Corona-Baisse in Frankfurt

Schnäppchenjäger sollten trotz aktuell günstiger Kurse auch auf dem deutschen Aktienmarkt zunächst eine Stabilisierung abwarten.

Foto: mauritius images / Westend61 / Martin Moxter

Corona–Ölpreiseinbruch–Rezessionsangst, dieses Dreigestirn stellte den „tödlichen“ Cocktail für die langjährige Hausse dar, die auch in Deutschland im März ein jähes Ende fand. In kürzester Zeit mussten nahezu alle Börsen zweistellige Verluste hinnehmen, davon blieb auch der DAX, als deutsches Paradebörsenbarometer, nicht verschont. Lehrbuchmäßig befinden wir uns damit in einer Baisse, was die Frage aufwirft, wie lange diese noch andauern kann und wann man wieder hoffnungsvoll einsteigen sollte. 

Die Iden des März . . .

Zündstoff für „Esoteriker“ unter den Investoren: Der deutsche Leitindex DAX erreichte, so wie die meisten Aktienmarktindizes, am 9. März 2009 mit einem Niveau von 3.588 Punkten den tiefsten Stand im Zuge der Finanzkrise. Exakt am selben Kalendertag elf Jahre später, eben am 9. März 2020, sprachen wir vom „Schwarzen Freitag“ aufgrund eines Tagesverlustes des DAX von fast acht Prozent. Dem Anstieg um 260 Prozent in diesen elf Jahren folgte ein eklatanter Einbruch von über 40 Prozent in nur wenigen Tagen. Die „Iden des März“ sind da den „Lateinern“ gleich gedanklich parat, also jene Tage, an denen Roms Imperator Julius Cäsar ermordet wurde.

In der Baisse angekommen

Tagesverluste von über vier Prozent in einem der marktbreiten Aktienindizes sind börsenhistorisch nicht allzu oft festzustellen. Ein Minus von sieben Prozent und mehr gab es beim DAX in seiner Historie gar nur achtmal. Größere Rückschläge als die jüngsten gab es nur viermal, nämlich am 16. September 1989 mit 12,8 Prozent (Angst um Finanzierungen von Take-overs im Zusammenhang mit dem Erwerb von United Airlines), am 19. Oktober 1987 mit 9,4 Prozent (Absturz der New-Yorker-Börse wegen Zinsängsten), am 11. September 2001 mit 8,5 Prozent (Terroranschlag auf das World Trade Center) und am 28. Oktober 1997 mit acht Prozent (Asien-Krise).

Ein Rückschlag von über 40 Prozent bedeutet nun eben, dass wir uns in einer Baisse-Phase befinden. Irgendwann war natürlich nach dieser Langfrist-Hausse damit zu rechnen, dass sie zu Ende geht. Aber man verlässt nicht so gerne eine Party, solange die Stimmung so toll ist.  

Corona fesselt die Börsen

Wie könnte es nach dem Desaster im März nun heuer weitergehen? Aktuell hat Corona auch das gesamte Finanzleben erfasst. Abhängig von der Dauer und der Intensität sowie dem Grad der Ausbreitung wird sich auch das Wirtschaftsgeschehen präsentieren.
Für den Börsianer sind immer die Zukunftsperspektiven interessant, die Hoffnung muss am Leben bleiben. Sogar eine Minirezession kann weggesteckt werden. Auch für Deutschland taucht das „böse R-Wort“ bereits auf und die Wahrscheinlichkeit von zwei aufeinander folgenden Quartalen mit einer negativen Wirtschaftsentwicklung ist schon ziemlich hoch, womit die lehrbuchmäßige Definition einer Rezession erfüllt wäre. Aber wie schwer eine aus heutiger Sicht höchst wahrscheinliche Rezession ausfallen und wie lange sie andauern könnte, kann noch nicht konstatiert werden.

Tatsache ist jedenfalls, dass die „fetten Jahre“ vorbei sind und sich dunkle Wolken auf dem Wirtschaftshorizont abzeichnen. Doch Deutschland hatte schon vor Corona seine hausgemachten Problemkreise nicht gelöst, wie das Thema der Mobilitätswende und damit die Positionierung der für unseren Nachbarn so wichtigen Automobilindustrie, generell das Klimawandelthema, das Thema der protektionistischen Maßnahmen ausgehend von den USA, des Brexit und innenpolitischer Zerwürfnisse in Deutschland.

Mit dem bisherigen Rückgang des DAX um 40 Prozent ist bereits eine Rezession eingepreist. Kommt es zu einer tieferen Rezession fiel der DAX im historischen Vergleich üblicherweise um 45 bis 50 Prozent, dies war der Durchschnitt der letzten fünf Rezessionen seit 1973. Dies ließe im schlimmsten Fall ein Niveau des DAX von 7.600 bis 6.900 Punkten befürchten.

Rückkehr auf Höchststände unwahrscheinlich

Blickt man allerdings emotionslos auf die Charts, also die grafischen Kursverläufe, so bedarf es schon mehr als einiger Börsen-„Sonnentage“, um aus der aktuellen Tristesse der Börse rauszukommen. 

Unter dem Motto „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ sind in die Kursbildung die Erwartungen aller aktiven und marktbestimmenden Börsenteilnehmer eingeflossen. Der DAX ist auf sein Kursniveau von 2016 zurückgefallen. Aktuell liegt die nächste Unterstützungszone bei 8.200 und die übernächste bei 7.800 Punkten. Die Einprägung der genannten Zahlen, in dem Fall die Unterstützungszonen, ist auch deshalb sinnvoll, weil computergesteuerte Programme auch diese Orientierungsparameter verwenden und dann oft auch Trends beschleunigen.

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*) Dr. Franz Gschiegl ist Geschäftsführer der ERSTE Immobilien KAG.

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