Wer den Goldpreis macht

Gold und Geld sind eng verknüpft. Seit jeher. Darin liegt zum Teil die Erfolgsstory des gelben Edelmetalls begründet.

(Foto: taa22 – GettyImages.com)

Jeden Sonntag, nachmittags wie abends, fiebern Tausende Zuseher mit: Auf dem deutschen TV-Sender DMAX läuft die Dauerserie „Goldrausch“. Live kann man mitverfolgen, ob den Glücksrittern am Klondike River, am McKinley Creek oder in White Water Alaska endlich der große Fund winkt. Das chemische Element mit dem Symbol „Au“ (von lat. aurum) und der Ordnungszahl 79 im Periodensys­tem mit hoher Dichte und hohem Schmelzpunkt bei guter Verformbarkeit hat die Menschen schon früh in seinen Bann gezogen. Abgesehen von seinem Glanz und seiner Symbolkraft für Unvergänglichkeit und Schönes hat Gold seit jeher eine wichtige Funktion übernommen.

Gold als das eigentliche Geld

Für viele ist Gold das natürliche Geld. Zwar wird es auch in der Industrie gebraucht, in Medizin und Technik eingesetzt und natürlich vom Schmuckhandel nachgefragt, seine eigentliche Berufung sei aber die Funktion als Zahlungsmittel. Als Gründe dafür werden folgende Eigenschaften genannt: Knappes Gut, homogen (von gleicher Art und Güte), haltbar, transportabel, teilbar, prägbar, allgemein wertgeschätzt. Last, but not least muss es einen hohen Wert pro Einheit aufweisen. Der Marktwert ist also gegeben, ohne dass das Gut monetären Marktwert hätte. Deshalb kann man andere Dinge in Bezug dazu setzen und beispielsweise für Währungen Annäherungswerte schaffen.
„Gold ist die älteste und härteste Währung der Welt und auch heute noch in vielen Ländern anerkanntes Zahlungsmittel“, sagt Steffen Orben, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities GmbH. Sie ist Emittentin der Xetra-Gold ETCs, börsengehandelte Rohstoffe in Form von Inhaberschuldverschreibungen.

Inflationäres Geld ist nicht neu

Die Idee, Staatsausgaben mit inflationärem Geld zu finanzieren, ist nicht neu. Die Bank of England gab ungedecktes Geld zur Kriegsfinanzierung schon Ende des 18. Jahrhunderts aus – die Folge war Inflation. Und bei Kriegsausbruch in Deutschland wurde die Goldeinlösbarkeit der (Gold-)Mark aufgehoben und die Papiermark eingeführt. Etliche andere Großmächte – mit Ausnahme der USA – haben es damals im Gefolge gleich getan. Die Große Depression brachte den Amerikanern jedoch eine Zäsur. Goldbesitz war Privaten verboten – bis 1974. 1944 trat das Bretton-Woods-System in Kraft, durch das der goldgedeckte US-Dollar Weltleitwährung wurde.
Aber auch die USA gingen dazu über, nicht goldgedeckte Dollar auszugeben, bis 1971 Richard Nixon die Notbremse zog. Amerika wäre zahlungsunfähig geworden, wenn alle Ausländer die von ihnen gehaltenen US-Dollar in Gold hätten einlösen wollen. „Seit dem Beginn dieser neuen monetären Zeitrechnung beläuft sich die durchschnittliche Steigerungsrate des Goldpreises in US-Dollar p. a. auf 10,1 Prozent“, betont man bei der Vermögensverwaltungsgesellschaft Incrementum AG.

