Sammlermünzen als Anlage

Interessante Wertsteigerungen gibt es bei alten wie bei modernen Münzen – auf die Auswahl kommt es an.

Was könnte näher liegen, als beim Thema Geldanlage an Münzen zu denken? Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft Anlagemünzen (auch Bullionmünzen) wie Krugerrand, Maple Leaf oder Wiener Philharmoniker. Wer auch Spaß an der Sache haben will, sieht sich im breiten Feld der Sammlermünzen um, die auch mit kleinen Einstiegsbudgets erschwinglich sind. Dass außerdem interessante Wertzuwächse winken können, erhöht den Reiz für Schnäppchenjäger noch. Doch wie soll sich der Neosammler in dem schier unüberschaubaren Angebotsspektrum zurechtfinden?

Alte oder moderne Münzen?

Vorweg: Münzen mit Wertsteigerungspotenzial gibt es sowohl in der klassischen Numismatik, die von der Antike bis 1945 reicht, als auch in der modernen Numismatik, die Prägungen ab 1945 umfasst.
Werfen wir zuerst einen Blick auf alte Münzen. Andreas Haack, Experte bei philoro in Berlin, meint, es sei „sicher sinnvoll, einen Teil des Portfolios in alte Numismatik zu investieren, insbesondere in Münzen des 19. Jahrhunderts, zum Beispiel Goldmünzen der Lateinischen Münzunion“, die erstmals einen einheitlichen Münzstandard für die teilnehmenden Monarchien festlegte und damit quasi ein Vorläufer der heutigen Europäischen Währungsunion war. „Münzen dieser Norm sind in den häufigen Prägungen günstig zu erwerben und erlebten einen kontinuierlichen Preisanstieg über die letzten Jahrzehnte. Mit einer weiteren Wertsteigerung ist auch zukünftig zu rechnen“, so Haack.
Ein österreichisches Paradebeispiel für die Spitzenpreise, die historische Münzraritäten auf dem Sammlermarkt erzielen können, ist die 100-Schilling-Goldmünze aus dem Jahr 1938 mit dem Bildnis der ,Magna Mater Austriae‘, also der Mariazeller Muttergottes, von der es nur geschätzte 100 Exemplare gibt: In Auktionen kann sie heimischen Experten zufolge Preise bis zu 50.000 Euro erzielen. Zum Vergleich: Die gleiche Münze aus dem Jahr 1937 ist nur 1.600 bis 2.000 Euro wert.

Preiskriterien für historische Münzen

Von solchen Ausnahmen einmal abgesehen gilt die Faustregel: je älter und kleiner die Prägeauflage, desto wertvoller die Münze. Ein weiteres Preiskriterium bei historischen Münzen ist deren Erhaltungszustand, bei dem es nicht nur um Abgegriffenheit geht, sondern auch um kleine Kratzer im Feld und Randfehler. Auch auffällige Verfärbungen und die sogenannte Goldblüte – winzige rote Flecken, die schon beim Prägeprozess entstehen, aber erst später durch Feuchtigkeit sichtbar werden – stellen wertmindernde Faktoren dar.
Dieses Wissen kann beim Neo-Sammler freilich nicht vorausgesetzt werden, weshalb Fachleute, insbesondere Münzproduzenten, eher davon abraten, eine Sammlung mit historischen Münzen zu beginnen. Einfacher sei es, auf moderne Sammlermünzen zu setzen, die es in jeder Preisklasse und für jeden Geschmack gibt. Zwar sind viele Exemplare im Verhältnis zu ihrem Nominal- und Materialwert deutlich teurer als Bul­lionmünzen, doch machen sie dies mit ihrem Preissteigerungspotenzial häufig wett.

Preiskriterien für moderne Münzen

Philipp Solisch, bei philoro in Leipzig Spezialist für moderne Numismatik, verrät die Indikatoren, die in seinem Segment auf ein erhöhtes Wertsteigerungspotenzial hinweisen: „Je niedriger die Anzahl der geprägten Münzen ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit eines künftigen Wertzuwachses.“ Für die Nachfrage sind zudem folgende Kriterien relevant: Münzmotiv, Prägetechnik und -qualität, Renommee der Prägestätte, weiß Solisch.
Handelt es sich bei der Münze zudem um die Ausgabe einer beliebten Münzserie, kann von einem hohen Wertsteigerungspotenzial ausgegangen werden. „Hier empfiehlt es sich für den Kunden, die Wertentwicklung vorangegangener Ausgaben zu berücksichtigen“, so Solisch. „Der richtige Kaufzeitpunkt ist im Vergleich zum Kauf von Anlagemünzen hier weniger abhängig vom aktuellen Edelmetallkurs als vom Ausgabedatum. Die Erstausgaben solcher Serien verzeichnen erfahrungsgemäß die größten Wertzuwächse.“

