Schmuck: Liebhaberei oder Investment?

Wie sich die Preise für Barren und Münzen entwickeln, ist leicht nachprüfbar. Aber was ist mit Schmuck? G.O.L.D. spezial hat Österreichs Topjuweliere gefragt.

„Im Jahr 1995 hat ein massives 18-Karat-Goldarmband 1.125 Euro gekostet. Heute müssen Sie mit 6.900 Euro rechnen“, antwortet Anton Heldwein auf die Frage, wie sich die Preise für Schmuck entwickelt haben und welche Rolle dabei die Kosten für das eingesetzte Material spielen. Der Juwelier, der am Wiener Graben zu Hause ist, zählt seit seiner Gründung 1902 zu den renommiertesten österreichischen Adressen für edle Geschmeide. Bereits 1906 wurde Heldwein das Privileg eines k.u.k. Hoflieferanten verliehen. Anton Heldwein, der das Unternehmen heute führt, ist die bereits vierte Generation des Traditionsjuweliers.

Machart beeinflusst Materialwert

Bei einem einfachen Goldarmband liegt der Wert vor allem im Material, aber wie sieht es bei „komplexeren“ Schmuckstü­cken aus? Dazu erklärt Hermann Gmeiner-Wagner: „Die Anteile des Wertes von einem Juwel variieren sehr stark aufgrund dessen Machart. Beispielsweise weist ein Solitaire-Ring mit einem einzigen großen Diamanten einen höheren Anteil an Materialwert aus. Wiederum hat ein Juwel mit vielen, eng aneinander gereihten, kleinen Diamanten einen höheren Fertigungsanteil.“
Gmeiner-Wagner bildet die dritte Generation des 1917 gegründeten Juweliers Wagner. Entsprechend erfahren ist man im Stammhaus auf der Wiener Kärntner Straße, was die Preisentwicklungen für Metalle und Steine betrifft. Gmeiner-Wagner: „In der Juwelenfertigung haben wir keine kurzfris­tigen oder gar tagesaktuellen Preise, wie es auf dem Rohstoffmarkt üblich ist. Es gibt jährlich wiederkehrende Preisschwankungen, die durch einen vorausschauenden Materialeinkauf ausgeglichen werden können. Kommt es jedoch weltweit zu langfris­tig anhaltenden Veränderungen, wirkt sich das auch auf die Preisgestaltung aus.“

Sisis Sterne leuchten auch heute

Neben dem Material und der Machart ist es aber auch der Name des Herstellers, der den Wert eines Juwels beeinflusst. Auf wen das hierzulande jedenfalls zutrifft, ist A. E. Köchert, der als Dritter im Bunde die erste Garde der (ur-)österreichischen Juweliere bildet. Bereits 1814 gegründet, befindet sich das Stammgeschäft seit 1873 am Neuen Markt in Wien. Die berühmteste Arbeit aus dem Hause Köchert sind die „Sisi-Sterne“ – ein Set von 27 Brillantsternen, das Franz Josef I. 1858 als Geschenk für seine Frau zum ersten Hochzeitstag in Auftrag gab. Damals löste der Haarschmuck Elisabeths eine europaweite Mode aus, vor einigen Jahren wurden die Brillantsterne von der sechsten Generation Köchert neu aufgelegt. Dazu Christoph Köchert, der das Haus gemeinsam mit seinem Bruder Wolfgang führt (Cousin Florian leitet die Filiale in Salzburg): „Der Name des Juweliers spielt natürlich immer eine Rolle. Er bürgt für die hohe Qualität der Verarbeitung und der Edelsteine.“
Letztere haben für ihn eine größere Bedeutung für den Wert eines Schmuckstücks als das Metall. Köchert: „Bei Juwelen stehen die Edelsteine im Vordergrund. Preisentwicklungen der Edelmetalle wirken sich hier nicht bedeutend auf den Wert des Stü­ckes aus. Anders ist es bei reinem Gold- oder Platinschmuck. Hier spielen natürlich Wertschwankungen schon eine große Rolle.“

