„Gold befindet sich in einem Bullenmarkt, der auch ein ganzes Jahrzehnt andauern kann!“

Joe Foster, Leiter für Goldinvestments beim Fondsanbieter Vaneck, beschäftigt sich seit 40 Jahren beruflich mit dem Goldmarkt und zählt zu den weltweit anerkanntesten Experten auf diesem Gebiet. Im Gespräch mit G.O.L.D. spezial beschreibt er, warum aus seiner Sicht der Goldpreis wieder über 2.000 US-Dollar klettern sollte.

Der US-Bundesstaat Nevada zählt zu den größten Zentren für Goldabbau weltweit, wie etwa hier im Gebiet „Great Basin Desert“ (Foto: mauritius images/ Alamy/ Witold Skrypczak)

Sehr früh schon zog es Joe Foster nach Nevada, in das Herz der US-Goldindust­rie und eines der bedeutendsten Abbaugebiete für Gold weltweit, wo er Geologie studierte und 14 Jahre für Goldminenbetreiber arbeitete. Heute schafft es Joe Foster nur einmal pro Jahr nach Nevada, weil er  als Manager des Vaneck-Gold-Fonds und Leiter des Goldinvestmentteams seit 1998 von New York aus die ganze Welt bereist – wenn ihn nicht gerade eine Pandemie daran hindert.

G.O.L.D. spezial: Der Goldpreis kletterte im August auf ein neues Rekordhoch.Welche treibenden Kräfte stecken hinter diesem Anstieg?
Foster: Ganz generell befindet sich Gold aus unserer Sicht in einem Bullenmarkt, der auch ein ganzes Jahrzehnt andauern kann. Dieselben Kräfte, die dazu führten, dass der Goldpreis im Juni 2019 aus einer langen Seitwärtsbewegung ausgebrochen ist, führten auch zum starken Anstieg in der ersten Jahreshälfte 2020. Damals begann die US-Notenbank Fed, die Zinsen zu senken. Und die weiteren Zinssenkungen im Zuge der Corona-Krise haben den Goldpreis heuer noch weiter angeheizt. Dazu kamen noch die Risken im Zusammenhang mit der Pandemie, der Wirtschaftseinbruch und ein tendenziell schwächerer US-Dollar. Das alles führte zu zusätzlicher Goldnachfrage.
G.O.L.D. spezial: Seither hat Gold wieder einiges an Terrain verloren. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Foster:  Als der Goldpreis im August den vorläufigen Höhepunkt erreichte, war Gold definitiv „überkauft“. Preise können ja nicht wie mit dem Lineal gezogen für immer steigen. Der Auslöser für die folgende Korrektur beim Goldpreis war eine wieder aufkeimende Stärke des US-Dollars. Denn historisch gibt es eine starke negative Korrelation zwischen dem US-Dollar und dem Goldpreis. Seither befinden wir uns jedenfalls  in einer ganz natürlichen Konsolodierungsphase, wo Teile der Zugewinne des letzten Jahres wieder verloren gehen.

Joe Foster
Fondsmanager und Stratege für Gold- und Edel­metallinvest-
ments beim US-Fondsanbieter Vaneck: „Die Goldnachfrage wurde dieses Jahr ganz klar von den Investitionen in Gold-ETFs dominiert.“ (Foto: Van Eck)

