Den eigenen Laden finanzieren

Wie viel die ideale Finanzierung kostet, zeigt GEWINN anhand von zwei Fallbeispielen aus der Sicht der Förderstellen und Banken.

Foto: vadimguzhva - GettyImages.com

Der richtige Mix aus Förderungen und Krediten führt am besten zum Ziel, wobei die Austria Wirtschaftsservice GmbH (Aws), die Förderbank des Bundes, eine zentrale Rolle spielt. Sie vergibt günstige Kredite und übernimmt Garantien von bis zu 80 Prozent der Finanzierungssumme.

Fall 1: Franchise-Nehmer

Ein 45-Jähriger muss als Franchise-Nehmer einer bewährten Kette (z. B. von „Das Futterhaus“) folgende Finanzierung aufbringen:
Kauf bzw. Errichtung der Verkaufshalle: 250.000 Euro samt Nebenkosten, Lager: 100.000 Euro; Cash-Reserven für Anlaufphase: 70.000 Euro. Potenzial: Geschäftsführergehalt von 1.700 Euro netto/Monat sowie ein Gewinn nach Steuern (GmbH) von 50.000 bis 80.000 Euro.
Kurt Leutgeb, Geschäftsfeldleiter Garantien/Eigenkapital bei der Aws, analysiert den Beispielfall: „Grundsätzlich ist bei dem vorgestellten Projekt sowohl die Übernahme einer Aws-Garantie als auch ein geförderter Aws-Erp-Kredit vorstellbar.“ Denn für Bankkredite sind Sicherheiten erforderlich. Gerade dort, wo wenig Eigenmittel vorhanden sind, stellt eine Aws-Garantie in Kombination mit der persönlichen Haftung geschäftsführender Gesellschafter eine gute Risikoteilung dar. In Frage kommen hier Erp-Gründungskleinkredite, die im Umfang von 10.000 bis zu einer Million Euro vergeben werden. Laufzeiten von über zehn Jahren sind bei der Finanzierung der Halle möglich, ansonsten betragen sie kundenabhängig zwischen fünf und zehn Jahre. Zinsen liegen fix bei 0,5 Prozent. Die Garantie erfordert ein risikoabhängiges Garantieentgelt von 0,3 bis 1,2 Prozent pro Jahr.

Achtung: Die Einreichung des Antrages muss vor Durchführungsbeginn des Projektes, sprich: vor der Bestellung, Lieferung, ersten Rechnung oder Datum des Kaufvertrags erfolgen, sonst kann die Aws nicht fördern.
Laut Martin Bachl, Vertriebsleiter Small Business Banking der UniCredit Bank Austria, sind zur Beurteilung für Jungunternehmer (weniger als drei Jahre selbständig) ein Drei-Jahres-Businessplan inklusive Umsatz- bzw. Kostenplan sowie der Franchise-Vertrag erforderlich.

Das GründerCenter der Erste Bank analysiert  das Franchise-Unternehmen und den Vertrag, die persönlichen Parameter (Know-how, Lebenslauf, Lebensführungskosten), den Markt (Standort, USP, Business-Konzept) sowie die Umsetzung des Vorhabens.

Das Ergebnis ist ein Mix aus Eigen-,  Fördermitteln und  Bankkrediten. Die Halle kann im Zuge eines Gründungsgeschäfts übrigens als privater Hypothekarkredit finanziert werden. Vorteil: Schutz des Konsumentenschutzgesetzes. Ergänzend kommt der Aws-Erp-Gründungskleinkredit in Frage. Auch sollten regionale Fördertöpfe beachtet werden. Zum Beispiel gibt es in Oberösterreich noch 7,5 Prozent Start-up-Prämie für aktivierte Investitionskosten in Kombination mit dem Aws-Erp-Gründungskleinkredit.
Betreffend Bankkredit nennt Judith Schrammel, Leiterin Geschäftskunden Volksbank Wien, konkrete Zinssätze: Bei der Finanzierung der Halle beträgt ein Fixzinssatz auf maximal 20 Jahre üblicherweise zwei bis 2,50 Prozent p. a., variabel ab 1,25 Prozentpunkte Aufschlag auf den Drei-Monats-Euribor.

Fall 2: Übernahme Modegeschäft

Eine 35-jährige Frau übernimmt für 180.000 Euro ein Modegeschäft samt Inventar. Die Räumlichkeit ist gemietet, ihr Geschäftsführergehalt soll 1.500 Euro netto/Monat betragen; der Gewinn soll bei 40.000 bis 50.000 Euro liegen.

„Auch hier ist ein zinsgünstiger Erp-Kredit mit einer Aws-Garantie möglich“, so Leutgeb.
Die Unicredit Bank Austria rät der Käuferin  zur Anforderung wirtschaftlicher Unterlagen der Vorjahre vom Vorgänger, um Rückschlüsse auf die angegebenen Gewinne und die Geschäftsentwicklung machen zu können. Verpflichtend wird ein Business-Plan für die nächsten drei Jahre benötigt.

Die Experten der Erste Bank fordern neben Business-Plan und Planrechnung den Kauf-/Übernahmevertrag, Mietvertrag, Eigenmittelnachweise, Unternehmensbewertung, Jahresabschlüsse, Kalkulationsunterlagen, Infos über erforderliche Investitionen und Lebenszyklus der Ware und Branchensituation.

Volksbank-Expertin Schrammel beziffert den Zinssatz für die Übernahmefinanzierung mit 2,25 bis drei Prozent fix bzw.variabel ab 1,50 Prozentpunkte Aufschlag auf den Drei-Monats-Euribor.

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