Wertsteigerungen bei Erstausgaben

Ein gutes Beispiel, um die rasante Wertsteigerung der Erstausgabe einer Münzserie zu veranschaulichen, ist die Ein-oz-Goldmünze Lunar Ratte/Maus in einer gewölbten Prägung und in der aufwendigen Prägequalität „Polierte Platte“ der Royal Aust­ralian Mint: Zum Verkaufsstart im Oktober 2019 betrug der Kaufpreis 1.745 Euro, aktuell liegt er auf dem Markt bei 2.950 Euro, weil diese Münze trotz einer Auflage von 750 weltweiten Exemplaren beim Hersteller bereits vollständig ausverkauft ist. „Für glückliche Besitzer bedeutet dies einen Wertzuwachs von 1.205 Euro in einem Jahr“, rechnet Solisch vor. „Bereinigt durch den Anstieg des Goldpreises von ca. 250 Euro seit Oktober 2019 ergibt sich ein beeindruckender Wertzuwachs von 955 Euro.“
Wie stark die steigende Beliebtheit einer Serie in Verbindung mit einer streng limitierten Auflage den Wertzuwachs beeinflussen kann, schildert Solisch am Beispiel der beim Hersteller Perth Mint längst ausverkauften Fünf-oz-Goldmünze des Koala 2017: „Konnte diese Münze, von der nur 75 Exemplare geprägt wurden, im Februar 2019 noch zu einem Preis von 8.500 Euro erworben werden, so ist auf dem Sammlermarkt aktuell ein Kauf kaum unter 14.000 Euro möglich.“
Aber auch auf einem erschwinglicheren Niveau verzeichnen moderne Münzserien beeindruckende Wertsteigerungen, wie das Beispiel der 25-Euro-Silber-Niob-Serie zeigt, die die Münze Österreich seit 2003 produziert: Bei einem durchschnittlichen Ausgabepreis von 60 Euro waren praktisch alle Sujets im Handumdrehen ausverkauft. Heute findet man die meisten Motive im Internet zu Preisen zwischen 90 und 120 Euro. Ein schöner Wertzuwachs – aber geradezu bescheiden im Vergleich zu den Summen, die Sammler für wirklich seltene Münzen dieser Serie hinzublättern haben: Das erste Motiv, „700 Jahre Hall in Tirol“, wird bei Ebay mittlerweile für 550 Euro angeboten.

Die teuerste Münze der Welt

(Foto: Alastair Grant / AP / picturedesk.com)

Der derzeitige Rekordpreis für eine Sammlermünze liegt bei 10,016.875 Millionen Dollar (8,5 Millionen Euro) für einen Ein-Dollar-„Flowing Hair“ aus dem Jahr 1794, der 2013 im US-Auk­tionshaus Stacks Bowers zugeschlagen wurde.  Nur knapp zwei Jahre lang ließ die US-Regierung Münzen mit diesem Motiv prägen. Davor hielt ein St. Gaudens Double Eagle den Rekord: Nur neun Exemplare der 20-US-Dollar-Münze aus der Prägung von 1933 sind erhalten, eines davon brachte 2002 bei Sotheby’s 7,590.020 Dollar (7,74 Millionen Euro).

Aufbewahrung & Pflege

Der Vierfach-Dukat ist mit 3,9 cm Durchmesser und 13,8 g Gewicht sehr groß, sehr dünn und sehr empfindlich, das heißt, er bekommt leicht Kratzer auf den Glanzflächen und Knicke bzw. Wellen (Foto: Münze Österreich AG)

Eine Münze der Prägequalität „Polierte Platte“ sollte nie aus der Kapsel genommen werden; generell raten Experten zur Lagerung in Alben, Boxen, Etuis, Kassetten oder Koffern, um die Münzen vor Feuchtigkeit und unreiner Luft zu schützen. Durchsichtige Kunststofftaschen oder -röhrchen, wie man sie beim Kauf bekommt, sind zwar als Transportbehältnisse für alle Münzen geeignet, zur Dauerlagerung aber nur bei Gold und Platin zu empfehlen, denn andere Metalle laufen an oder werden grünspanig. Münzen in hohen Prägequalitäten sollte man nie mit bloßen Händen angreifen, um Fingerabdrücke oder Beschädigung durch Schweiß zu vermeiden. Verwenden Sie einen weichen Handschuh oder eine spezielle Münzpinzette. Zur Reinigung empfiehlt sich ein Ultraschallgerät, niemals Silberreinigungsmittel oder Ähnliches.

Tipps für Neosammler

  • Grenzen Sie Ihr Sammelgebiet ein, zum Beispiel auf Länder, Epochen, Persönlichkeiten oder Tiere. Nur so bleibt es überschaubar, auch finanziell.
  • Machen Sie sich schlau: Lesen Sie sich in die Materie ein, vergleichen Sie Preise, schauen Sie sich möglichst viel im Original an.
  • Holen Sie immer eine zweite und dritte Meinung von Spezialisten ein, ehe Sie ein wertvolles Stück kaufen. Und seien Sie besonders vorsichtig beim Münzenkauf im Internet!
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