Heiße Immo-Aktien oder ruhige Fonds

Österreichische Immo-Aktien sind so gefragt wie schon lange nicht mehr. Für risikobereite Anleger bleibt das Thema spannend. Für konservative Anleger sind hingegen offene Immobilienfonds eine Alternative.

Österreichs Immo-AGs verdienen derzeit gut am Verkauf ihrer Immobilien. Einer der größten Deals: Im Frühjahr verkaufte die UBM die neue Zalando-Zentrale in Berlin um fast 200 Millionen Euro an einen koreanischen Fonds (Foto: Henn Architekten)

Mit heimischen Immobilienaktien konnte man heuer an der Wiener Börse gut verdienen. Allen voran mit S IMMO (über 50 Prozent Plus seit Jahresanfang bis Mitte Oktober) und CA IMMO (rund 40 Prozent). UBM hält bei rund 25 Prozent, die Immofinanz schaffte 20 Prozent und die BUWOG über zehn Prozent. Deutlich mehr als ein direktes Immobilieninvestment, z. B. ein offener Immobilienfonds oder eine Vorsorgewohnung, in so kurzer Zeit gebracht hätte.

Immobilienaktien profitieren vom boomenden Immobilienmarkt. Die Erlöse sprudeln dank großer Immobilienverkäufe und dem steigenden Wert der Objekte. Doch das allein sorgt nicht für die Kursphantasie. Anleger beobachten mit Spannung die Fusionspläne von CA IMMO und Immofinanz und die gegenseitigen Beteiligungen der Konkurrenten. So hält die S Immo seit September schon über fünf Prozent an der Immofinanz und ist auch an der CA IMMO beteiligt. Weitere Zukäufe sind laut S-IMMO-Chef Ernst Vejdovszky nicht ausgeschlossen. Die Immofinanz ist wiederum größter Aktionär bei der CA IMMO, die ihrerseits einen kleinen Anteil an der Immofinanz hält. Für zusätzliche Spekulationen sorgt der Einstieg von Ronny Pecik bei der S IMMO. Der umtriebige Investor – zuletzt bei der Telekom Austria aktiv – kaufte von Oligarch Roman Abramowitsch im Frühjahr elf Prozent und ist damit neben Erste Bank und Vienna Insurance Group größter Aktionär.

Eine mögliche große österreichische Lösung, also ein Zusammenschluss von S IMMO, CA IMMO und Immofinanz wurde bisher von allen Seiten vehement dementiert. Aktuell sind nur Fusionspläne von Immofinanz und CA IMMO bekannt. Derzeit ruht aber die Arbeit an der Fusion. Immofinanz muss zuerst ihr Russland-Portfolio, das aus Moskauer Einkaufszentren besteht, los werden. Laut Immofinanz befindet man sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit einem Bieter. Ziel ist, die Immobilien bis Jahresende zu verkaufen.

Renditen bei Fonds unter Druck

Immoaktien bleiben also spannend, sind aber nichts für risikoscheue Anleger. Wem Immofinanz & Co. schon zu heiß sind und wer auf der Suche nach einem ruhigeren Immobilieninvestment ist, sollte sich besser offene Immofonds ansehen. Sie sind zwar wie Aktien täglich handelbar, ihre Wertentwicklung folgt aber jener der Immobilien und wird nicht von der Börse beeinflusst. Risiko und Ertragschancen sind deutlich geringer als bei Immoaktien. Die Renditen der größten heimischen Fonds liegen derzeit zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Der Immobilienboom ist für die Fonds Segen und Fluch zugleich. Einerseits werden sie von den Anlegern seit der Finanzkrise mit Geld überschüttet. Derzeit liegen dort über sieben Milliarden Euro. Andererseits lässt sich das viele Kapital nicht im gleichen Tempo in Immobilien investieren. Die Folge: Die Fonds müssen Cash zu sehr niedrigen oder negativen Zinsen liegen lassen. Das drückt wiederum auf die Rendite. Daher ist z. B. die Erste Immobilien KAG, Nummer zwei auf dem Markt, dazu übergegangen, die Zuflüsse zu steuern. Nur wenn ausreichend Immobilien zum Ankauf vorhanden sind, werden auch Anteile an neue Investoren ausgegeben.

GEWINN verwendet Cookies um die Website möglichst benutzerfreundlich zu gestalten und Ihnen damit den bestmöglichen Service zu gewährleisten.
Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.