„Der typische Insider-Händler macht 830.000 US-Dollar“

„Der Nutzen, Insider-Informationen nachzujagen, ist gegeben“, so das trockene Resümee von Ökonomie­professor Marcin Kacperczyk, der die großen Insider-Fälle an den US-Börsen untersuchte.

Finanzökonom Marcin Kacperczyk: „Vertrauen Sie nicht zu sehr auf das Wissen der Insider. Sie kochen oft nur mit Wasser.” (Foto: Peter Schmidt)

Und wie kommt man als Privatanleger an so nützliche Insider-Informationen? Das und mehr wollte Julia Kistner vom renommierten Finanzökonomen wissen. 

GEWINN: Gibt es sie wirklich, die heißen Insider-Informationen?

Kacperczyk: Dass Marktteilnehmer nicht über denselben Wissensstand verfügen, ist symptomatisch für die Wirtschaft und Finanzmärkte. Mangelnde Liquidität ist etwa ein Resultat daraus. 

GEWINN: Wie werden Finanzmarktbehörden auf den Missbrauch von Insider-Informationen aufmerksam?

Kacperczyk: Man achtet insbesondere auf zwei Signale: Auffällige Bewegungen des Volumens und der Preise vor kursrelevanten Ereignissen, vor ­allem vor Fusionen und Übernahmen oder Gewinnveröffentlichungen. Um ehrlich zu sein, kommt die US-Finanzmarktbehörde SEC heute aber den großen Fischen vor allem durch Wanzen an Telefonen und durch Informanten auf die Schliche. Das neue Whistle-Blower-Programm führte schon zu 700 Insider-Verfahren. Die höchste Belohnung brachte einem Tippgeber immerhin 14 Millionen US-Dollar (Höchstsumme inzwischen 30 Millionen US-Dollar).

GEWINN: Wow, wie werde ich Whistle-­Blowerin?

Kacperczyk (grinst): Sie müssen die richtigen Freunde haben oder angemessen heiraten und dann die Scheidung einreichen.

GEWINN: Was ist Ihre Erkenntnis aus der Analyse der großen Insider-Fälle in den USA?

Kacperczyk: Zwei Dinge: Zum einen sind plötzliche Anstiege des Handelsvolumens gegenüber Preisveränderungen das eindeutigere Signal für ­Insider-Handel. Zweitens, Optionsmärkte geben deutlichere Hinweise auf Insider-Handel als Aktienmärkte. Es lohnt sich auch deshalb, die Optionsmärkte zu beobachten, weil sich hier Insider-Handel an den Aktienmärkten widerspiegelt, nicht umgekehrt.

GEWINN: Wieso das?

­Kacperczyk: Weil die Trader ihre Deals oft an den Optionsmärkten hedgen und weil bei Optionsmärkten di ­Market-Maker die Kurse stellen, die Informationen von den Aktienmärkten nutzen können.

GEWINN: Handeln Insider strategisch, etwa bevorzugt dann, wenn der Markt gerade hoch liquide ist, damit es weniger auffällt?

Kacperczyk: In den seltensten Fällen. ­Ihren Wissensvorsprung nutzen sie in der Regel sofort, die Hälfte etwa innerhalb eines Tages. Die meisten traden an den Aktienmärkten – 70 Prozent der untersuchten Fälle. Die Versierteren, das ist mit 30 Prozent die Minderheit, traden mit Hebel an den Optionsmärkten. Insider-Handel gibt es kaum an den Anleihenmärkten.

GEWINN: Stürzen sich die illegalen Insider-Händler eher auf enge, wenig gehandelte Werte?

Kacperczyk: Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Sie bevorzugen große, liquide, namhafte Aktien. Denn da fallen ihre Deals weniger auf.

GEWINN: Wo ziehen Sie eigentlich die Trennlinie zwischen legalem und illegalem Insider-Handel?

Kacperczyk: Das ist eine sehr schwierige Frage und hier müssen die Regulatoren sich sicher noch einiges einfallen lassen. Als legal gilt, wenn Firmen-Insider wie Vorstände, Aufsichtsräte, leitende Angestellte, Großaktionäre ihre eigenen Aktien kaufen und verkaufen und dies auch umgehend der Finanzmarktaufsicht melden. Illegaler Insider-Handel wäre etwa, wenn Aktien treuhändisch gehandelt und dabei nicht öffentliche Informationen verwendet werden. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Raj ­Rajaratman, der zu elf Jahren Haft ­verurteilt wurde, weil seine Hedge-Fonds-Gruppe Galleon mit illegalen ­Insider-Informationen aus namhaften US-Firmen sich mindestens 20 Millionen US-Dollar Spekulationsvorteile verschafft haben soll.

GEWINN: Wie sieht bei Ihrer Analyse der Prototyp des illegalen Insider-Traders aus?

Kacperczyk: Er macht im Schnitt 14 Trades bei fünf Firmen. Knapp 94 Prozent sind männlich, das Durchschnittsalter liegt bei 43 bis 44 Jahren.

GEWINN: Da bin ich unverdächtig. Und was bringt ihm im Schnitt der Insider-Handel?

Kacperczyk: Bei den analysierten Fällen waren es 831.000 US-Dollar.

GEWINN: Macht es Sinn, dass ich als Privatanleger zumindest die legalen Insider-Transaktionen der Großinvestoren und Manager verfolge?

Kacperczyk: Es ist durchaus informativ einzusehen, was die jüngsten Deals der Großinvestoren waren. In den USA sind die ,13 D Filings‘ öffentlich zugänglich (Anm. d. Red., Link: http://www. sec.gov/edgar/quickedgar.htm). Sichten kann man auch die Käufe und Verkäufe der Firmen-Insider in den Datenbanken europäischer Finanzmarktbehörden (Red.: in Österreich „Director’s dealings“ auf fma.gv.at, in Deutschland „Insiderüberwachung“ auf www.bafin.de). Vertrauen Sie aber nicht zu sehr auf das Wissen der Insider. Sie kochen oft nur mit Wasser.

GEWINN: Hätten Sie Tipps für unsere Leser und mich, wie man sonst noch an Insider-Informationen herankommt?

Kacperczyk (grinst): Ich gebe Ihnen das gleiche Rezept wie für Whistle-Blowing: Suchen Sie sich die richtigen Freunde oder heiraten Sie gediegen . . .

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