„Wir bemühen uns aktiv um die Unternehmen, die wir kaufen!“

Der umtriebige Investor Klaus Umek sorgt mit seinen offenen Angriffen auf Unternehmen wie Wienerberger für ziemliches Aufsehen. Er will ­damit „versteckte Werte heben“ und über seinen Petrus Advisers ­Special Situations Fund auch andere Anleger daran beteiligen.

„Der Kurs der Wienerberger-Aktie könnte auf 35 bis 40 Euro steigen, wenn das Management die Kosten in den Griff bekommt.“ Klaus Umek, Petrus Advisers (Foto: Pepo Schuster, austrofocus.at)

GEWINN: Sie haben als aktiver Investor in den letzten Monaten mit heftiger Kritik an Wienerberger und der Commerzbank bzw. Comdirect Bank für Aufsehen gesorgt. Was läuft in diesen Unternehmen Ihrer Meinung nach schief?
Umek: Die Aktie der Wienerberger AG weist seit 20 Jahren keine Performance auf. Wer diese Firma noch aus der Ära Schaschl aus den 1990er-Jahren kennt, kennt eine Gesellschaft mit 2,5 Milliarden Euro Marktkapitalisierung und einem Aktienkurs von 20 Euro. 20 Jahre später hat sich daran noch nichts geändert. Warum mich das stört? Weil etwa CRH, ein vergleichbares Unternehmen aus der Baustoffbranche, damals ungefähr gleich groß war und heute rund 28 Milliarden Euro wert ist. Es geht bei Wienerberger nicht darum, dass das Unternehmen in irgendeiner Weise eine Schieflage hat, sondern an sich gut funktioniert. Aber wir glauben, dass die Firma noch besser funktionieren könnte. Der Kurs der Wienerberger-Aktie könnte auf 35 bis 40 Euro steigen, wenn das Management die Kos­ten in den Griff bekommt. Damit meine ich nicht Werke zusperren, sondern das sind Ineffizienzen und Bequemlichkeit in den Führungsetagen.

GEWINN: Was schlagen Sie konkret vor?
Umek: Im November haben wir bei einem Meeting mit dem CEO Heimo Scheuch, den ich für einen achtbaren Manager halte, vorgeschlagen, den Finanzvorstand Willy Van Riet, der unserer Meinung nach seinen Job nicht ordentlich macht, weil er etwas müde ist, auszutauschen. Doch keine 36 Stunden nach diesem Meeting wurden die Vorstandsverträge um jeweils fünf Jahre verlängert. Wir haben dann der Aufsichtsratschefin Regina Prehofer zwei sehr fähige Manager als neue Aufsichtsratsmitglieder vorgeschlagen, die bisher leider nicht einmal angesehen wurden. Wir lassen da aber nicht locker und werden das bei der Hauptversammlung am 14. Juni zur Sprache bringen.

GEWINN: Wo sehen Sie das Potenzial bei der Comdirect Bank?
Umek: Die Comdirect Bank, an der die Commerzbank rund 85 Prozent der Anteile hält, liegt seit 15 Jahren mehr oder minder brach. Die Commerzbank hat zum Beispiel immer wieder ausgediente Manager, die sie im eigenen Unternehmen nicht brauchte, zum Online-Broker delegiert. Wir prüfen gerade, ob das rechtlich überhaupt so zulässig war. Man könnte zum Beispiel die Comdirect von der Commerzbank befreien und mit einem dynamischen modernen Internet-Broker konsolidieren. Wir glauben, dass damit der Wert des Unternehmens deutlich steigen und der Aktienkurs auf 14 oder 15 Euro gehen könnte. Seit unserem Einstieg ist der Kurs ja bereits um 50 Prozent gestiegen.

GEWINN: Kritiker werfen Ihnen vor, Sie würden mit Ihrem „Aktionismus“ in erster Linie „Unruhe stiften“.
Umek: Wir unterscheiden uns von anderen Investoren dadurch, dass wir uns um Unternehmen, deren Aktien wir kaufen, auch aktiv bemühen. Wir setzen uns mit dem Management auseinander. Und das tun wir zu 70 Prozent hinter den Kulissen. Der eine oder andere Fall wird auch publik, wenn es notwendig ist, andere Aktionäre für unsere Vorhaben zu gewinnen, weil das Management diese nicht versteht. Wir haben mit unserem Einsatz dazu beigetragen, dass sich zum Beispiel der Kurs der Conwert-Aktie in 18 Monaten verdoppelt und der Kurs der Flughafen-Wien-Aktie sich in zweieinhalb Jahren vervierfacht hat.

