Grünes Gold

Keine Sorge, es geht nicht um die Farbe, sondern worauf zu achten ist, wenn man Gold mit gutem Gewissen erwerben will. Nachhaltig gefördert und sauber verarbeitet.

Bei Edelsteinen kennt man die Prob­lematik der Blutdiamanten, die vor allem in Afrika unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut werden, um damit Waffen und Kriege zu finanzieren. Ein Viertel der weltweit gehandelten Diamanten sollen Blutdiamanten sein. Aber wie sieht es bei Gold aus? Wie schmutzig ist das Geschäft mit dem edelsten aller Metalle? „Gold ist ein Rohstoff und es gibt Regionen, wo der Goldabbau kritisch zu betrachten ist, wo es teilweise mafiöse Strukturen oder Warlords gibt, die mit Gold ihre kriminellen oder kriegerischen Aktivitäten finanzieren“, berichtet Rudolf Brenner, Eigentümer und Geschäftsführer von philoro: „Oder, wo Gold mit unsauberen Methoden abgebaut wird, wie Unterspülen oder Waschen mit Quecksilber. Daher tut man gut daran, kein Gold aus dubiosen Quellen anzukaufen, um diese Methoden nicht zu unterstützen.“
Aber wie weiß man, welches Gold „sauber“ ist? Für Brenner gibt es einfache Kriterien, an denen man sich auch als Konsument orientieren kann, um Barren oder Münzen mit gutem Gewissen erwerben zu können.
Wo kommt das Gold her?
Die erste Möglichkeit, gutes von „bösem“ Gold zu unterscheiden, ist das Land, wo es abgebaut wurde. Zu den Herkunftsländern, von denen man Gold unbedenklich erwerben kann, zählt für Brenner Südafrika, für ihn nicht nur eines der größten, sondern auch eines der saubersten Förderländer, jedenfalls was ethische Kriterien betrifft. Brenner: „Dort kommt der Krügerrand her und die Rand Refinery oder die South African Mint haben anerkannt sehr hohe Standards.“
Noch sauberer ist Kanada, wo neben ethischen und sozialen Standards auch sehr hohe Umweltauflagen beim Goldabbau erfüllt werden. Brenner: „Es gibt aber mittlerweile auch vollkommen grüne Minen, beispielsweise in Norwegen und in Schweden, die gänzlich auf Chemikalien verzichten, sodass beim Abbau keinerlei Auswirkungen für die Umwelt entstehen.“
Für viele gilt auch Altgold, das zu neuem Gold eingeschmolzen wird, als grünes Gold. Schließlich wurde es bereits abgebaut und wird somit recycelt. Dem kann Brenner nicht vorbehaltlos zustimmen: „Wenn das Gold aus einer dubiosen Quelle kommt, wird es doch nicht sauber, nur weil es erneut im Schmelzofen eingeschmolzen wird.“ Zudem gibt es, so Brenner, kriminelle Strukturen, die illegal gehandeltes Gold als Granulat oder Bruchgold tarnen und zum Kauf anbieten. Brenner: „Diese Organisationen werden damit weiter finanziert.“ Bei philoro wird Altgold oder Bruchgold daher nur angekauft, wenn die Quelle zu 100 Prozent nachvollziehbar und umfangreich dokumentiert ist. Brenner: „Das weiß ich, wenn das Gold aus einer spezifischen Mine oder von einem bestimmten Hersteller kommt. Tracability ist eines der wichtigsten Green- Gold-Merkmale. Das gilt für Barren genauso wie für Münzen oder Schmuck.“

„Grünes Gold“ aus der Schweiz: valcambi ist ein führender Hersteller (Foto: Valcambi)
Gold aus Kanada besteht im internationalen Wettbewerb – die Goldförderung unterliegt in Kanada besonders strengen Auflagen (Foto: Vitoria Holdings LLC – GettyImages.com)

Welche Zertifikate gibt es?

Natürlich gibt es auch für Gold Zertifikate, die eine nachhaltige Förderung bestätigen. Das weltweit relevanteste Gütesiegel ist das der London Bullion Market Association (LBMA). Jeder, der seine Produkte am London Bullion Market, dem weltgrößten außerbörslichen Handelsplatz für physisches Gold, verkaufen möchte, muss sich dieser Prüfung unterziehen.
Eine Verpflichtung, um LBMA-zertifiziert zu werden, ist unter anderem „Responsible Sourcing“, also die Einhaltung von Kriterien, die eine nachhaltige Goldgewinnung sicherstellen. Ein eigenes Siegel, das auf dem Barren eingeprägt wäre, um zu erkennen, dass der Hersteller LBMA-zertifiziert ist, findet sich auf dem Barren in Form des Schmelzerzeichens. Die akkreditierten Produzenten sind zudem unter lbma.org.uk/good-delivery-list im Internet abrufbar.
Neben der LBMA gibt es Zertifizierer, die sich auf bestimmte Nachhaltigkeitsaspekte wie Umwelt oder faire Arbeitsbedingungen fokussieren. Brenner: „Unsere Produkte unterliegen alle dem LBMA-Kodex für Responsible Sourcing und für spezielle Produkte wie unserem RESPONSIBLE GOLD BOND haben wir noch zwei weitere Umweltzertifikate von ÖGUT und imug, die über die LBMA-Vorgaben noch hinaus gehen.“ Außerdem ist dieses Produkt an nachhaltig orientierte Green-Goldbarren gebunden, die von valcambi in der Schweiz produziert werden. Brenner: „valcambi hat sich sehr stark auf das Thema spezialisiert und ist einer der führenden Hersteller von Green Gold.“

Die grüne Goldfabrik

In Zukunft will philoro auch selbst Gold nachhaltig produzieren. In der „philoro Goldfabrik“, die in Korneuburg entsteht, sollen die höchsten Kriterien für Nachhaltigkeit erfüllt werden – sowohl was Umwelt und Ethik betrifft als auch Soziales und gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmen. Schon jetzt ist das Unternehmen nach der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001:2015 zertifiziert. Brenner: „In unserer künftigen Produktion in Niederösterreich wollen wir die Prozesse von Vornherein so aufsetzen, dass wir die größtmöglichen ethischen Standards erfüllen.“ Das betrifft aber nicht nur das Sourcing, also den Einkauf des Rohmaterials, sondern auch die Verarbeitung. Brenner: „Da geht es darum, sämtliche Prozesse nach höchstmöglichen Umweltstandards durchzuführen. Auch das haben wir vorgesehen.“
Schließlich wird philoro von externen Prüfern auch noch als Arbeitgeber und als Unternehmen beurteilt, das gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Brenner: „Wenn wir alle diese Dinge erfüllen, und das werden wir, werden wir nach dem Urteil der Experten weit über dem sein, was es bisher als Best-Case in unserer Branche gibt.“
Die entsprechenden Audits – drei voneinander unabhängige sind es – laufen bereits und sollen bis zur Inbetriebnahme der Goldfabrik abgeschlossen sein.
Teurer soll grünes Gold made in Austria deswegen aber nicht werden, verspricht Brenner: „Es ist zwar ein ziemlicher Aufwand und mit Kosten verbunden, aufgrund der industriellen Fertigung wirken sich diese aber nur gering auf die Stückkosten aus.“ Daher, so Brenner abschließend: „Es wird uns etwas von der Marge kosten, auf der anderen Seite sparen wir uns auch etwas und wir gewinnen ein wichtiges Qualitätsmerkmal.“

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