Gefragt: Gold und Bitcoins

Ein echter Goldstandard würde sich durch 100-prozentige Golddeckung auszeichnen. Die in der Vergangenheit wiederholt politisch motivierte Unterwanderung dieses Prinzips werde fälschlicherweise dem Edelmetallgeld in die Schuhe geschoben, kritisieren manche Experten und sehen auch im Aufkommen von Kryptowährungen speziell seit der Finanzkrise ab 2008 ein Indiz dafür, dass die Menschen auf der Suche nach besserem Geld als dem „Fiatgeld“ seien. (Das ist Geld, das im Gegensatz zum Warengeld keinen nennenswerten eigenen, inneren Wert hat.)
Einer aktuellen Studie von JP Morgan Chase zufolge zeigten Privatanleger während der Corona-Pandemie bei der Suche nach alternativen Investitionen zur Absicherung des Depots jedenfalls eine Altersdichotomie: So seien zwar alle Investoren generell an alternativen Investments interessiert. Jedoch hätten Ältere zu Gold gegriffen, während die Jüngeren Bitcoins bevorzugten.
So verschieden Gold und Bitcoins auch wirken mögen, so gibt es doch Gemeinsamkeiten. Beide sind kein offizielles Zahlungsmittel, der Preis wird daher von Angebot und Nachfrage bestimmt.

>> Zum Download: Grafik „Gold und Aktien im historischen Vergleich

(Foto: Stockernumber2 – Thinkstock.com)

Berechenbare Gold-Inflation

Man sollte auf Angebot und Nachfrage aber nicht das Hauptaugenmerk legen, meint Ronald Stöferle, Managing Partner der Incrementum AG. Für den Goldexperten bietet Gold durch die „natürliche Inflationierung“ in Höhe von 1,5 bis 1,6 Prozent hohe Planbarkeit. Stöferle: „Diese Berechenbarkeit macht Gold im Unterschied zu Währungen so besonders. Die Geldmenge in unserem Währungssystem wächst im Schnitt um sieben bis acht Prozent pro Jahr.“ Sie ist damit eine große Unwägbarkeit, da ihre Ausdehnung heute auf Knopfdruck einfach möglich ist. Da Gold ein monetäres Metall sei, stehe die Preisentwicklung in engem Zusammenhang mit der Situation des Geldsystems und der Finanzmärkte, so Stöferle.
Weitere Wert beeinflussende Faktoren sind die Preisentwicklung von Währungen und Rohstoffen, die Tendenz von Inflation und Realzinsen, die Dynamik der Verschuldungssituation, Vertrauen in die Notenbankpolitik und die Stabilität des Finanzsystems, geopolitische Rahmenbedingungen sowie markttechnische Faktoren. „Von allen Edelmetallen eignet sich Gold am bes­ten als Schutz in Krisenzeiten. Der Wert von Platin und selbst Silber wird sehr stark durch ihren Einsatz als Rohstoff bestimmt“, so Orben. „In Phasen wirtschaftlichen Abschwungs werden diese Metalle seitens der Industrie weniger nachgefragt, was ihren Wert tendenziell drückt – und das, obwohl sie selten sind.“
Ein Blick auf den Goldbesitz der Notenbanken verrät, dass sie zumindest 2019 hohen Goldhunger entwickelten und damit den Preis des gelben Edelmetalls weiter angeheizt haben. Interessant wird es, wenn man die Goldreserven, mit denen sich Wechselkurse stützen und Außenhandelsdefizit finanzieren lassen, in Relation zu den Währungsreserven setzt. 2020 hat sich der Appetit der Notenbanken abgeschwächt. Möglicherweise will man den Goldanteil an den Währungsreserven doch nicht zu hoch werden lassen.
Wer nun daran denkt, Münzen zu erwerben und dabei ein glückliches Händchen beweist, kann von einer weiteren tollen Preissteigerung profitieren, weiß schließlich Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich AG, zu berichten: „Dank ihres beeindruckenden Farbenspiels kosten die Silber-Niob-Münzen heute ein Vielfaches als zum Tag ihrer Erstausgabe. Auch die Drei-Euro-Münzen mit dem nachtleuchtenden Effekt wurden oft noch am Tag der Erstausgabe zum zehnfachen Preis auf dem Sekundärmarkt gehandelt.“

>> Zum Download: Grafik „Top 10 Goldbesitz Zentralbanken“

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