G.O.L.D. spezial: Demnach pausiert der von Ihnen genannte langfristige Bullenmarkt. Was braucht es um „den schlafenden Bullen wieder aufzuwecken“?
Foster: Es braucht möglicherweise wiederum einen zusätzlichen Auslöser für einen weiteren Anstieg beim Goldpreis. Zum Beispiel die US-Präsidentenwahlen. Unabhängig vom Ausgang sind damit wesentliche Risken verbunden, die den Goldpreis wieder auf über 2.000 US-Dollar pro Unze treiben könnten. Sollte es etwa keinen klaren Gewinner geben, würde das mit Sicherheit den Goldpreis unterstützen.
G.O.L.D. spezial: Wie schätzen Sie die Entwicklung für Gold längerfristig ein?
Foster: Die hohen ökonomischen, sozialen und politischen Risken im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie werden auch das ganz Jahr 2021 über bestehen. Wir werden auch mehr Insolvenzen bei privaten Haushalten und Unternehmen sehen. Das wird in Kombination mit den niedrigen Zinsen den Goldpreis wieder über 2.000 US-Dollar treiben.
G.O.L.D. spezial: Auch Silber konnte zuletzt nach langer Zeit wieder zulegen?
Foster: Ja, der Silbermarkt wurde im zweiten Quartal 2020 wieder zum Leben erweckt. Silber notierte ja mit einem großen Preisabschlag zu Gold, der in den letzten Monaten deutlich reduziert wurde. Und ich gehe davon aus, dass, solange es mit Gold bergauf geht, auch der Silberpreis steigen sollte. Denn viele Investoren kaufen Silber aus demselben Grund, warum sie Gold kaufen, als Absicherung gegen systemische Risken. Auch wenn Silber im Unterschied zu Gold häufig für industrielle Zwecke gebraucht wird. So findet das Metall etwa Anwendung bei vielen elektronischen Geräten oder Solarzellen.
G.O.L.D. spezial: Wie hat sich denn die Goldnachfrage in der Corona-Krise entwickelt?
Foster: Die Goldnach­frage wurde dieses Jahr ganz klar von den In­vestitionen in Gold-ETFs dominiert. Hier gab es Rekordzuflüsse. Dagegen ist die Nachfrage vonseiten der Schmuckindustrie im ersten Halbjahr 2020 deutlich zurückgegangen. Ebenso war die Goldnachfrage von den Zentralbanken eher schwach. Generell werden ja Bullenmärkte bei Gold von den Finanzinvestoren und nicht von der Industrie oder den
Notenbanken getrieben. Was die Schmuckindustrie anbelangt, so erwarte ich hier eine Normalisierung der Nachfrage, sobald sich die Wirtschaft ab 2022 wieder erholen sollte.
G.O.L.D. spezial: Weltweit scheint es eine Fülle an neuen Konfliktherden zu geben, wie etwa in der Region Berg Karabach. Wird angesichts dieser Entwicklung stärker nachgefragt?
Foster:  Solche Fragen werden mir sehr häufig gestellt, welche Auswirkungen der eine oder andere Konflikt auf den Goldpreis haben könnte. Aber wenn es ein regional begrenzter Konflikt ist, dann ist der Effekt auf den Goldmarkt eher gering. Nur globale, systemische Risken haben einen starken Effekt auf die Goldnachfrage.

Newmont Mining ist der größte Goldminenbetreiber und weltweit aktiv – wie etwa hier in Peru (Foto). Das Yanacocha Goldbergwerk zählt zu den profitabelsten weltweit (Foto: Newmont Mining Corporation)