GEWINN: Apropos Conwert: Wie schätzen Sie die Entwicklung bei den verbleibenden heimischen Immo-AGs – einem Ihrer Lieblingsthemen – ein?
Umek: Ich kann mir vorstellen, dass der US-Fonds Starwood Capital das Angebot für die CA-Immo-Aktien auf zumindest 30 Euro erhöhen wird und damit eine Mehrheit übernehmen wird können. Ich gehe davon aus, dass die Aktie weiterhin in Österreich notieren wird, mit Starwood Capital als Hauptaktionär. Wir glauben immer noch an die Immofinanz, wenn man, wie von uns vorgeschlagen, die glücklosen Vorstände Oliver Schumy und Stefan Schönauer austauscht. Bei der S-Immo tu ich mich derzeit schwer. Wir haben unsere Aktien verkauft, als Ronny Pecik eingestiegen ist. Aus meiner Sicht liegt der faire Kurs bei 16 Euro, da ist derzeit kein Kurspotenzial.

GEWINN: Sind damit die oft zitierten Pläne einer großen österreichischen Immo-AG realistischer oder weiter in die Ferne gerückt?
Umek: Wenn bei der CA-Immo durch eine Beteiligung eines professionellen, internationalen Investors der Stein ins Rollen gerät, dann könnte auch in der Idee einer großen Konsolidierung etwas weiter gehen. Ich glaube, wenn Starwood Capital diese Firma mehrheitlich übernimmt, dann spielt die Musik. Die Immofinanz, die 30 Prozent unter Buchwert notiert, wäre dann aus Sicht des US-Fonds das nächste Ziel. Und die S-Immo wäre an sich ein guter Partner für alle möglichen Kombinationen, weil sie sehr versatil ist.

GEWINN: Über Ihre Fonds von Petrus ­Advisers können sich ja auch andere Anleger an Ihren Strategien bzw. Investments betei­ligen.
Umek: Ja, wir managen einerseits einen auf den Cayman Islands registrierten Hedge-Fonds, der bereits seit 2009 aktiv ist. 2015 haben wir den Petrus Advisers Special Situations Fund auch als UCITS-Fonds für institutionelle Investoren gestartet. Und seit 2016 gibt es eine eigene Retail-Tranche des Fonds, die sich explizit an Kleinanleger richtet.

GEWINN: Welche Strategie verfolgen Sie bei diesen Fonds?
Umek: Es handelt sich dabei um eine sogenannte Long-Short-Strategie. Das heißt, wir kaufen die guten und verkaufen die mittelprächtigen oder beschädigten Unternehmen mittels Leerverkauf. In der Praxis leihen wir uns dazu eine Aktie, die wir für überbewertet halten, verkaufen sie und kaufen sie dann billiger zurück, wenn der Kurs gefallen ist. Damit erzielen wir eine deutlich bessere Risikoabsicherung, die es uns ermöglicht, unabhängig vom Marktzyklus für unsere Anleger einen Gewinn zu erwirtschaften. Wir fokussieren uns dabei auf den deutschsprachigen Raum und Kerneuropa. Wir haben dort ein sehr konzentriertes Portfolio und nicht von allem ein kleines Bisschen. Wir halten einerseits 15 bis 20 Aktien, für die wir Aufwärtspotenzial sehen, und 15 bis 20 Spekulationen auf fallende Kurse. Wir kaufen keinen Titel unter einer Milliarde Marktkapitalisierung, bei uns gibt es demnach keine Small-Cap-Aktien.

GEWINN: Wie sollte man als Privatanleger aus Ihrer Sicht diesen Fonds im Rahmen eines durchschnittlichen Portfolios einsetzen?
Umek: Ich würde alle Mischfonds rausschmeißen und durch unseren Fonds ersetzen, weil die Mischfonds bei steigenden Zinsen problematisch sind. Dann kommen sowohl Anleihen als auch Aktien unter Druck. Diese Fonds haben bisher nur funktioniert, weil die Zinsen in den letzten 30 Jahren gesunken sind.

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