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Banken: Dekade der Konsolidierung

Die heimischen Banken stehen nicht nur wegen der Corona-Krise, sondern auch aufgrund des rasanten Wandels bei Technik und Kundenverhalten und der anhaltenden Niedrigzinsen vor großen Herausforderungen.

(Foto: ERSTE Bank/Daniel Hinterramskogler)

Die Ausgangslage im Frühsommer: 2020 dürften die Einnahmen der Banken in Europa um durchschnittlich 20 Prozent sinken, der Ertrag pro Kunde im Schnitt sogar um 60 Prozent abstürzen. Dies ist die Einschätzung der globalen Unternehmensberatung Kearney in ihrem „Retail Banking Radar 2020“. Jeder achten europäischen Bank drohen heuer Verluste.

In Österreich könnte die Relation von Kosten zu Ertrag im Durchschnitt wieder auf die historische Marke von 70 Prozent steigen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass den Banken nach Abzug der Kosten tendenziell weniger übrigbleibt. Die „Cost-Income-Ratio“ als Effizienzmaßstab belief sich zuletzt auf knapp über 60 Prozent.

Kredite müssen gestundet, Angebote wie zinslose Überziehungskredite usw. gemacht werden . . . Anträge auf neue Kredite oder Hypotheken wurden zuletzt in sehr geringem Ausmaß gestellt. Das bedeutet: „Die Einnahmen sinken, die Betriebskosten bleiben aber gleich. Die gesamte Branche wird durch die beispiel - losen Herausforderungen geschwächt“, sagt Studienautorin Daniela Chikova von Kearney Österreich.

Zweifacher Schock

Anders als in der Finanzkrise ab 2007 kämpfe man derzeit an zwei Fronten, verdeutlichen die Experten des Beratungsunternehmens Roland Berger: Dieses Mal treten Angebots- und Nachfrageschock gleichzeitig auf. Sie entwarfen zwei Sze - narien, jenes der „verzögerten Heilung“, bei dem eine Erholung auf Vorkrisenniveau immerhin bis 2022 möglich ist, sowie jenes der „tiefgreifenden Rezession“. Letzteres hat eine monatelange Phase weltweiter schwerer globaler Verwerfungen als Basis, von der die Welt erst ab 2025 wieder genesen werde.

Die gesamte Situation sei hochkomplex mit wirtschaftlichen Konsequenzen wie nie zuvor. Verunsichernd sei, dass künftige Entscheidungen von Regierungen und Regulierungsbehörden unwägbar bleiben und damit auch deren Auswirkungen.

Robert Zadrazil, Chef der Unicredit Bank Austria, hebt in seiner Funktion als Präsident des Bankenverbandes hervor: „Als großer Arbeitgeber sind die heimischen Banken selbst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Wir sorgen dafür, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Konsumenten beim Neustart der Wirtschaft mithelfen können – indem wir auf Kurzarbeit verzichten und bei der Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Arbeit größtmöglich flexibel sind.“

Zahlungsausfälle steigen

„Da mit mehr Unternehmensinsolvenzen in den kommenden Monaten zu rechnen ist, wird sich dies naturgemäß in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung der Banken niederschlagen“, sagt Peter Bosek, Vorstandsmitglied der Erste Group Bank. Banken seien die vergangenen Jahre hinsichtlich der Kosten aus Zahlungsausfällen verwöhnt gewesen. „Ein blinder Fleck lag bisher sicher im Thema der Liquidität bestehender Unternehmen – und zwar international gesehen“, so Bosek.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiff - eisenlandesbank Oberösterreich. Jetzt gelte es in erster Linie, die Liquidität der Unternehmen zu sichern.

„Seit Beginn der Krise im März bis zum Stichtag 29. Mai 2020 haben die Banken in Österreich insgesamt zusätzliche liquide Mittel in Höhe von rund 28 Milliarden Euro an heimische Unternehmerinnen und Unternehmer vergeben. Darüber hinaus wurden rund 194.000 freiwillige Stundungen bei Kreditzahlungen im Ausmaß von rund 29 Milliarden Euro vorgenommen“, belegt Zadrazil die Liquiditätshilfen der Banken mit Zahlen. Die kommende Dekade wird wohl eine Konsolidierung des Marktes bringen – beschleunigt sowohl durch den technologischen Wandel als auch durch potenzielle Rezessionsszenarien, erwartet die Bawag P.S.K.

Als Abwehr bauen die Institute ihre digitalen Dienstleistungen zur Unterstützung der Kunden weiter aus. „Es werden diejenigen überleben, die sich diesbezüglich diversifiziert haben“, so Chikova. Das Kundenvertrauen sei die eigentliche Bewährungsprobe. Erhöhte Loyalität genießen jene Institute, die ihre Kunden aktiv in der Krise unterstützt haben.

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