlauf auch in Zürich gegenläufig zu jenem des Vorjahres aus. Der „Trump-Effekt“ und die etwas besseren Weltkonjunkturperspektiven waren neben den unverändert niedrigen Zinsen und guten
Unternehmensergebnissen wichtige Zutaten zu einem positiven Börsenklima.

Wie geht’s weiter: Die börsenbestimmenden Faktoren räumen den Schweizer Aktien trotz der Verdoppelung noch ein gutes Potenzial ein, auch wenn das Tempo gemächlicher werden könnte. Positiv sind jedenfalls die verbesserten Binnenkonjunkturdaten und die etwas freundlicheren Weltwirtschaftsprognosen, bremsend hingegen die weltpolitischen Unsicherheiten und die gestiegenen Bewertungen.

Für den Euro-Anleger gilt es dann natürlich auch die Bewegungen des Schweizer Franken zum Euro (und seinen Vorgängern) zu berücksichtigen, was mehrheitlich ein zusätzliches Plus ergab, da der Schweizer Franken gegenüber dem Euro (und seinen Vorgängern) in den letzten 40 Jahren im Durchschnitt ein halbes Prozent aufwertete. Seit 1975 gab es übrigens nur zweimal eine negative Jahresperformance in Folge, nämlich 2001/2002 und 2007/2008, wobei das Minus 2007 nur minimal war.

Wenige Aktien dominieren

Eine weitere Besonderheit der Schweizer Börse ist die Dominanz weniger Aktien im wichtigsten Leitindex, dem SMI. Wie in den meis­ten Fällen orientiert sich der am 30. Juni 1980 mit 1.500 Punkten ins Leben gerufene Swiss-Market-Index in erster Linie an der Höhe der Börsenkapitalisierung, also der ausstehenden Aktien multipliziert mit ihrem Aktienkurs. Damit sind die „Giganten“ sehr stark gewichtet, unter den 20 im SMI vertretenen Gesellschaften sind fünf Unternehmen für 68,5 Prozent des Indexwertes verantwortlich, nämlich Nestlé (22,7 Prozent), Novartis (19,5 Prozent), Roche (16,3 Prozent), UBS (5,8 Prozent) und Zürich Insurance mit 4,2 Prozent. Auf die anderen 15 Titel entfallen daher in Summe nur noch 31,5 Prozent.

Gibt es etwa global in der Pharmabranche Probleme, trifft dies mit Novartis und Roche gleich 35,8 Prozent des SMI – im positiven Fall natürlich auch umgekehrt. Ergänzt soll noch werden, dass der SMI ein Preisindex ist, die Dividenden werden daher nicht rechnerisch reinvestiert (wie etwa beim deutschen DAX).
Die Globalisierung der Konzerne widerspiegelt sich in ihren weltweiten Umsatztätigkeiten, werden doch
nur acht Prozent der Gesamtumsätze aller 20 SMI-Unternehmen in der Schweiz getätigt.

Relativ hohe Bewertung

Wie sieht es nun mit der Bewertung des SMI und damit der Schweizer Börse aus? Ist das aktuelle Kursniveau im historischen Vergleich tief, hoch oder fair einzuschätzen? Naja, mit einem erwartetem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bezogen auf die kommenden zwölf Monate liegt die Börse über dem Mittel der Werte der letzten zehn Jahre. Gemessen am Buchwert errechnet sich eine Maßzahl von 2,9, was auch eher im oberen Drittel liegt.

Um die Attraktivität von Aktien gegenüber Anleihen festzustellen, wird als Bewertungsmodell gerne die Risikoprämie herangezogen, die sich aus der Differenz zwischen der aktuellen Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen (derzeit minus 0,26 Prozent) und der Gewinnrendite der Aktien ergibt. Diese Gewinnrendite errechnet man aus dem Kehrwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, das bei 20 liegt (100:20 = 5). Die Gewinnrendite ist also fünf und die Risikoprämie somit 5,26 Prozent. Solange die Zinsen relativ niedrig bleiben, sind Aktien gegenüber Veranlagungen auf dem Geld- und Anleihenmarkt attraktiver.

Gekonnt auf den Schweizer Markt setzen

Die zu erwartenden Schwächephasen in den kommenden Wochen sollten eher zum Aufbau in soliden Qualitätstitel genützt werden, da die positiven Rahmenbedingungen überwiegen. Als Ba­sis­investment empfiehlt sich ein Schweizer Länderfonds wie etwa der gut gemanagte Julius Bär Swiss Stock Fund (LU0026741651).
Unter den Einzeltiteln sind folgende Werte zu favorisieren: der weltweit führende Geschmacks- und Geruchsstoffproduzent Givaudan (CH0010645932) mit einem Weltmarktanteil von 22 Prozent, der durch laufende Gewinn- und Umsatzsteigerungen auffällt. Das Wachstum findet vor allem in den Schwellenländern statt, wo man mit steigendem Wohlstand zu Produkten wie Fertiggerichten, Kosmetika, oder Weichspülern – alles wichtige Abnehmer von Givaudan – greifen wird.

Der weltweit führende Zahnimplantatespezialist Straumann (CH0012280 076) konnte 2016 seinen Umsatz um 14,9 Prozent und sein Betriebsergebnis (EBIT) um 31,6 Prozent steigern. 90 Prozent des Umsatzes werden mit Premiumzahnimplantaten erzielt, der Weltmarktanteil liegt bei 23 Prozent.  
Geberit (CH0030170 408) zählt europaweit zu den führenden Sanitärgeräteproduzenten. 2016 konnte der Gewinn um 29,8 Prozent ausgeweitet werden, es ergaben sich erste Synergieeffekte durch die Integration des übernommenen Unternehmens Sanitec. Der Schwer­punkt des Absatzmarktes ist mit 91,5 Prozent unverändert Europa.

Der global tätige Bauzulieferer Sika (CH0000587 979) zeichnet sich auch durch Rekordumsatzzahlen aus. Mit vielen Unternehmensübernahmen will man die Kernaktivitäten ausbauen und ergänzende Technologien erwerben, um die Position in den aufstrebenden Ländern ausweiten zu können.

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