Wie viel Gold steckt in einem Klimt?

Der Materialwert des Goldes, das Gustav Klimt für seine berühmtesten Werke eingesetzt hat, war vernachlässigbar. Dessen Wirkung hält trotzdem bis heute an.

Wer kennt sie nicht, die Goldene Adele, Judith oder den Kuss? Die in der sogenannten Goldenen Periode entstandenen Werke haben Gustav Klimt zu einem der bekanntesten und auch teuersten Künstler der Welt gemacht. Der Materialwert des von Klimt in dieser Zeit „verarbeiteten“ Goldes ist jedoch vernachlässigbar, wie der Klimt-Experte Alfred Weidinger* bestätigt: „Ein Blatt Gold, 24 Karat, zwölf mal zwölf Zentimeter, kostet wenige Euro. Das war auch damals so. Was die Bilder Klimts wertvoll macht, ist nicht der Goldwert, sondern die Wirkung, die über das Gold erzielt wurde.“

Mit Gold groß geworden

Um die wusste Klimt nicht zuletzt, weil er anders als die meisten seiner Zeitgenossen nicht die Akademie für Bildende Künste, sondern die Kunstgewerbeschule besuchte. Weidinger: „Klimts Kunst ist gemaltes Kunstgewerbe. Das wurde ganz augenscheinlich beim Palais Stoclet, wo Klimt mit echten Materialien das umsetzen konnte, was er sonst aus Kostengründen gemalt hat.“
Außerdem war Klimts Vater Ziseleur und Goldschmied. Weidinger: „Klimt wusste daher um die Wirkung von Gold und Edelmetallen Bescheid. Er wusste, wie Gold aussieht, wenn man es schleift oder poliert. Dieses Wissen nimmt er mit an die Kunstgewerbeschule, die für ihn die künstlerische Fortsetzung dessen ist, was sein Vater gemacht hat. Die Auseinandersetzung mit dem Material Gold.“

Warum Klimt bis heute glänzt

Das Wissen um die Wirkung des Goldes und dessen Einsatz in der Malerei ist es auch, was die bis heute anhaltende Popularität erklärt. Weidinger: „Seine ,Materialbilder‘ sind einzigartig. Damit hat Klimt eine Nische gefunden, in die ihm bis heute kaum jemand gefolgt ist. Trotzdem hat sie dieses plakative Element, das Klimts Kunst so beliebt macht. Die Verbindung mit Gold als Material ist dabei ein entscheidender Faktor auch für den Erfolg Klimts.“

 

*) Alfred Weidinger ist seit März 2020 Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums, war Vizedirektor der Albertina sowie von 2007 bis 2017 Vizedirektor des Wiener Belvedere und bis 2020 Direktor des Museums der  Bildenden Künste in Leipzig. Weidinger ist ein international anerkannter Experte für Gus­tav Klimt und wurde bereits als Kind in dessen Bann gezogen, schließlich wuchs er am Attersee auf und damit in der Kulisse für Klimts Landschaftsbilder.

Buchtipp: Mona Horncastle, Alfred Weidinger: Gustav Klimt. Die Biografie. (erschienen im Brandstätter Verlag)

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