Die Rendite von Schmuck

Und wie sehr eignen sich Ringe, Broschen oder Colliers, um Vermögen langfristig zu investieren? Für Heldwein ist Schmuck eine Wertanlage, „weil am Ende immer noch was Wertvolles überbleibt – die edlen Materialien“. Dazu kommt für ihn das, was für Aktionären die Dividende ist: „Wenn Schmuck auch keine Zinsen zahlt, so habe ich wenigstens Freude am Tragen oder besitzen. Und wenn Sie Ihren Schmuck liebevoll behandeln und tragen, kann er ein Leben lang den Wert behalten.“
Ähnlich argumentiert Gmeiner-Wagner: „Schmuck ist eine Investition in die Freude und eine langfristige Wertrücklage. Ist das Ziel eine kurzfristige Gewinnmaximierung, gibt es andere Alternativen.“ Um den Wert langfristig abzusichern, empfiehlt er aber, „das getragene Juwel zu Hause behutsam zu pflegen und sicher vor Beschädigungen zu lagern. Weiters empfehlen wir eine regelmäßige Überprüfung beim Goldschmied, ob beispielsweise die Edelsteinfassung weiterhin in Ordnung ist“.
Für Köchert schließlich ist Schmuck nicht mit anderen Wertanlagen wie Gold oder Wertpapieren zu vergleichen: „Er dient in erster Linie dazu, die Trägerin oder den Träger zu schmücken. ABER: Jene Menschen, die die Verwerfungen der beiden Kriege im 20. Jahrhundert erlebt haben, würden diese Frage dann doch eindeutig mit Ja beantworten. Schmuck ist hoher Wert auf kleinstem Raum. Man kann ihn überall hin mitnehmen. Viele Familien, die ihre Heimat bedauerlicherweise verlassen mussten, konnten sich in ihrer neuen Heimat auf der Basis ihrer dann veräußerten Familienschmuckstücke neue Existenzen aufbauen. In diesem Sinne ist der Erwerb oder das Anfertigen solcher Familienstücke wahrscheinlich die denkbar sicherste Anlageform.“

Ein Goldarmband von Heldwein. Seit 1995 hat sich der Preis für 18 Karat Gold mehr als versechsfacht, berichtet Juwelier Anton Heldwein (Foto: Juwelier Heldwein)
Empfehlung A. E. Köchert: Ring in 18 Karat Weißgold mit Brillanten und einem Paraiba-Turmalin 4,97 ct, Preis auf ­Anfrage (Foto: A.E. Köchert)
Empfehlung Juwelier Wagner: Solitaire No16, Ring in 18 Karat Weißgold und Diamanten. Ab 3.190 Euro (Foto: Juwelier Wagner 2013)
 

Was Schmuck wertvoll macht

Worauf muss man achten, wenn Ringe, Broschen oder Colliers nicht nur schön, sondern auch ein Investment sein sollen?
1. Das Material
Edle Metalle und Steine, die zu Schmuck verarbeitet werden, haben ihren eigenen Wert. Und da man Schmuckstücke wieder in ihre Bestandteile zerlegen kann, ist der Materialwert das, was einem immer bleibt.
2. Die Verarbeitung
Um den Wert der Verarbeitung zu bemessen, werden grundsätzlich Zeitaufwand und handwerkliche Raffinesse des Juweliers herangezogen. Gefällt einem das gute Stück aber nicht, wird einem das jedoch egal sein.
3. Die Marke
A. E. Köchert, Heldwein und Juwelier Wagner: Schmuckstücke aus diesen Häusern sind (und bleiben) mehr wert als von einem „No-name-Juwelier“. International sind es allen voran Cartier, Tiffany oder Van Cleef & Arpels, die für denselben Materialwert und dieselbe Verarbeitung zwischen zehn und 30 Prozent mehr verlangen dürfen.

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