G.O.L.D. spezial: Wie stark wurde die Goldproduktion von den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus getroffen?
Foster: Die Angebotsseite wurde eigentlich gar nicht stark getroffen. Während des Lockdowns von März bis Mai waren nur zwölf Prozent der Goldminen weltweit geschlossen. Und die wurden nach dem Lockdown sehr rasch wieder hochgefahren, sodass die Goldproduktion bereits im Juni beziehungsweise Juli wieder voll angelaufen war. Auch beim Recycling von Altgold gab es keinen signifikanten Rückgang im bisherigen Verlauf des Jahres.
G.O.L.D. spezial: Wie war es in dem Umfeld  möglich, Gold quer über den Erdball zu transportieren?
Foster: Die Goldproduzenten mussten im Lockdown neue Wege für den internationalen Transport suchen. Normalerweise wird Gold ja in Linienflügen rund um die Welt geflogen. In dem Fall mussten sie eigene Charterflüge organisieren.
G.O.L.D. spezial: Wo wird denn eigentlich derzeit am meisten Gold abgebaut? Wo wird nach neuen Goldvorkommen gesucht?
Foster: In Nevada, USA, in Westaustralien und vielen Ländern Westafrikas liegen die traditionell stärksten Abbaugebiete. Nach neuen Vorkommen wird eigentlich weltweit gesucht. Wobei sich die traditionell starken Goldgebiete weiterhin halten sollten. Denn aufgrund höherer Goldpreise und des technischen Fortschritts kann es gut sein, dass bestehende Minen länger rentabel genutzt werden können. Daher konzentrieren sich die großen Goldunternehmen tendenziell darauf, bestehende Vorkommen noch besser zu erforschen, während es eher die kleinen Unternehmen sind, die nach neuen Vorkommen suchen. Diese konnten dank der steigenden Goldpreise in den letzten sechs Monaten sehr viel Investorengelder anziehen, um damit weitere Probebohrungen etc. zu finanzieren. Das hat auch zu der einen oder anderen spektakulären Entde­ckung geführt.
G.O.L.D. spezial: Was war denn der spektakulärste Goldfund in letzter Zeit?
Foster: Die vielleicht aufregendste Entde­ckung ist dem kleinen US-Unternehmen Liberty Gold gelungen. Die haben eine in den 1990er-Jahren aufgelassene Mine gekauft, die alten Betriebsdaten und Statistiken digitalisiert und anhand neuer geologischer Modelle neu bewertet. Tatsächlich konnten sie bei Testbohrungen unter den bisherigen Gruben eine sich weitläufig ausbreitende „Decke“ mit hoher Goldmineralisierung finden. Das Unternehmen hat zwar noch nicht den erwarteten Umfang der Goldvorkommen kommuniziert, wir gehen aber davon aus, dass es sich um rund eine Million Unzen Gold handeln dürfte.
G.O.L.D. spezial: Wer zählt denn zu den weltweit führenden Goldminenbetreibern?
Foster: Es gibt zwei Unternehmen, die wesentlich größer sind als alle anderen: Newmont Mining aus Denver, Colorado, und Barrick Gold mit Sitz in Toronto, Kanada. Beide sind weltweit aktiv, wobei Newmont jährlich etwa sechs Millionen Unzen und Barrick rund fünf Millionen Unzen Gold pro Jahr produziert.
G.O.L.D. spezial: Die Goldminenbetreiber zählen ja nach einer langen Durststrecke vermutlich zu den Profiteuren des Preisanstiegs?
Foster: Ja, tatsächlich sind die Goldminenunternehmen derzeit in einer sehr guten Verfassung. Die hohen Preise generieren einen sehr hohen Cashflow. Und die Minenunternehmen haben in den letzten fünf, sechs Jahren große Anstrengungen unternommen, um die Effizienz zu steigern und die Produktionskosten niedrig zu halten. Im Durchschnitt liegen die Kosten für die Förderung von einer Unze Gold bei 925 US-Dollar. Damit verdienen sie bei aktuellen Preisen rund 1.000 US-Dollar. Das ist eine gewaltige Marge, die auch an die Aktionäre weitergegeben wird. Teilweise wurden schon die Dividendenzahlungen erhöht.  Die Investition in Aktien von Goldminenbetreibern liefern damit einen natürlichen Hebel zu Goldinvestments.
G.O.L.D. spezial: Wie ist das mit dem Hebel konkret zu verstehen? Und sind damit nicht auch höhere Risken verbunden?
Foster: Wir schätzen, dass ein zehnprozentiger Anstieg beim Goldpreis im Durchschnitt zu einem 25-Prozent-Anstieg der freien Cashflows führt. Dieser starke Anstieg der Cashflows in Relation zum Goldpreis  hat zu dem Kurssprung bei den Goldminenaktien geführt. Natürlich kommen zu den Preisrisken von Gold auch noch unternehmerische Risken dazu, die man als Anleger beachten muss. Aber grundsätzlich sind Gold und auch Goldminenaktien sehr gut dazu geeignet, die Risken eines Portfolios besser zu diversifizieren, weil sie nicht mit anderen Anlageklassen korrelieren.
G.O.L.D. spezial: Sind Goldminenaktien nach dem starken Anstieg nicht überbewertet?
Foster: Nein, wir sehen trotz des Kursanstiegs noch keine Überbewertung dieser Unternehmen an der Börse. Zwar sind die Bewertungskennzahlen zuletzt gestiegen, sie liegen aber nach wie vor weit unter dem historischen langfristigen Durchschnitt. Damit gibt es weiterhin noch viel Luft nach oben für Goldminenaktien, wenn der Goldpreis weiter ansteigt. Denn im Unterschied zu früheren Zyklen schaffen es die Goldminenbetreiber dieses Mal, die Kosten für die Exploration und Produktion auch bei steigenden Goldpreisen niedrig zu halten.

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