Corona sorgt für Biotech-Boom

Biotech-Unternehmen geraten aufgrund der Covid-19-Pandemie wieder stärker in den Fokus der Investoren – und sind dabei im Durchschnitt sogar noch günstig bewertet.

AstraZeneca gilt mit einer von der Universität Oxford entwi­ckelten Corona-Impfung als einer der größten Hoffnungsträger im Kampf gegen die Pandemie (Foto: Astra Zeneca)

Nach dem weltweiten Rennen um medizinische Produkte, wie etwa Beatmungsgeräte oder Nasen-Mundschutz-Masken, ist jetzt ein Wettbieten um die ersten wirksamen Medikamente und Impfstoffe gegen Covid-19-Erkrankungen entbrannt. Die USA, die EU und zahlreiche einzelne Länder umgarnen die Biotech- und Pharma-Unternehmen, die in diesem Bereich forschen, in der Hoffnung, als Erstes ihre Bürger versorgen zu können. Unabhängig von diesem Sonderfaktor Corona sind vor allem die langfristigen Aussichten für die beiden Branchen sehr gut und die Unternehmen sind im historischen Vergleich sogar noch güns­tig bewertet.

Sonderfaktor Corona nicht überbewerten

Milliardenbeträge fließen weltweit in die Entwicklung von Corona-Medikamenten und Impfungen. Doch auch die Konkurrenz ist groß: Weltweit gibt es derzeit laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller 148 Impfstoffprojekte zu Corona. Als Platzhirsch gilt AstraZeneca mit einer von der Universität Oxford entwickelten Corona-Impfung. Das US-Gesundheitsministerium unterstützt den Pharma-Riesen mit bis zu 1,2 Milliarden Dollar, um sich die Belieferung mit einem potenziellen Corona-Impfstoff zu sichern, der ab Anfang Oktober erhältlich sein könnte.

Doch wegen Corona alleine sollte man in kein Biotech- oder Pharma-Unternehmen investieren. Denn vor allem für die größeren Unternehmen wären wirksame Medikamente und Impfungen gegen Covid-19 bloß ein nettes Zubrot.

Ein konkretes Beispiel dafür ist ­Gilead Sciences: Der Spezialist für anti­virale Medikamente sorgte bereits mit seiner bestehenden Palette an Medikamenten im ersten Quartal 2020 für eine positive Umsatz- und Gewinnüberraschung. Zwei Drittel des 22-Milliarden-Umsatzes 2019 stammen von HIV-Medika­menten und 13 Prozent von hochwirksamen Hepatitis-C-Therapien.

Doch der Medienfokus richtete sich auf die klinischen Tests des einst gegen Ebola entwickelten Medikaments Remdesivir, das bei damit behandelten Corona-Patienten die Zeit bis zur Genesung im Schnitt von 15 Tagen auf elf Tage verkürzt und nun für Corona-Patienten in Spitälern der USA eine Sonderzulassung erhielt. Bei einem Preis von 4.500 Dollar sollte damit laut Analysten von Piper Sandler ein Umsatz von zwei Milliarden Dollar möglich sein.

Ein weiterer Faktor, der durch Corona spürbar wurde, ist die Unterbrechung globaler Lieferketten und die hohe Abhängigkeit von den Billigproduktionsstandorten China und Indien. In den USA stammen nur noch 28 Prozent aller verkauften Präparate aus heimischer Produktion. Das führt zu einem teilweisen Umdenken in den Konzernzentralen und Regierungen. Während in Österreich etwa die Biochemie Kundl (Novartis) als Medikamentenproduktionsstandort an Bedeutung gewinnt, kündigte Sanofi an, in Frankreich einen europäischen Wirkstoffhersteller mit geschätztem Jahresumsatz von einer Milliarde Euro im Jahr 2022 zu gründen.

Neue Wachstumsimpulse

Mittlerweile haben zahlreiche Krankheiten ihren Schrecken verloren. Moderne Medikamente ermöglichen HIV-Infizierten ein fast normales Leben, Hepatitis C ist mit den richtigen Medikamenten selbst in schweren Fällen zu 90 bis 95 Prozent heilbar und diverse Arten von Lymphdrüsenkrebs lassen sich heute hervorragend behandeln – mit langer Überlebensdauer.

Tendenziell haben in den USA in den vergangenen Jahren die Zulassungen neuer Medikamente zugenommen und der Biotech-Sektor gewinnt zunehmend an Bedeutung: Laut Variant Market Research soll der globale Biotechnologiemarkt von 2017 bis 2025 um 8,1 Prozent pro Jahr auf 726,8 Milliarden Dollar wachsen.
Übernahmen und Kooperationen mit kleinen Forschungsunternehmen und entsprechende Forschungsprojekte geben auch großen Pharmakonzernen wie Pfizer (günstiger nach Kurseinbruch), Novartis, Bristol Myers-Squibb (wegen Celgene-Übernahme) und Roche neue Wachstumsimpulse. „Tatsächlich haben heute immer noch nur etwa fünf Prozent aller seltenen Erkrankungen eine Therapie – da gibt es noch viel zu tun, und das sorgt entsprechend für volle Pipelines“, verdeutlicht Lydia Haueter, Senior Investment Managerin im Themenfondsteam bei Pictet Asset Management.

Verkaufsschlager

Die amerikanische Merck & Co verfügt etwa mit dem Medikament Keytruda, das unter anderem für die Behandlung von schwarzem Hautkrebs, Lungen-  sowie fortgeschrittenen Magen- und Lebertumoren zugelassen ist und für weitere 30 Tumorarten klinisch getestet wird, trotz der aktuellen Rückschläge über einen echten „Blockbuster“: So konnte der Umsatz allein von 2017 bis 2019 von 3,8 auf 11,1 Milliarden Dollar vervielfacht werden.

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